Sozialausschuss runderneuert und verjüngt

Aktuell 114 Flüchtlinge in Groß-Zimmern

Groß-Zimmern - Personell fast komplett erneuert ist der Sozialausschuss in der aktuellen Legislaturperiode. Am Dienstag kam das Gremium zum ersten Mal nach der Kommunalwahl im Rathaus zusammen. Von Gudrun Fritsch

Jenny Aschenbrenner (SPD), die bisher zum Nachwuchs zählte, war als einzige zuvor schon in dem Ausschuss vertreten. Alle anderen sind Neulinge. Zur Vorsitzenden wurde Astrid Geiß gewählt, die auf der Liste der CDU kandidierte. Ihr Stellvertreter ist Matthias Bausch (SPD). Die Sitzung fand im Obergeschoss des Rathauses statt, weil hier Gastredner besser ihre Vorträge präsentieren können. Über die Situation der Flüchtlinge in Zimmern berichtete Sandra Bruckmann, die sich seit März hauptamtlich um die Belange der Asylbewerber vor Ort kümmert. Von insgesamt 114 Flüchtlingen leben derzeit 52 in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) in der Bahnhofstraße, 27 in Wohnungen, die der Kreis angemietet hat, für 35 Personen konnten von Privat Räume gemietet werden. Sehr froh sei sie über die engagierte Hilfe durch den Arbeitskreis, denn ihre eigene Tätigkeit sei zu rund 75 Prozent durch bürokratische Anforderungen ausgefüllt.

Um dies zu rationalisieren und überschaubarer zu machen, hat sie einen dreiseitigen Bearbeitungsbogen für Asylsuchende erstellt. So können alle Flüchtlinge erfasst, ihre Berufe und Zielvorstellungen festgehalten und vorhandene Diplome zur nötigen Anerkennung weitergereicht werden. Rund 50 Ehrenamtliche sind als Paten, Übersetzer, Lehrer oder Begleiter im Einsatz, andere helfen bei der Wohnungssuche, gestalten gemeinsame Freizeitaktivitäten und aktuell sei auch ein Sport-Coach gefunden worden (wir haben berichtet), der den Kontakt zu Vereinen fördern soll. Sie selber versuche, jeden Flüchtling mindestens einmal im Monat zu besuchen. Dank der Helfer sei dies bisher noch ausreichend. 23 Flüchtlingskinder besuchen derzeit Zimmerner Schulen, 14 Jugendliche lernen in auswärtigen Bildungseinrichtungen. Das Angebot an Deutschkursen sei schon jetzt nicht ausreichend, die Anforderungen für die Arbeitsgenehmigung liegen mit dem A2-Niveau relativ hoch. Ein zusätzliches Problem sei, dass sie für die Flüchtlinge nach der Anerkennung ihres Asylantrags eigentlich nicht mehr zuständig ist. Da es für diese Menschen bisher keinen Ansprechpartner gibt, Hilfe jedoch immer noch benötigt wird, kommen auch sie weiterhin mit Problemen zu ihr.

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Viele Afghanen haben bereits Wohnungen gefunden, derzeit leben überwiegend kurdisch- oder arabisch-sprachige Syrer, Iraker und Iraner in der Bahnhofstraße. Die sehr positive Atmosphäre sei auch darin begründet, dass in der Bahnhofstraße 25 Familienverbände und nur 23 alleinstehende Männer sind. Auf Nachfrage betonte Bruckmann, dass es bisher werder politisch noch religiös geartete Auseinandersetzungen gegeben habe. Allerdings sollte man sich jetzt nicht zufrieden zurücklehnen, denn: „In zwei bis drei Monaten sind die beiden neuen Unterkünfte bezugsfertig und weitere 100 Flüchtlinge können nach Zimmern kommen. Spätestens dann sollte eine weitere hauptamtliche Stelle besetzt werden“.

Ähnliches berichtete Ulrike Schultheiß für den Arbeitskreis. Froh sei man über den Einsatz von Bruckmann, die Kooperation laufe sehr gut. Die Ehrenamtlichen haben sich inzwischen in kleineren Gruppen zusammengetan. „Die Kleiderkiste wird gut angenommen, am Montag ist wieder ein Abgabetermin im Mehrgenerationenhaus“, sagte Schultheiß. und beschrieb die unterschiedlichen Einsatzbereiche. Besonders schwierig sei die Wohnungssuche. Die Integration verlaufe auch deshalb schleppend, weil der Spracherwerb Zeit benötige. Aber „wir haben sehr gute Kontakte zu den Leuten“, so Schultheiß. Vereinzelt seien Flüchtlinge in Vereinen aktiv, drei Syrer machen bei der Kirche ein Praktikum. Aber: „Wir arbeiten am Limit. Für weitere 100 Menschen werden noch viele zusätzliche Helfer benötigt.“

Rubriklistenbild: © dpa

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