Mission geglückt

Thorsten Waldmann bekommt Kopie seines Ölgemäldes

+
Happy-End der etwas anderen Art: Das Bild des Karatekämpfers bleibt nicht gänzlich verloren. Thorsten Waldmann in Karate-Position: So weiß Künstlerin Myriam Haug am Besten, wie sie das Bild zeichnen soll.

Eppertshausen - Keine Möglichkeit hatte Thorsten Waldmann ausgelassen, sein geliebtes Bild wiederzufinden. Zur Erinnerung: Der Eppertshäuser verkaufte als Kind ein Ölgemälde – eigens angefertigt vom Vater – auf dem Flohmarkt und wird seitdem von Gewissensbissen geplagt. Von Corinna Hiss 

Für 4,50 Deutsche Mark wurde das Kunstwerk verhökert, der eigentliche und nostalgische Wert nicht erkannt(wir berichteten). „Erst als es fort war, merkte ich, wie wichtig es mir gewesen war – und vor allem meinem Vater, der es liebevoll für mich gemalt hat“, berichtet Waldmann im Gespräch mit unserer Zeitung.

Im Radio startete der 41-Jährige eine landesweite Suchaktion, beschrieb Form und Farbe, Größe und Beschaffenheit und hoffte darauf, dass irgendein Hesse das seit fast 30 Jahren verschollene Bild erkennt und ihm zurückgibt. „Die Anteilnahme der Radiohörer war riesig“, freut sich der Eppertshäuser. Gebracht hat es aber wenig: Einige Hinweise verliefen sich im Nichts, die heißeste Spur zu einem Spanier entpuppte sich als Finte. Andreas Gonzales meldete sich aus dem sonnigen Süden beim Radiosender und verkündete, gesuchtes Bild hänge in seiner Finca. Als Waldmann ein Foto des Bildes anforderte, erhielt er keine Antwort mehr.

Mittlerweile ist auch das Interesse des Radiosenders an dem Eppertshäuser verebbt, die Suche scheint erfolglos zu enden. Doch eine Anfrage unserer Zeitung brachte eine ungeahnte Wendung ans Licht. „Mein Gemälde ist nach wie vor verschollen, aber dafür wird ein neues gemalt“, verkündet Waldmann, der als Kind selbst begeisterter Kampfsportler war.

Künstlerin aus Bad Homburg meldet sich

Über Facebook hatte sich Myriam Haug, Künstlerin aus Bad Homburg, gemeldet und sich bereiterklärt, Waldmann eine Kopie des Karatekämpfers zu malen. „Erst dachte ich, sie meint es nicht ernst, aber sie will mir tatsächlich helfen“, freut sich der 41-Jährige. Und das Bild, das die Bad-Homburgerin anfertigen will, soll dem Original so ähnlich wie möglich sein. „Ziel ist es, dass ich wieder meinen Karatekämpfer zu Hause habe und ihn – wie ursprünglich geplant – meinem Vater schenken kann“, so Waldmann. Der Geburtstag von Papa ist zwar schon rum, als Präsent zum Runden hat es also nicht mehr gelangt.

Dennoch ist der Eppertshäuser überglücklich über den ungeahnten Ausgang seiner öffentlichen Suche. Er und Haug mailten sich unzählige Male, um die Details des Bildes zu klären. Wie ist der Gesichtsausdruck des Kämpfers? Wie seine Frisur? Und ganz wichtig: Wie genau steht er da? Letztere Frage ließ sich jedoch nicht so leicht mit Worten klären, weshalb Waldmann kurzerhand zu anderen Methoden griff.

„Ich spielte selbst Karateprofi und posierte genau so, wie es mein Held auf dem Bild gemacht hat“, erklärt er. Mit diesem Foto weiß Myriam Haug sofort, auf was sie achten muss. Und schon bald hängt das Ölgemälde wieder bei den Waldmanns in Eppertshausen. Denn eins ist für den passionierten Bildsucher klar: „Das Kunstwerk gehört meinem Vater, er hat es damals gemalt und soll es wieder bekommen.“

Für die Bad Homburger Künstlerin ist der Auftrag auch eine Herzensangelegenheit, denn Waldmanns Radioaufruf hat sie berührt. „Viele Menschen haben leider vergessen, was Geschenke und ideelle Werte überhaupt bedeuten“, sagt sie. „Ich bin kein Mensch der mitleidet und bedauert, sondern handelt und ein bisschen Glück zurückbringt, soweit es überhaupt möglich ist.“

Besonders tragisch findet sie, dass das verschollene Gemälde nicht nur einen Sammlerwert hat, sondern aus familiärem Pinsel stammt. „Wenn das Original aufgetaucht wäre, wäre das natürlich der Hammer gewesen“, sagt Waldmann ohne Gram, „aber so ist es auch ein wunderbares Ende zu meiner Geschichte.“ Ebenso rührend dabei: Der junge Eppertshäuser hatte das Bild damals für 4,50 D-Mark an Fremde verscherbelt – Myriam Haug zeichnet es ihm jetzt zum symbolischen Tiefpreis von 4,50 Euro.

Quelle: op-online.de

Kommentare