49-Jähriger wegen schweren Betrugs vor Amtsgericht

Vorwurf: Fingierte Unfälle und Gefälligkeitsgutachten

Dieburg - Seit Dienstag, 15. März, muss sich ein 49-jähriger Mann vor dem Amtsgericht Dieburg verantworten. Dem Angeklagten T. aus Reinheim wird von der Staatsanwaltschaft bandenmäßiger schwerer Betrug vorgeworfen.

Zwischen April 2008 und August 2012 soll er als Kfz-Sachverständiger in sieben Fällen Gefälligkeitsgutachten erstellt haben. Dem Angeklagten soll bekannt gewesen sein, dass es sich tatsächlich um fingierte Verkehrsunfälle gehandelt hat. Er soll dabei gewerbsmäßig als Mitglied einer Bande gehandelt haben. Am ersten Verhandlungstag wollte der 49-Jährige noch keine Angaben zum Sachverhalt machen. Daher wurde direkt der 30-jährige Hauptbelastungszeuge W. aufgerufen. Er schilderte zu jedem der sieben Fälle eine umfangreiche Tatbeschreibung.

Die Verkehrsunfälle sollen in Groß-Zimmern, Rödermark, Dietzenbach, Obertshausen und Frankfurt geschehen sein. Dabei soll es sich hauptsächlich um vorgetäuschte Auffahr- und Parkunfälle sowie Zusammenstöße beim Spurenwechsel gehandelt haben. Laut W. seien die Unfälle im Voraus abgesprochen und meist bei Nacht durchgeführt worden. Die Zusammenstöße seien so gut wie nie an den genannten Unfallorten passiert, sondern auf privaten Hinterhöfen oder abgelegenen Parkplätzen, wie etwa auf einem Parkgelände in Eppertshausen nahe der Bahngleise. Für den Betrug seien bevorzugt hochwertigere Autos gewählt worden, wie etwa ein Porsche Boxter oder ein siebener BMW, da aufgrund der teureren Bauteile ein höherer Profit möglich war. Teilweise habe für das gewünschte Schadensausmaß ein Rammstoß nicht ausgereicht, also habe man die Autos mehrmals miteinander kollidieren lassen oder sogar noch mit einem Holzpflock zusätzliche Dellen in die Karosserie geschlagen. Je schlimmer die Fahrzeuge auf den Fotos ausgesehen hätten, desto besser, meinte der Zeuge. Rücksicht auf die eigene körperliche Verfassung habe W. nie wirklich genommen. „Man kann es jetzt jugendlichen Leichtsinn nennen. Einmal hatte ich nach dem Aufprall noch tagelang Rückenschmerzen.“ Die demolierten Autos seien anschließend zu in den Betrug eingeweihten Gutachtern gebracht worden.

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Einer davon soll der Angeklagte T. gewesen sein. Diese hätten bewusst fehlerhafte und überhöhte Gutachten erstellt. So hätte man laut W. bei einer Gesamtschadenssumme von rund 10 000 Euro durchaus einen Gewinn von 5 000 Euro erzielen können. Die Unfallverursacher hätten meist eine Entschädigung von 500 bis 1 500 Euro erhalten, wenn es eine Vollkaskoversicherung gab, hätte es noch deutlich mehr seitens der Versicherung gegeben.

In den folgenden fünf anberaumten Terminen (22. und 29. März, 5., 12. und 19. April) sollen noch zahlreiche Zeugen gehört werden. Die Sitzungen finden jeweils im Saal 116 des Amtsgerichts Dieburg statt und beginnen um 9 Uhr.

flo

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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