Sport Stacking in Hochgeschwindigkeit

Dennis Grimm ist Weltmeister im Becherstapeln

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Er hat die Goldmedaille im Sport Stacking schon um den Hals. Trotzdem übt Dennis Grimm im heimischen Keller fleißig das Becherstapeln auf Zeit. Immer schneller werden, ist sein Motto.

Eppertshausen - Profi im Becherstapeln, genannt Sport Stacking, ist Dennis Grimm aus Eppertshausen. Im Team der Nationalmannschaft jagt der 17-Jährige einen Titel nach dem anderen. Von Katrin Muhl 

Sein bisher größter Erfolg ist die Goldmedaille, die er sich bei der Weltmeisterschaft im bayerischen Speichersdorf erstapelte. Flink huschen die Hände von Dennis Grimm über den Tisch, bauen Pyramiden aus Plastikbechern und reißen sie wieder ab. Das geht so schnell, dass das Auge kaum hinterher kommt – dabei gibt sich der junge Profi im Sport Stacking für die Kamera beste Mühe, sein Talent in Zeitlupe vorzuführen. „Da gehört jede Menge Konzentration dazu“, weiß Mutter Claudia Grimm, die ihren Sohn bestmöglich unterstützt und bei so gut wie jedem Wettkampf dabei ist, um vor Ort die Daumen zu drücken.

Was aussieht wie ein Hütchenspiel in Höchstgeschwindigkeit ist seit 1998 in den USA ein anerkannter Sport. In den letzten Jahren schwappte der Trend auch nach Deutschland. Zum ersten Mal davon erfahren hat Grimm vor gut sieben Jahren während der Projektwoche in der Schule auf der Aue. „Ich habe mir ein Set gekauft, die AG besucht und täglich geübt. Ich wollte schneller und schneller werden“, erinnert er sich. Mittlerweile stapelt Grimm hochklassig, ist Teil der Nationalmannschaft und neuerdings auch Weltmeister.

Grinsend präsentiert er eine ganze Sammlung an Medaillen, von denen die neueste seine liebste ist. Gewonnen hat er die goldene Auszeichnung am vergangenen Wochenende bei der Weltmeisterschaft im Sport Stacking als vierter Kopf der deutschen Head-to-Head-Staffel in der Altersklasse 17 bis 18. In der Disziplin „3-6-3“, bei der drei, sechs und wieder drei Plastikbecher neben- und aufeinander gestapelt werden, hantierte sein Team fehlerfrei und schneller als die Konkurrenz (13,693 Sekunden).

„Für mich war es ein total aufregendes Erlebnis bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein und ein megagutes Gefühl, mit dem Trikot der Nationalmannschaft auf der Bühne zu stehen und die deutsche Hymne zu hören“, erzählt Grimm, der den WM-Sieg als größten Erfolg in seiner Laufbahn als professioneller Becherstapler wertet. Ziemlich stolz ist er aber auch auf etliche Preise, die er bei der Deutschen Meisterschaft abgesahnt hat, darunter drei Goldmedaillen – eine davon der Beweis für den Erfolg im „3-6-3“-Doppel bei der Deutschen Meisterschaft. „Dabei waren wir im Turnier mit 7,5 Sekunden fast eine Sekunde langsamer als im Training“, verrät Grimm. Sein persönlicher Rekord im „3-6-3“-Einzel liegt bei 5,94 Sekunden.

Die enorme Schnelligkeit kommt nicht von ungefähr. Getrieben vom Ehrgeiz, die eigene Zeit immer wieder zu unterbieten, gab es Phasen, in denen Grimm täglich zwei Stunden übte. Immer im Blick: die speziell für das Sport Stacking entwickelte Uhr, die auf das Tausendstel genau misst. „Irgendwann“, so Grimm, „geht eine gewisse Schnelligkeit in Fleisch und Blut über und man kann sie auch nach langen Traningspausen wieder abrufen. Das ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht so schnell.“ Anders sieht es in Sachen Technik aus. Um Fehler – Becher fallen um oder die Reihenfolge der Formationen stimmt nicht – braucht es Training. „Da muss ich erst wieder reinkommen, wenn ich die Becher im Sommer, wenn keine Wettkämpfe sind, einige Zeit habe ruhen lassen“. verrät der 17-Jährige.

Vor wichtigen Turnieren trifft sich Grimm mit seinen Mannschaftskollegen vom TV 1888 Zuffenhausen. Meist übt er allerdings im heimischen Keller, wo rund 40 bunte Becher-Sets auf den Einsatz warten. Für den Laien nicht erkennbar: Becher ist nicht gleich Becher. Es gibt Unterschiede, und zwar gewaltige. „Einige haften sehr aneinander, das behindert die Schnelligkeit“, weiß Grimm. Bei der WM habe er sich für ein optisch weniger auffälliges Set entschlossen: Die Böden der transparenten Becher fehlen. „Dadurch lassen sie sich besonders schnell voneinander lösen“, erklärt der junge Experte, „allerdings fallen sie leichter um.“ Sie bei der Weltmeisterschaft trotzdem auf den Tisch zu packen, war offenbar trotzdem die völlig richtige Entscheidung.

Quelle: op-online.de

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