Keine Angst vor der Bildungsachterbahn

Albert-Schweitzer-Schule: Abgänger bieten tolles Programm

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Die Vorführungen der Schulabgänger rissen das Publikum von den Stühlen.

Groß-Zimmern - Nach Hollywood wollten Abgänger der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) ihr Publikum entführen. Das ist ihnen auch gelungen, so manche Aufführung war fast oskarreif. Mit vielen Ideen, Witz und viel Selbstironie feierten die Schüler ihren Abschied von der ASS. Traditionell hatte jede Klasse eine kleine Vorführung erarbeitet, von Tanz über Gesang bis hin zu einer „ASS sucht den Superstar-Show“. Von Ulrike Bernauer 

Vor Beginn der Vorführungen richtete Schulleiter Helmut Buch in seiner Rede zunächst mahnende Worte an die Schüler. Die Spaßaktion, die die Schulabgänger an ihrem letzten Schultag in der Schule veranstaltet hatten, war wohl ein wenig aus dem Ruder gelaufen. Später relativierte Buch jedoch seine Gardinenpredigt. Mit ihren tollen Vorführungen hätten die Jugendlichen bewiesen, dass sie doch mit vollem Recht in den nächsten Abschnitt ihres Lebens, ob Berufsausbildung oder weiterführende Schule, entlassen würden.

In seiner Ansprache zur Verabschiedung hatte Buch die Schüler mit Pflanzen verglichen, die in der ASS gehegt und gepflegt, gewässert und gedüngt worden seien. „Zwischen Anpassung und Widerstand sind aus Kindern Jugendliche geworden, die wir nun an andere Bildungseinrichtungen oder Betriebe weitergeben, von wo aus sie sich zur vollen Blüte entfalten werden.“ Buch fand auch kritische Worte zur Bildungspolitik. „Ich habe inzwischen auch den Eindruck, dass Bildungspolitik sich nicht mehr vorrangig um Pädagogik und Bildung kümmert, sondern hauptsächlich darum, dass Kinder und Jugendlich möglichst schnell kostengünstig marktreif werden.“

Den ernsten Worten setzten die Schülersprecher Laura Kroymann und Jan Klitzke heitere Denkanstöße entgegen. Sie verglichen ihre bisherige Schullaufbahn mit der Achterbahn, nicht nur eine Frage der Höhen und Tiefen, sondern hätte man unter Umständen statt der langsameren G9-Achterbahn lieber die schnellere G8-Bahn nehmen sollen? Ihr Rat zum guten Schluss, „keine Angst vor den nächsten Fahrgeschäften.“

Für das hollywoodreife Showprogramm hatten sich die beiden Gymnasialklassen B und C zusammengetan. Sie brillierten mit einem gemeinsamen Tanz- und Gesangspart, der so manchen Zuschauer vom Stuhl riss. Die neunte Hauptschulklasse A suchte das Abschlusstalent und konnte zwei wahre Könner vorzeigen. Anthony Appiah zeigte einen akrobatischen Tanz, bei dem mancher sich fragte, wie er die Knoten wieder aus den Beinen bekam, und Can Aytun stellte seine tolle Stimme unter Beweis. Den Pokal durften sich beide zum guten Schluss teilen.

Abschlussfeier der Albert-Schweitzer-Schule in Groß-Zimmern

Mit abenteuerlichen Kostümen kam die Realschulklasse zehn A auf die Bühne, um in einer gemeinsamen Show zu singen und zu tanzen. So mancher Lehrer hatte Mühe, seine Schüler unter der Verkleidung wieder zu erkennen. Getanzt haben auch die Schüler der Realschulklasse zehn B, die mit einem klassischen griechischen Tanz aber auch dem Gassenhauer Makarena“ ihr intensives Gemeinschaftsgefühl als Klasse demonstrierten.

Das absolute Highlight gelang der Klasse Gymnasialklasse zehn A, die fragte: „was wäre, wenn Mädchen Jungen wären, und umgekehrt?“ Folgerichtig schwebten die Jungen in Ballettröckchen über die Bühne und zeigten sich als Barbie-Girl. Die Mädchen hingegen trugen Hemd und Schlips und erprobten sich im Kung Fu Fighting. Getoppt wurde das Ganze dann noch, als Klassenlehrer Harald Beck, der die Geschlechterwandlung natürlich mitmachte, sich als berockte Dame von den Balletttänzern auf Händen tragen ließ. Spätestens hier hielt es die Zuschauer nicht mehr auf den Stühlen und mit Standing Ovations ging es in die Pause.

Zur Zeugnisausgabe hatten sich alle Schüler wieder aus ihren Verkleidungen gepellt. Für Schulleiter Buch waren sie dennoch kaum wieder zu erkennen. Statt Jeans und T-Shirt dominierten Abendkleider und Anzüge. Nach der Zeugnisausgabe für Haupt- und Realschüler (die Gymnasiasten müssen noch ein paar Tage die Schulbank drücken und erhalten erst dann dies wichtige Papier) ehrte Buch noch ein gutes Dutzend Schülerinnen und Schüler nicht nur für beste Zeugnisse, sondern auch für herausragendes Sozialverhalten.

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