30 Jahre lang schlechtes Gewissen

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 Thorsten Waldmann sucht sein Ölgemälde: Wie auf der Skizze zu erkennen, zeigt es einen Karatekämpfer in Abwehrhaltung. Über Hinweise freut sich der Eppertshäuser.

Eppertshausen - Der Fluch des Ausmistens: Da trennt man sich schweren Herzens von einem liebgewonnenen Erinnerungsstück und wird Jahre später hinterlistig von Reue heim gesucht. Bestes Beispiel: Eppertshäuser Thorsten Waldmann. Von Eva-Maria Lill 

Sein Vater schenkte ihm ein selbstgefertigtes Ölgemälde. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände verkauft Thorsten es 1987 auf dem Flohmarkt an der Kirche. Für schlanke 4,50 D-Mark. Jetzt will er es wieder haben. Warum? „Eigentlich habe ich seit fast 30 Jahren ein schlechtes Gewissen“, gibt der Vermögensberater zu. Außerdem hat sein Vater bald Geburtstag – das wiedergefundene Gemälde wäre ein tolles Geschenk. Kürzlich fährt der 41-Jährige zu seinem Arbeitsplatz, als Radiomoderator Daniel Fischer in der FFH-Morning-Show über bereute Spontanverkäufe berichtet. „Erst dann hab ich mich wieder richtig an die Sache mit dem Gemälde erinnert und bin auf die Idee gekommen, übers Radio danach zu suchen.“ Thorsten Waldmann schreibt eine E-Mail an Radio FFH, das sich später bei ihm meldet.

Seitdem sucht Hessen mit vereinten Kräften nach dem verschwundenen Bild. Die bisher einzige Spur führt nach Spanien. Andreas Gonzales glaubt, dass Thorstens Objekt der Begierde in seiner Ferienvilla im spanischen Alicante hängt. Bisher hat er sich aber nicht zurückgemeldet. „Ich gebe die Hoffnung trotzdem nicht auf“, sagt Thorsten im Interview. Als er klein ist, malt sein Vater ihm in liebevoller Handarbeit den dynamischen Karatekämpfer auf dunkelgrünem Hintergrund. „Ich habe Judo gemacht und mich für Kampfsport begeistert“, erinnert er sich. Die 57 mal 47 Zentimeter große Leinwand hängt jahrelang in seinem Kinderzimmer. Die Krux: Der kleine Nachbarsjunge hat Angst vor dem Motiv. Die Familie Waldmann hängt das Bild ab und verstaut es im Keller.

So landete es schließlich auf dem Eppertshäuser Flohmarkt. „Ich hab gar nicht weiter drüber nachgedacht und es mitgenommen. Ich wollte es für fünf Mark verkaufen, habe mich aber runterhandeln lassen.“ Stolz kehrt Klein-Thorsten vom Markt zurück. „Als ich meinem Vater erzählt habe, dass ich das Bild los geworden bin, war plötzlich Stille und ihm sind die Gesichtszüge eingefroren. Er hatte gar nicht bemerkt, dass ich es mit auf dem Flohmarkt hatte. Allein der Rahmen war fünfzig Mark wert.“ Die Katastrophe ist perfekt, Thorstens schlechtes Gewissen plagt ihn Tag und Nacht. Er glaubt, das Bild an eine Frau verkauft zu haben und sucht nach ihr – aber ohne Erfolg. Sein Vater schimpft zwar nicht, aber die Enttäuschung ist fast schlimmer. „Ich hab gedacht: Oh nein, Thorsten, da hast du echt Mist gebaut.“ Die Einnahmen vom Flohmarkt gehen für eine Anzeige im Eppertshäuser Blättchen drauf, doch niemand meldet sich. „Ich war jung und brauchte das Geld. Jetzt bin ich schlauer und hoffe auf Mithilfe“, appelliert Thorsten.

Quelle: op-online.de

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