Zusammenschluss steht ohne Vorstand vor Auflösung

Macht der Gewerbeverein noch Sinn?

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Ende des Engagements: Der aktuelle Vorstand des Gewerbevereins (von links Gerlinde Kronawitter, Michael Wildhirt, Rene Arm und Axel Kronawitter) traten bei der Jahreshauptversammlung geschlossen zurück. Die unzureichende Unterstützung der Mitglieder wurde dafür angeführt.

Eppertshausen - Der Vorstand des Gewerbevereins hat sich geschlossen aus seinem Amt verabschiedet, eine Nachfolge ist nicht gefunden – mangels Interesse der Mitglieder, die sich in einer geringen Teilnehmerzahl bei der Jahreshauptversammlung zeigte. Wie soll es nun weitergehen? Von Michael Just

Es war ein krachendes Ausrufezeichen, das der Vorstand des Gewerbevereins Eppertshausen (GVE) nun setzte: Bei der Jahreshauptversammlung in der Krone, zu der auch die Neuwahl der Führungsspitze gehörte, traten die jetzigen Amtsinhaber geschlossen zurück. Dazu verneinten sie die Anfrage von Wahlleiterin Sigrid Vorwerk deutlich, für ein erneutes Engagement zur Verfügung zu stehen. Die anschließende Suche von Vorwerk, Kandidaten für die Wahl zu finden, blieb erfolglos. Bei gerademal zehn Anwesenden, wovon der geschäftsführende Vorstand fast die Hälfte ausmachte, war dies ohnehin schwierig. Nun steht der GVE mit seinen 63 Mitgliedern erstmal ohne echte Führung da.

Nachdem die beiden gleichberechtigten Vorsitzenden Michael Wildhirt und Rene Arm kurz nach 19 Uhr den Abend eröffnet hatten, schlossen sie diesen um 19.26 Uhr wieder. „Das dürfte die kürzeste Hauptversammlung in der Geschichte des GVE gewesen sein“, bilanzierte Wildhirt. Im Rechenschaftsbericht hatte Rene Arm zuvor auf 2015 zurückgeblickt. Hier fanden Vorgespräche über die Gewerbemeile 2017 statt, eine Professionalisierung des Internet-Auftritts oder die monatliche Pflege des Stammtisches. Den Zuspruchfür den Stammtisch bezeichnete die Vereinsspitze – wie das gegenwärtige Interesse der Mitglieder insgesamt – als enttäuschend: „Meist war nur der Vorstand da. Im Prinzip war es eine Vorstands- und keine Unternehmerrunde.“ Auch eine Umfrage unter den Mitgliedern, wo der Schuh drückt oder wie Aktionen geplant werden können, endete mit einem enttäuschenden Rücklauf von gerademal 20 Prozent.

„Macht der Verein da überhaupt noch Sinn?“, fragte Sigrid Vorwerk und erhielt ein Achselzucken als Antwort. „Das weiß ich nicht. Wir sehen uns jedenfalls fehl am Platz“, konstatierte Rene Arm. Für ihn und Kollegen ist das Gewerbe im Ort derzeit wohl „anderweitig unterwegs“. Dazu meinte ein Mitglied, dass man die Sache mit mehr Nachsicht betrachten müsse. So werde der Verein durch schwierige Strukturen geprägt. Gewerbe und Handel verrichteten ihre Tätigkeiten in höchst unterschiedlichen Sparten, zudem sei der Handel ohnehin kaum noch vorhanden. In der Folge würden Neuerungen alleine ausgeführt. Erschwerend komme hinzu, dass es keine Konzentration der Geschäfte im Ortskern gibt. Damit sei beispielsweise ein verkaufsoffener Sonntag erst gar nicht möglich. „Trotzdem ist etwas machbar – wenn man es will“, hielt der scheidende Vorstand dagegen. Unter der Hand musste das Quartett auch Kritik einstecken: Unter anderem wird moniert, dass der GVE am Weihnachtsmarkt seit Jahren keinen eigenen Stand hat. Auch Aktionen wie der Ostermarkt oder das Eiszeitfest lägen lange zurück, ohne dass man danach etwas forciert hätte. Wie der Vorwurf zeigt, gibt es unterschiedliche Ansichten im Verein, in wessen Feld der Ball zum Anstoßen liegt.

Archivbilder aus dem Jahr 2013

Ansturm auf Gewerbemeile

Für den 21. April (Beginn 19.30 Uhr) wurde eine außerordentliche Versammlung in der „Krone“ angesetzt, um einen neuen Vorstand zu finden. Bis dahin führen die bisher Verantwortlichen ihre Aufgabe kommissarisch weiter. „Jetzt ist die Zeit zum Nachdenken angebrochen. Vielleicht finden sich noch Köpfe, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“, hofft Michael Wildhirt. Über eine Auflösung will er nicht nachdenken. Die bisherige Einzelkämpferrolle des Vorstands sieht er aber als erschöpft, den Denkanstoß als unausweichlich. So birgt die Versammlung am 21. April schon jetzt reichlich Spannungspotential, ob und wie es mit dem GVE weitergeht.

Quelle: op-online.de

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