Hohe Waldbrandgefahr:

Auch Bäume leiden unter der Hitze

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Zurzeit ist der Wald sehr trocken. Es bedarf nicht einmal einer glimmenden Zigarette, um ein Feuer zu entzünden. Eine unachtsam weggeworfene Glasscherbe kann durch die Bündelung der Sonnenstrahlen ebenfalls ein Feuer entfachen.

Groß-Zimmern/Dieburg - Hitze pur. Auch für die nächsten Tage sind wieder Temperaturen bis zu 40 Grad angekündigt. Manche genießen den Sommer, für andere ist jeder Schritt hinaus eine Herausforderung. Auch die Wälder leiden unter der Hitze. Von Ulrike Bernauer 

„Ich hoffe auf Regen im August“, sagt der Dieburger Forstamtsleiter Helmut Seitel. Bis jetzt ist in den Wäldern seines Reviers, die sich von Harreshausen über Groß-Umstadt und Dieburg bis ins Fischbachtal erstrecken, an den älteren Bäumen von den Auswirkungen der nun schon über Monate anhaltenden Trockenheit noch wenig zu sehen. Ahorn, Hainbuche und Buche hingegen haben stellenweise ihre Früchte schon abgeworfen, wie Groß-Zimmerns Förster Martin Starke in seinem Revier beobachtet.

Die Auswirkungen im Dieburger Forstgebiet sind allerdings nicht so schlimm wie in Gebieten mit sandigem Grund. Durch einen nassen Winter konnten die schwereren, tonhaltigen Böden lange Wasser halten, das ist bei Sand nicht der Fall. Dennoch sind die Forstbeamten besorgt. Eine so eine lange Trockenzeit hat Förster Starke in 30 Jahren noch nicht erlebt, Die tatsächlichen Auswirkungen dieser Dürre wird man allerdings erst im nächsten Jahr richtig sehen. „Die älteren Bäume stecken das zumeist noch ganz gut weg“, sagt Starke. „Bei Neuanpflanzungen gibt es aber schon jetzt Ausfälle. 1 200 Tannen hat der Groß-Zimmerner Förster im Frühjahr gepflanzt. Bei ihnen müsse man jetzt schon von einem Ausfall von zehn Prozent ausgehen. Die 2 300 Stieleichen hingegen scheinen die Trockenheit bisher überlebt zu haben, die 400 Douglasien kommen mit den derzeitigen Wetterverhältnissen ebenfalls besser zurecht. Aber auch hier wird man erst im kommenden Jahr sehen, welche Schäden tatsächlich entstanden sind.

„Ich rechne mit einem Ausfall von einem Drittel“, sagt Seitel. „Obwohl wir die jungen Bäume in den Schatten von älteren setzen.“ Wenn nicht zusätzlich zur Trockenheit die Sonne den ganzen Tag auf die kleinen Bäume knallt, erhöhe das die Überlebenschancen der Neuanpflanzungen erheblich.

Seitel hat im Dieburger Stadtwald in diesem Jahrhauptsächlich Ahorn, Kirschen, Douglasien und Eichen anpflanzen lassen. Gießen wie in einer Gärtnerei können die Förster die Neuanpflanzungen natürlich nicht. Die kleinen Bäumchen müssen sich auch bei Hitze alleine versorgen. So wie man erst im nächsten Jahr genau sehen kann, welche Schäden die lang anhaltende Trockenheit angerichtet hat, rechnet Seitel für das Jahr 2016 auch mit einer Notmast bei vielen Bäumen. „Das hat die Natur so eingerichtet, dass nach einem solch stressigen Jahr die Bäume im kommenden Jahr besonders viele Früchte in Form von Bucheckern oder Eicheln produzieren“, sagt der Forstamtsleiter. Mögliche Folgen für dieses Jahr wäre ein sehr früher Herbstanfang. Nicht nur auf die Bäume hat die Trockenheit Auswirkungen, sondern auch auf die Tierwelt.

Förster Starke schätzt sich glücklich, dass im Zimmerner Wald im Rahmen des Projektes „Messeler Hügelland“ zahlreiche kleine Tümpel oder Teiche angelegt wurden. Auch wenn die ebenfalls zum großen Teil inzwischen trocken liegen. „Nur noch etwa ein Drittel von ihnen führt derzeit Wasser“, sagt Starke. Wobei er auch ausgetrockneten Teichen etwas Gutes abgewinnen kann. „Die Amphibien, um die es uns hauptsächlich geht, benötigen das Wasser bis Ende Juni. Für Fische, die ja auch Laich fressen, ist das Austrocknen hingegen tödlich.“

Sorgen macht den Revierförstern besonders die hohe Waldbrandgefahr. „Rauchen ist im Wald ja sowieso verboten, aber im Moment könnte eine weggeworfene Kippe besonders schlimme Auswirkungen haben“, sagt Seitel. Beide Förster appellieren an Spaziergänger auch keine Flaschen oder Glasscherben in den Wald zu werfen. Selbst beim Parken sollte man momentan vorsichtig sein. Stellt man sein Auto über einer trockenen Grasfläche ab, könnten sich die dürren Halme durch den heißen Katalysator entzünden. Sollten Spaziergänger einen Brand entdecken, ist es sehr wichtig, sofort die Feuerwehr zu alarmieren. Ist der Brand noch klein, dann kann er auch noch schnell gelöscht werden, so wie das Feuer, das in der Nacht von Samstag auf Sonntag am Freizeitgelände Spießfeld von den Feuerwehren Groß-Zimmern und Dieburg glücklicherweise relativ schnell gelöscht werden konnte.

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