/ Mit männlichem Zupf-Freund ein Exot

Mit Harfe an die Spitze musizieren

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Der zehnjährige Eppertshäuser Paul Spencer-Buff (rechts) ist ein Talent an der Harfe und tritt auch im Duo mit seinem Freund Christoph Andreas Knirsch auf. Jüngst zählten beide zu den Preisträgern des Wettbewerbs „Jugend musiziert“.

Eppertshausen - Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, sagt man gemeinhin. Mit Blick auf das musikalische Talent des zehnjährigen Eppertshäuser Harfinisten Paul Spencer-Buff findet man für diese Weisheit weiteren Nährboden. Von Jens Dörr 

Die Mutter des musikalischen Talents, Baldrun Spencer-Buff, ist studierte Klavierpädagogin und hat seit frühester Kindheit viel mit Paul gesungen, war mit ihm in musikalischen Eltern-Kind-Kursen, brachte ihn in die „Musikalische Früherziehung“ der Musikschule Rödermark. Vorgemacht hat es stets Pauls drei Jahre älterer Bruder Karl, der Querflöte spielt. Was an sich schon ein eher seltenes Instrument für einen männlichen Teenager ist, aber nicht an Pauls Exotik herankommt: Der junge Musiker hat sich der Harfe verschrieben. Zusammen mit seinem Freund Christoph Andreas Knirsch zählt er zu den aktuellen Preisträgern von „Jugend musiziert“ – und bildet mit ihm zusammen das einzige Männer-Duo für Harfe, das am diesmaligen Wettbewerb deutschlandweit teilgenommen hat.

Seine Begeisterung für das außergewöhnliche, nicht ganz billige Instrument (Baldrun Spencer-Buff: „Die Anschaffung einer Harfe ist vergleichbar mit der eines Klaviers“) nahm Paul Spencer-Buff zufolge seinen Anfang in der Akademie für Tonkunst in Darmstadt. Bei einem Tag der offenen Tür probierte sich der damals Sechsjährige schließlich auch an einem der größten und ältesten Zupfinstrumente überhaupt. „Mein erstes Stück war ,Alle meine Entchen’“, blickt er zurück – und trat fortan musikalisch weder unmittelbar in die Fußstapfen seines Bruders noch in die seiner Klavier spielenden Mutter.

Die weitere musikalische Vita verlief seither erfreulich. „Ein Jahr nachdem ich angefangen hatte, Harfe zu spielen, habe ich das erste Mal bei ,Jugend musiziert’ teilgenommen“, erzählt Paul. In diesem Jahr wurde er im Duo mit seinem Freund (mit dem er seine Kunst kürzlich beim Preisträger-Wettbewerb in Groß-Umstadts Stadthalle vortrug) zum Hessischen Landeswettbewerb weitergeleitet. Am 11. März spielt er in der Landesmusik-Akademie in Schlitz. Überdies ist Paul auch schon bei Harfenkonzerten mit seiner Harfenlehrerin Ute Steffan und ihren anderen Schülern, in diesem Jahr zum Beispiel am 3. Juli in der Frauenfriedenskirche in Frankfurt, zu hören gewesen.

Neben Steffan zählen die Musikschule Rödermark, sein Mitspieler Christoph und dessen Eltern zu den wichtigsten Förderern seiner noch jungen, aber bereits viel versprechenden Laufbahn. Seine Mutter misst zudem der Zeit an der Altheimer Regenbogen-Grundschule Bedeutung bei: „Musik ist dort sehr wichtig und präsent.“

Gut voran geht es mit der musikalischen Entwicklung des Eppertshäusers natürlich trotzdem nicht von allein. Paul übt jeden Tag, „er ist zweifellos musikalisch begabt“, sagt seine Mutter zudem. Er habe sich „an der Harfe gut entwickelt und zeigt auf der Bühne Nervenstärke und Ausdruckskraft, ebenso wie sein Freund Christoph“. Beide Jungs hätten „wunderschön miteinander musiziert und zunehmend gelernt, aufeinander zu hören und zu achten, miteinander am Instrument ,zu atmen’“. Sie hätten ein gemeinsames Gefühl erarbeitet, musikalische Bögen und Spannungen zu entwickeln.

Die Feinabstimmung im Duo ordnet Baldrun Spencer-Buff als noch etwas schwieriger ein als das reine Solospiel: „Es erfordert sehr viel Musikalität und Einfühlungsvermögen.“ Was die Geschichte von Paul Spencer-Buff darüber hinaus bemerkenswert macht, ist die Tatsache, dass es kaum männliche Musiker an der Harfe gibt. „Sicher ist ein männlicher Harfespieler ein eher seltenes Phänomen; aber dass nun gleich zwei Jungen in fast gleichem Alter, auf ähnlichem Stand an der Harfe und dick befreundet, miteinander Harfe spielen, das setzt dem Ganzen wirklich die Krone auf“, findet seine Mutter.

Obgleich die Zeit, die der in Rödermark zur Schule gehende Eppertshäuser in die Musik steckt, doch einen größeren Teil seiner Freizeit einnimmt, bleibt noch Raum für ein anderes Hobby: Paul Spencer-Buff, glühender Fan von Bundesligist SV Darmstadt 98, spielt beim FV Eppertshausen Fußball. Nicht im Tor freilich, weil das für die Saiten zupfenden Hände dann doch etwas zu risikoreich wäre. Auch sein größter Wunsch hat mit dem runden Leder und nicht mit dem Instrument zu tun: „Ich möchte einmal mit Lilien-Kapitän Aytac Sulu an der Hand bei einem Erstliga-Spiel einlaufen.“

Quelle: op-online.de

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