Horst Lichter in der Jahrhunderthalle

Eulenspiegel unter Köchen

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Horst Lichter

Frankfurt - Wer in die Jahrhunderthalle gekommen war in der Hoffnung, dem Meister beim Kochen über die Schulter schauen zu können, musste Geduld mitbringen. Viel Geduld. Von Maren Cornils 

Denn Horst Lichter, dessen mittlerweile viertes Programm „Herzenssache“ Premiere feierte, hatte es nicht unbedingt eilig, den Ofen anzuschmeißen. Im Gegenteil: 40 Minuten lang lässt der 53-jährige Raritätensammler und TV-Koch mit dem charakteristischen Schnurrbart sein Leben Revue passieren, bis er mal eben aus der Hinterhand ein paar Speckwürfel auf den Induktionsherd wirft, um einen fertigen Pfannkuchen damit aufzupeppen. Das Ganze dauert drei Minuten, und hätte der Maestro nicht extra den Ventilator angeschaltet, der den leckeren Duft in die ersten Reihen verteilt: Sein Publikum auf den hinteren Rängen hätte zwischen all der Plauderei davon gar nichts mitbekommen.

„Herzenssache“ ist auch gar nicht als Kochshow angelegt, sondern als Verbeugung vor dem Leben. Als Versuch, dem Publikum eine für Lichter sehr wichtige Botschaft mit auf den Weg zu geben: „Nur, wat Du mit dem Herzen machst, dat machste auch gut!“ Und Lichter weiß, wovon er spricht: Mit 14 macht er eine Kochlehre, einige Jahre später sattelt er um auf Bergmann, um sich dann mit dem Bau eines Eigenheims so zu verschulden, dass er nach der Schicht als Zweitjob auf einem Schrottplatz „malocht“. Sein Körper zieht mit 26 die Reißleine: Schlaganfall! Mit 28 folgt der zweite Hirnschlag sowie ein Herzinfarkt. Monate später ist der Unverbesserliche Besitzer einer Halle mit Lehmboden: „Ich wog 98 gut verteilte Kilos, kam frisch aus dem Krankenhaus und hatte keine müde Mark in der Tasche. Dafür hatte ich soeben ein Lokal gemietet.“

Stoff für viele, viele schöne Anekdötchen, bei denen das Publikum vor Lachen schier am Boden liegt. Denn wenn der Schnauzbart-Träger schildert, wie er mit einer geliehenen Betonmischmaschine, einer geborgten Schubkarre und einer Schaufel 3 000 Quadratmeter Betonboden anlegen wollte, oder wie er der paragraphenbesessenen Beamterei immer wieder ein Schnippchen schlug, um seinen Spinner-Club am Leben zu erhalten, dann ist das wahnsinnig unterhaltsam. Natürlich wird auch gekocht, und Lichters Intimus Johann Lafer darf auch seine Künste unter Beweis stellen. Tatsache aber ist: Lichter ist, und das ist nicht neu, der geborene Entertainer und wirkt inmitten all der blasierten TV-Kochhalbgötter wunderbar normal. Fünf Sterne für den Eulenspiegel unter den Köchen. Am 15. Mai kommt er übrigens nach Dieburg.

Quelle: op-online.de

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