hr dreht Doku-Drama

Frankfurterin lächelt wie Anne Frank

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Die 18-jährige Frankfurterin Mala Emde spielt im Doku-Drama „Meine Tochter Anne“ die Hauptrolle.

Frankfurt - Vor 70 Jahren wurde Auschwitz befreit, vor 70 Jahren starb Anne Frank im KZ Bergen-Belsen – die ARD hat die Geschichte des jüdischen Mädchens aus Frankfurt verfilmt. Von Corinna Hiss 

„Meine Tochter Anne Frank“ läuft am Mittwoch, 18. Februar, um 20.15 Uhr im Ersten.

Um die Hauptrolle zu besetzen, hat man sich auf die „Suche nach dem Anne-Lächeln“ begeben, wie hr-Redakteurin Esther Schapira es ausdrückt. Gefunden wurde die 18-jährige Mala Emde – modern, jung, stark. Und eben auch Frankfurterin. Dass sie der Anne ein Gesicht gibt, sieht die Schauspielerin als Ehre an, aber zugleich als Herausforderung. „Jeder hat schon eine Vorstellung von Anne im Kopf, und ich muss meine eigene finden“, sagt sie. Während der Dreharbeiten war das Tagebuch ihr ständiger Begleiter.

Und schon die erste Szene des Films macht deutlich, dass sich Regisseur und Autor Raymond Ley bemüht hat, ein anderes Bild des Mädchens zu zeichnen, dessen Tagebuch zur Pflichtlektüre an Schulen gehört: Anne schämt sich nicht, Worte wie „Kitzler“ oder „Geschlechtsteil“ in den Mund zu nehmen. „Du machst mir Angst, du bist doch erst 14!“, empört sich ihre ältere Schwester Margot. „Ich fühl’ mich aber nicht so“, entgegnet sie trotzig.

Diese erste Szene aus dem Doku-Drama „Meine Tochter Anne Frank“, das die ARD pünktlich zum 70. Todestag des berühmten jüdischen Mädchens am 18. Februar (20.15 Uhr) ausstrahlt, macht sofort deutlich, wie sich Anne all die zwei Jahre in ihrem Versteck in Amsterdam gefühlt hat. Sie ist reifer, ungestümer, rebellischer als Margot. Sie hat Pläne, will Sprach- und Kunstgeschichte studieren, nach Paris und London reisen. Sie trägt Lippenstift und probiert extravagante Frisuren aus. Und sie verliert nicht ihre Fröhlichkeit, obwohl sie – eingepfercht mit sieben weiteren Personen – im Hinterhaus in der Prinsengracht weit davon entfernt ist, ihre Träume realisieren zu können.

Anne Frank, ein Frankfurter Mädchen

„Die Verfilmung der Geschichte der Anne Frank ist eines der wichtigsten Vorhaben der ARD in diesem Jahr“, betont Manfred Krupp, Fernsehdirektor des hr, der das Doku-Drama zusammen mit WDR, RBB und der Berliner Produktionsfirma AVE realisiert hat. Und da Anne ein Frankfurter Mädchen ist, sei es nur naheliegend, dass der hr ihr Schicksal aufgreift.

Der 90-minütige Film stellt nicht nur Anne Frank in den Vordergrund. „Wir wollten ihre Geschichte über Otto Frank, Annes Vater, beginnen, der das Tagebuch findet“, sagt Raymond Ley im hr-Funkhaus am Dornbusch. Otto ist der einzige der acht Versteckten, der die Haft im Konzentrationslager überlebt hat. Er ist es auch, der Annes Tagebuch der Öffentlichkeit zugänglich macht – erst in redigierter Fassung, später dann komplett.

Den Filmemachern standen alle Dokumente zur Verfügung. Deshalb behandelt das Doku-Drama auch Themen, die in der ersten Version des Tagebuchs nur am Rande oder in abgeschwächter Form vorkommen. Annes wachsende Aggression ihrer Mutter gegenüber oder ihr sexuelles Verlangen sind wichtige Aspekte, die das junge Mädchen bewegt haben. Der Film ist nicht nur ein Drama über die Deportation der Juden und den Tod im KZ, sondern er portraitiert auch einen Teenager, wie er in der heutigen Zeit existieren könnte: mit dem Wunsch nach „ausgelassenem Vergnügen“ und Eigenständigkeit.

Den Dreharbeiten gingen lange Recherchen und Gespräche mit Zeitzeugen voraus. Dazu reiste das Filmteam nach Israel, Brasilien und die USA. Die Interviews mit Annes Schulfreunden oder Familienmitgliedern verleihen dem Film noch mehr Authentizität, ebenso wie Original-Töne aus „Radio Oranje“ oder Bilder von Deportationen und dem Elend der Konzentrationslager.

Mehr über den Film und Hintergrundinformationen gibt es auf der Homepage der ARD.

„Meine Tochter Anne Frank“ ist mehr als die Verfilmung ihres Tagebuchs, das vor dem Verrat des Amsterdamer Verstecks endet. Das Doku-Drama begleitet Anne bis zu ihrem Tod. Der Film endet mit historischen Bildern aus Konzentrationslagern, die mit Annes zukunftsfrohem Lächeln nichts mehr gemein haben.

Quelle: op-online.de

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