Unbekannter Traumjob

Als technischer Konfektionär mitten drin in der Produktion

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Oft ist die Produktion Teamarbeit: Marcel Müller (links) – seit vier Jahren ausgelernt – und Christopher Horch, Azubi im ersten Lehrjahr, schweißen die Keilleiste auf das Band.

Eppertshausen - Am Montag beginnt das neue Ausbildungsjahr. Wer jetzt noch keine Lehrstelle hat, muss nicht verzagen: Es gibt noch freie Plätze. Von Corinna Hiss 

Bürokauffrau, Kfz-Mechaniker, Mechatroniker oder Industriekaufmann – diese Klassiker der Ausbildungsberufe sind nach wie vor beliebt und für Unternehmen meistens leicht zu besetzen. Schwieriger wird es allerdings mit Stellen, unter dessen Namen sich die wenigstens etwas vorstellen können. „Es gibt über 300 Ausbildungen“, erläutert Thomas Klein von der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar auf Anfrage, „aber der Großteil der Jugendlichen bewirbt sich auf gerade einmal zehn Berufe.“ Wenn am Montag also bundesweit der Start für die neuen Azubis ist, stehen viele Firmen vor einem Problem: Ihnen fehlt der Nachwuchs, den sie ausbilden können. Auf der Suche nach geeigneten Kandidaten kommt es oft vor, dass vakante Stellen erst weit in den Herbst besetzt werden oder gar leer bleiben. „Wir registrieren neue Verträge bis Ende Oktober“, so Klein. Den 1. August als klassischen Ausbildungsbeginn gebe es demnach gar nicht mehr. Auch die Firma Habasit mit Sitz in Eppertshausen hat damit zu kämpfen, geeignete Azubis einzustellen. „Die zwei Industriekaufleute waren schnell gefunden“, bestätigt Karin Jütte aus der Personalabteilung den beobachteten Trend der IHK Darmstadt. „Was wir noch suchen, ist ein technischer Konfektionär.“

Kevin Frenser (20) kommt am Montag ins dritte Lehrjahr.

Wer diesen Namen das erste Mal im Leben hört, steht nicht alleine da. „Die meisten können sich darunter nichts vorstellen, deswegen erhalten wir auch wenig Bewerbungen“, bedauert Jütte. Dabei ist die Firma Habasit die einzige im weiteren Umkreis, die den Beruf anbietet. Vergangenes Jahr konnte das mittelständische Unternehmen, das Transportbänder und Zahnriemen herstellt, vier technische Konfektionäre einstellen, momentan fängt am Montag nur ein neuer Azubi an. Dabei ist der Beruf laut Ausbildungsverantwortlicher Silke Hanke abwechslungsreich und sowohl für Mädels als auch für Jungs geeignet. „Wer Interesse an Mathe und Naturwissenschaften hat und zudem handwerkliches Geschick besitzt, ist bei uns genau richtig“, so Hanke. Der technische Konfektionär ist mitten dabei in der Produktion der Transportbänder. Ob am Pfandautomat, an der Supermarktkasse, in Großbäckereien oder beim Check-In am Flughafen – die Kunststoffbänder der Firma Habasit werden an den unterschiedlichsten Orten benötigt. Während der Ausbildung lernt der Jugendliche die Abläufe an den Maschinen kennen, legt aber auch selbst Hand an. „Es wird gelocht, gestanzt und genäht“, beschreibt Hanke den Arbeitsalltag. Da der Kunststoff unter hohen Temperaturen erhitzt wird, sind auch physikalische Kenntnisse von Vorteil. Dabei muss der Schulabgänger kein Einser-Abitur vorzeigen. „Hauptschulabschluss mit ordentlichen Noten langt völlig aus“, erläutert Jütte.

Wie werde ich...? Detektiv/in

Wieso Habasit die Stelle noch nicht besetzt hat, liegt hauptsächlich an den fehlenden Bewerbungen. Aber es kommt auch vor, dass sich ein Kandidat im gängigen Bewerbungsverfahren als nicht geeignet herausstellt. „Nach dem persönlichen Gespräch kommt ein Eignungstest, ein Rundgang durch die Produktionshallen und ein einwöchiges Praktikum. Danach wissen wir, wer wirkliches Interesse an der Firma und dem Beruf zeigt“, beschreibt Jütte das Prozedere. Für Klein von der IHK Darmstadt ist es immer wieder schade, wenn er sieht, wie viele freie Lehrstellen es noch gibt. Allein im 20-Kilometer-Umkreis von Eppertshausen finden Interessierte auf www.ihk.lehrstellenboerse.de über 200 Ausbildungsplätze in den unterschiedlichsten Branchen. „Heute ist doch fast jeder mobil, da sind 20 Kilometer nichts“, wundert er sich. Damit die jungen Menschen überhaupt mitbekommen, welche interessanten Berufe es in der Region gibt, bedient sich die IHK aller möglicher Kanäle. Online-Stellenanzeigen und Facebook-Posts sind dabei ebenso wichtig wie das direkte Gespräch in den Schulen oder das Azubi-Speeddating, das Unternehmen und Interessenten zusammenbringt.

Für Christopher Horch beginnt am Montag das zweite Ausbildungsjahr bei Habasit. Der 17-Jährige ist mit seiner Wahl zufrieden. „Die Bänder werden auf Kundenwunsch angefertigt, deshalb ist eine Massenproduktion nicht möglich“, erzählt er. „Aber genau das macht es so spannend: Jeder Handgriff ist individuell.“ Wer Interesse an einer Ausbildung zum technischen Konfektionär hat, kann sich bei Karin Jütte, Tel.: 06071/969122, melden. Sie freut sich auf aussagekräftige Bewerbungen.

Quelle: op-online.de

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