Rege Bautätigkeit bei den Ferienspielen

Auch Stein auf Stein will gelernt sein

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Experiment nicht geglückt – dennoch zufrieden: Komplizierter Brückenbau im Jugendzentrum.

Groß-Zimmern - „Kinder sollten früh handwerkliche Grundfertigkeiten lernen“, findet Jugendpfleger Tom Hicking. Deshalb hat er für die vorletzte Ferienspielwoche das Thema „Auf dem Bau“ gewählt. Von Gudrun Fritsch 

Dass Jugendpfleger Hicking mit dieser Meinung richtig- liegt, war auch den Kommentaren der Eltern am Morgen im Jugendzentrum zu entnehmen. „Mein Sohn hat geklagt, dass er zu wenig arbeiten konnte“, sagte ein Vater am Dienstagmorgen. Auch Xenia Mieth, das Mädchen wurde (wie berichtet) mit einem offenen Rücken geboren und sitzt im Rollstuhl, hatte schon am ersten Tag viel geschafft. „So müde habe ich meine Tochter noch nie gesehen“, berichtete ihre Mutter Anette Mieth begeistert. Xenia hatte nicht nur viel gearbeitet, sondern auch ihren Rollstuhl an die Kinder verliehen, die damit Rennen fuhren. „Das geht nicht. Es ist eine Spezialanfertigung und die war sehr teuer“, mahnte die Mutter.

Integration war insgesamt groß geschrieben. Neben den Zimmerner Kindern waren auch Auswärtige dabei – wie Johannes Dressel (10) aus Semd, der im kommenden Schuljahr die Zimmerner Albert-Schweitzer-Schule besuchen wird – sowie einige Flüchtlingskinder. Von den Neuankömmlingen, die am Dienstag in die Asylbewerberunterkunft in der Röntgenstraße einzogen und sich im Jugendzentrum Fahrräder abholten, blieb der Nachwuchs gleich vor Ort. „Am besten, man fängt sofort mit der Integration an“, so Hicking. Die ganze Woche übten die gut 30 Kinder zwischen sechs und 14 Jahren im Jugendzentrum den Umgang mit Pinseln, Lacken und anderen Geräten. Bauhofmitarbeiter Michael Allmann erklärte gleich zu Beginn, wie man was macht und welche Pflege und Reinigung fürs Werkzeug wichtig sind.

Gruppenweise zogen die Kleinen dann – auf die Arbeit – zu den Gemeindespielplätzen. In der Dresdener- und der Danziger Straße wurden spröde Klettergerüste per Hand angeschliffen und erhielten dann einen frischen Anstrich. „Das schult auch Verantwortung fürs Allgemeinwesen“, sagte der Erzieher zufrieden. Eine besondere Attraktion war das zwei mal zwei Meter große Spielhaus. Die Materialien, aber auch das passende Werkzeug, hat die Firma Ytong aus Messel gespendet. „Die haben sogar ihre Produktion auf kindgerechte Größen umgestellt und neben den zwölf Paletten mit Steinen auch Kellen, Kleber und vieles mehr geliefert“, lobte Hicking die tolle Spende, die nach einer einfachen schriftlichen Anfrage umgehend folgte. Am ersten Tag klappte es noch nicht so ganz mit dem Bauen. Der Kleber war zu flüssig, die Mauern schief. „Jetzt übernimmt hier Bauleiterin Selina Buchheimer“, sagte der Jugendpfleger auch stolz darauf, dass die Geschlechterverteilung bei den Teamern und Kindern nicht mehr der traditionellen Rollenverteilung entspricht. Die 18-jährige Abiturientin erklärte den Kindern dann den Umgang mit der Wasserwaage und wie man mit einem gespannten Seil gerade bauen kann. Am Freitag war das Haus dann fertig, verputzt und sogar gestrichen.

„Aus Fehlern kann man am besten lernen“, kommentierte Hicking. Ähnlich sollte es auch mit der Denksportaufgabe werden. Nur aus Holz, ohne Dübel und Schrauben sollte eine „Leonardo-da-Vinci-Brücke“ zwischen Inlinerbahn und Beet auf dem Jugendsportplatz entstehen. Dabei konnte auch der Jugendpfleger selber noch lernen, denn die Bohlen aus Fichtenholz waren definitiv zu schwer, das Experiment missglückt. Doch auch die Team-Brücke wurde zuletzt noch mit gemeinsamen Kräften aufgebaut – und mit den mit klassischen Hilfsmitteln eben. Stehen bleiben konnte sie allerdings nicht, die Teile können jedoch im Jugendzentrum weiter verwendet werden. In der kommenden Woche geht es bei den Ferienspielen auf Schatzsuche.

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