Umzug mit gut 800 Teilnehmern

Alle schwitzen, nur die Bobbe nicht

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Groß-Zimmern - Wenn falsche Euro vom Himmel rieseln, es Bonbons hagelt und Sekt regnet, dann hat der Kerbumzug abgelegt. Die turbulente Feier des großen Zimmerner Heimatfestes gipfelte am Kerbsonntag zur Mittagszeit mit dem Start des knapp 40 Nummern starken Festumzugs. Von Ursula Friedrich 

Trotz hochsommerlicher Hitze fieberte die Bevölkerung vor hübsch geschmückten Häusern dem kunterbunten Zug entgegen. Tausende harrten an Straßenrändern und in Höfen aus, um sich vom Kerbfieber anstecken zu lassen. „Kaiserwetter“, frohlockte Thomas Beutel, Chef des Kerbvereins, während der Schweiß in Strömen floss. Über dem strahlenden Antlitz der Sonne war nur eines noch strahlender: das von Kerbmädchen Chiara Del Gesso. Wie es Zimmerns Kerbsitte will, wurde die junge Braut mit großem Tamtam am elterlichen Haus abgeholt. 21 blau-weiße Kerbborschte des Jahrgangs 1995/96 und ein unüberschaubarer Tross gut gelaunter Kerbfans belagerten das Haus in der Albert-Schweitzer-Straße.

Endlich, nachdem Mundschenk Fabian Kapp die junge Frau in höchsten Tönen gelobt hatte, erschien ein eleganter Damenschuh im Fensterrahmen. Königinnengleich schwebte Chiara über die Leiter aus dem ersten Stock hinab. „So goldisch, ihr Leut’“, schwärmte Mundschenk Fabian, während Kerbvadder Matthias Hix bereits erste Küsschen verteilte, „als Begrüßungsritual“. Streng nach Kerbprotokoll nahm das Dreigestirn in einer Pferdekutsche Platz, um den Umzug als glänzendes Schlusslicht zu überstrahlen. Die Wartezeit wurde mit Gesang und guter Laune ausgefüllt. Die Stimmbänder der nimmermüden Kerbborschte ächzten und Bobbe Waltraud wanderte von Mann zu Mann.

Bilder: Festumzug mit 800 Teilnehmern in Groß-Zimmern

Über 800 Menschen waren dem Aufruf gefolgt, den Kerbumzug mit pfiffigen Ideen, kreativen Kostümen und viel guter Laune zu gestalten. Dank dieser geballten Kerbenergie wurde das Virus mühelos frei gesetzt. In langer Vorbereitung waren Festwagen geschmückt, Motivdekos gestaltet und Kostüme geschneidert worden. Wieder einmal waren der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Als Schlümpfe, Bierflaschen, Einhörner und Cowboys, Falsche Fünfziger, Einheimische, Zugeraaste, ja sogar Außerirdische feierten die Teilnehmer das große Volksfest.

Bilder: Kerb in Groß-Zimmern

Die Jahrgänge ließen die typische Zimm‘ner Kultur der Kerbborschte hoch leben und stellten den Großteil der Teilnehmer. Gegen diese geballte Manneskraft anzuspielen, war das Schicksal der drei Musikkappellen, die sprichwörtlich Vollgas gaben. Im munteren Getümmel schien lediglich Kerbbobbe Waltraud nicht zu schwitzen. Bei 34 Grad im Schatten wurde die ein oder andere Flasche Sekt daher zweckentfremdet und musste zur äußeren Abkühlung herhalten. Mit den Kräften haushalten, das war die Devise unter den Akteuren. Schließlich geht es heute und morgen noch weiter mit der Feier.

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