Städelsche Kunstinstitut feiert sein 200. Jubiläum

Ehrwürdige Stiftung als Zukunftsmodell

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Nikolaus Schweickart, Vorsitzende Sylvia von Metzler und Max Hollein freuen sich über Guido Renis „Himmelfahrt Mariens“ und Edgar Degas’ „Studie eines Aktes“, gestiftet vom Museumsverein.

Frankfurt - Am 15. März 1815 hat der „hiesige Bürger und Handelsmann“ Johann Friedrich Städel 1,3 Millionen Gulden und seine umfangreiche Kunstsammlung dem Städelschen Kunstinstitut vermacht. Von Carsten Müller 

Kriege und Revolutionen, Staatsgründungen und Währungsreformen überdauerte die Stiftung, die den Grundstein für eines der führenden Kunstmuseen Europas legte. Entsprechend groß wird der 200. Jahrestag der Unterzeichnung des Stifterbriefs im Frankfurter Städel Museum gefeiert.

Büste des Kunstinstituts-Stifters Johann Friedrich Städel (1728-1816) - Fotos: dpa/Städel

Natürlich am 15. März, der auf einen Sonntag fällt. Zum Tag der offenen Tür ist ein großes Bürgerfest in Museum und Garten geplant, wo unter anderem das hr-Sinfonieorchester aufspielt. Als Festrednerin wird Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erwartet. Kostenlosen Zutritt erhält man dabei in die wohl hochkarätigste Ausstellung des Jahres, die über Frankfurts Grenzen hinaus Beachtung finden dürfte: „Monet und die Geburt des Impressionismus“ (11. März bis 21. Juni) vollzieht gleichsam eigene Sammlungsgeschichte nach. Einst hatte Direktor Georg Swarzenski frühe Impressionisten wie Monet, Renoir, Degas, Manet und Cezanne angekauft, die nun um kostbare Leihgaben ergänzt werden. Filmschauspielerin Diane Kruger ihrerseits lieh dem Audioguide ihre Stimme.

Gelegenheit, Jean-Jacques de Boissieu kennenzulernen

Zuvor hat das Publikum Gelegenheit, „Jean-Jacques de Boissieu: Ein Zeitgenosse Städels“ (11. Februar bis 10. Mai) kennen zu lernen, dem der Frankfurter Sammler besondere Aufmerksamkeit widmete. Ein weiterer Zeitgenosse kommt mit William Hogarths Druckgraphiken in der Graphischen Sammlung zur Geltung (10. Juni bis 6. September), während im Ausstellungshaus „Die 80er. Figurative Malerei in der BRD“ (22. Juli bis 18. Oktober) mit Arbeiten von Kippenberger, Middendorf und anderen gezeigt wird.

Hochkaräter aus renommierten Museen werden im „Dialog der Meisterwerke“ vom 7. Oktober bis 24. Januar 2016 rund 80 Städel-Preziosen von den Alten Meistern bis zur Gegenwartskunst gegenübergestellt. Spannungsvolle Begegnungen sind zu erwarten, wenn etwa Jan van Eycks Washingtoner „Verkündigung“ auf die Frankfurter „Lucca Madonna“ trifft. Mit Ikonen der Städel-Sammlung befasst sich auch US-Aktionskünstler John Baldessari vom 5. November bis 24. Januar 2016, der eigens zum Jubiläum eine neue Werkgruppe geschaffen hat.

Städelmuseum feiert 200. Geburtstag

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Das Jahr steht überdies im Zeichen einer beispiellosen digitalen Erweiterung, die sich das Museum nach Auskunft von Städel-Direktor Max Hollein einen hohen einstelligen Millionenbetrag kosten lässt. Dazu gehören digitale Vorbereitungskurse zu Ausstellungen, kostenloses W-Lan im Haus, Computerspiele für Kinder ab acht Jahren zur frühästhetischen Erziehung, Online-Kurse in Kunstgeschichte sowie „Enhanced E-Books“ als erweiterte interaktive Kataloge. „Wir haben überhaupt kein Interesse an einem virtuellen Museum“, betonte Hollein, der mit neuen Formaten Kreise ansprechen will, die nicht im traditionellen Einzugsgebiet beheimatet sind. Virtuelle Spaziergänge kann man dennoch im Städel unternehmen, und zwar in 3-D-Animationen, die historische Hängungen nachvollziehen.

„Das Modell einer Museumsstiftung ist kein Auslaufmodell, sondern ein Zukunftsmodell“, ist der Vorsitzende der Städel-Administration, Nikolaus Schweickart, überzeugt. Einzigartig seien Gestaltungsfreiheit und Nähe zur Bürgerschaft. Den Nachweis dürfte das Jubiläumsjahr mühelos erbringen.

Quelle: op-online.de

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