Urnenbestattung in der Eppertshäuser Abteiruhe

Ruhe im Wald wird gesucht

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Die Waldidylle der Abteiruhe kommt besonders im sonnigen Herbstlicht zur Geltung. Diese alternative Art der Bestattung wird bei den Bürgern gut angenommen.

Eppertshausen - Ohne Schnickschnack, ohne Grabstein und vor allem ohne viel Pflegeaufwand für die Angehörigen: Die alternative Bestattungsart in der Abteiruhe kommt bei den Bürgern gut an. Von Corinna Hiss

„Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung“, ist sich Jürgen Geist von der Friedhofsverwaltung sicher. Damit meint er, rund 60.000 Euro zu investieren, um hinter dem Waldfriedhof eine weitere Art der Bestattung für die Eppertshäuser Bürger anzubieten. Seit knapp einem Jahr können dort die Toten ihre letzte Ruhestätte finden – abseits von prunkvollen Grabsteinen, künstlichen Pflanzen oder roten Kerzen. In der Abteiruhe ähnelt nichts einem Friedhof, höchstens eine kleine Plakette weist auf die Namen einiger Verstorbener hin. Ansonsten stehen die 38 Buchen unberührt inmitten der Natur.

Vereinzelte Waldspaziergänger passieren, Laub raschelt am Boden, die Sonne der vergangenen Tage lässt die bunten Herbstblätter in ein schier magisches Licht eintauchen: Der Reiz der Abteiruhe liegt eindeutig in der friedlichen Idylle, die sich jedem unweigerlich bietet. Für viele Angehörige ist aber noch ein weiteres Kriterium entscheidend. Da eine Grabpflege wegfällt, entstehen nur die üblichen Anschaffungskosten einer Urnenbestattung.

„Die Bürger nehmen die Abteiruhe sehr gut an“, sagt Geist. Das bestätigt auch die hohe Nachfrage: Bereits Wochen bevor die erste Urne im Waldboden beerdigt wurde, hatten sich einige schon ein Plätzchen für ihre engsten Verwandten reserviert. Mittlerweile sind dort 30 Menschen bestattet – ein sehr hoher Anteil im Vergleich zu den 50 bis 60 Toten, die es in Eppertshausen jährlich gibt, findet auch Melanie Hartig vom Friedhofs- und Bestattungswesen.

Platzangst muss in der Abteiruhe jedoch keiner haben: An jeder der 38 Buchen können 24 Urnen untergebracht werden. Bis die rund 900 Stellen voll besetzt sind, wird es also noch eine Weile dauern. In der Gemeindeverwaltung fällt die Bilanz im ersten Jahr jedenfalls durchweg positiv aus. „Angehörige finden dort ein Ort unberührter Natur, ohne gänzlich auf die Infrastruktur eines Friedhofs zu verzichten“, sagt Geist. Denn nur wenige Meter neben der Waldidylle befinden sich der Parkplatz oder auch Toiletten.

Eine kleine Unannehmlichkeit müssen alle Besucher momentan allerdings hinnehmen: Das große Holzkreuz an der Trauerhalle ist stark verfault und somit einsturzgefährdet. „Die Halle wurde Ende der 90er Jahre in Betrieb genommen, seitdem hängt es dort“, berichtet Geist. Aus Sicherheitsgründen wurde der Bereich großflächig abgesperrt, bei Trauerfeiern muss auf die Seiteneingänge ausgewichen werden. Ein Zimmermann war bereits vor Ort und konnte gute Nachrichten überbringen: Das Kreuz muss nicht durch ein neues ersetzt, sondern kann mit wenigen Maßnahmen wieder hergestellt werden.

Quelle: op-online.de

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