Aufführung des Chors St. Sebastian mit aktuellen Akzenten

300 Zuschauer sehen Musical „Mensch Jesus“

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40 Sängerinnen und Sänger wirkten am Musical „Mensch Jesus“ mit. Die „endlose Story von Gottes Sohn“ traf den Geschmack des Publikums.

Eppertshausen - „Zweitausend Jahre kennen wir schon - die endlose Story von Gottes Sohn. Zweitausend Jahre ist das schon her - doch manchmal kommt es mir vor - als ob’s erst gestern gewesen wär’!“ Diese Verse stammen aus dem Lied „2000“, komponiert vom Münsterer Dieter Müller-Herzing. Von Jens Dörr

„2000“ wiederum ist Bestandteil des auch insgesamt aus seiner Feder stammenden Musiktheaters „Mensch Jesus“. Mit diesem Musical widmete sich der unter Müller-Herzings Leitung stehende Eppertshäuser Chor St. Sebastian am Sonntag im gleichnamigen katholischen Gotteshaus dem Leben, Sterben und der Wiederauferstehung von Jesus Christus – und warf auch unter sehr aktuellen Gesichtspunkten einen Blick auf die wichtigste Geschichte des Christentums. Möglich machte dies die Überarbeitung des Werks durch seinen Urheber. Denn „Mensch Jesus“ verfasste Müller-Herzing bereits vor 20 Jahren, führte es mit dem Eppertshäuser Kirchenchor 1997 erstmals auf. Der recht junge, 40 Frauen und Männer starke Chor St. Sebastian nahm sich gemeinsam mit dem Musikalischen Leiter nun einmal mehr dem Stoff an. Mit rund 300 Zuschauern war die Resonanz am Sonntagabend ähnlich groß wie beim letzten Musical 2014 („Am Ende zählt nur noch die Liebe“), alle Sitzplätze waren belegt.

Mit sichtlicher Freude an der Musik leitete Dieter-Müller-Herzing (hier am Keyboard) die Aufführung.

Nicht nur deshalb war Müller-Herzing mit dem Verlauf und der künstlerischen Leistung von Chor, Solisten, Sprechern und instrumentalen Begleitern nach der Vorstellung erfreut: „Der Abend ist wirklich gut gelaufen, ich bin sehr zufrieden.“ Sowohl gesanglich als auch schauspielerisch ging das Konzept des Musicals auf. Das sah vor, dass die Ereignisse im Leben von Jesus Christus lediglich die Rahmenhandlung bildeten, der Chor aber auch Bezüge zu aktuellen Themen herstellte. Die auch zunehmend nach Europa fliehenden Menschen waren das wichtigste: Auch Jesus wird in der Neuauflage als Flüchtling dargestellt. Um der jetzigen Situation gerecht zu werden, schrieb Müller-Herzing die 20 Jahre alten Texte vielfach um, „vier Stücke waren ganz neu“. Auch die Menschen, die den Flüchtlingen mal hilfsbereit, mal ängstlich, mal ablehnend gegenübertreten, wurden im Musical thematisiert.

Rita Heckwolf-Traub übernahm dabei die Rolle Jesus Christus. Mit ihr mischte sich bei der Kreuzigungsszene der gesamte Chor unter das Publikum – und bildete mit der Anordnung der Personen ein Kreuz, was sich am besten von der Empore aus wahrnehmen ließ. Die Kerzen in den Händen symbolisierten das Leben. Als die Kerzen ausgehaucht wurden, starb Jesus den Kreuztod. Derlei Einfälle oblagen bei „Mensch Jesus“ Regisseur Thomas Bierwagen. Müller-Herzing präsentierte sich nicht nur am Keyboard, sondern auch im Duett mit Dagmar Euler. Michael Roth begleitete die insgesamt 13 Stücke an der Orgel, Claus Murmann an der Gitarre. Harald Müller, Klemens Euler und Hubert Skorka zeichneten für die Licht-, Ton- und Produktionstechnik verantwortlich. Einen wichtigen Part nahmen auch die Sprecher Thorsten Weber und Patricia Schledt ein.

Mit der Aufführung des Musicals tut der Eppertshäuser Chor St. Sebastian überdies einmal mehr Gutes: Die Hälfte der 1 800 Euro, die die Besucher am Sonntagabend freiwillig gaben (der Eintritt war grundsätzlich frei), wird dem Eppertshäuser Asylkreis zur Verfügung gestellt. Die andere Hälfte will der Chor Müller-Herzing zufolge in ein neues Klavier investierten. „Mensch Jesus“ soll zudem am 27. Mai auf dem Katholikentag in Leipzig ein weiteres Mal zur Aufführung gebracht werden.

Quelle: op-online.de

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