Burg aus Lego

Aufruhr im Zimmerner Legoland

Im Legorausch: 17 Kinder bauen unter Regie von Hans Axt (unten) aus 200.000 Klötzchen eine Festung.

Groß-Zimmern - Für Eltern ist der Zutritt zum Königreich Brixx verboten. Nicht, weil die Jugend hier die Puppen tanzen lässt. Im Gegenteil. 17 Untertanen schuften im imaginären Märchenland im Jugendzentrum was das Zeug hält.

Hehres Ziel ist der Wiederaufbau ihrer trutzigen Burg, die ein mieser Verräter dem Erdboden gleich gemacht hat. Dass gut Ding Weile braucht, trifft auch bei diesem Bauvorhaben zu. Das Baumaterial sind kleine Legosteine. 200.000 Stück stehen den Ferienkindern zur Verfügung, die Module für das 80 Zentrimeter hohe Mauerwerk, mächtige Türme, Zugbrücke und Torbögen zusammenfügen. Wären da nicht Oberritter Karl Axt und sein Knecht Tom Hicking, wäre dieses Bauprojekt in vier Tagen kaum zu leisten. Doch so haben die Brixxer einen geduldigen Architekten und Lehrmeister.

Im Legosteinbruch wird das Material herbeigeschafft, dann geht es ans Konstruieren und Bauen. „Ich habe schon wunde Fingerspitzen“, klagt Hicking, erntet jedoch nur ein paar missmutige Blicke. Die Arbeiter sind mit Feuereifer bei der Sache. Bis Freitag soll die Burg mit sechs Metern Durchmesser fertig sein. Dann haben ausnahmsweise Eltern Zutritt, um zu staunen, zu bewundern, oder gar im Burgverlies zu landen? „Zwischendrin machen wir auch mal Bewegungsspiele“, erklärt Karl Axt, Leiter der Brixx-Knight. Dann werden steife Finger und Nackenmuskeln gelockert und der hochkonzentrierte Kopf darf ausspannen. „Mit Lego bauen ist ein tolles Konzentrationstraining“, sagen Axt und Hicking. Daher hat das beliebte Konstruieren mit den farbigen Kunststoffklötzchen im Alltagsprogramm des Jugendzentrums einen festen Platz.

Hicking, der seit 20 Jahren als Marburger Konzentrationstrainer tätig ist, konnte mit dem just ebenfalls ausgebildeten Axt einen wertvollen Mitstreiter gewinnen. Axt, der einst sein Geld als EDV-Projektleiter verdiente, sattelt beruflich komplett um. Als Legotherapeut und Legoeventmanager möchte er noch stärker Fuß fassen. Schuld am Legowahn sei eigentlich Ehefrau Elke Axt, erzählt er. „Sie hat mir zum 40. Geburtstag bei meiner Feier im Jugendzentrum einen Supersternzerstörer der Star-Wars-Legokollektion geschenkt“, erinnert sich Axt, der sich so mit dem Legovirus infizierte, und den er nun fröhlich weiter freisetzt. „Ich freue mich über die Begeisterung, die man bei Kindern sieht“, sagt er mit Blick auf die ungewöhnlich stillen Bürger seines Königreichs. Brixx ist, dies ist bedauerlich, eine Männerdomände. 16 junge Bürger zwischen sechs und zwölf Jahren zählt das Volk, Bürgerin Bente (12) ist das einzige Mädchen. Am Freitag ab 13 Uhr wollen die Brixxer ihren Eltern Einlass gewähren. Bis dahin muss das Königreich fertig sein. (ula)

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