Der Pakt für den Nachmittag an der Schule im Angelgarten

„Betreuung ist kein Bällchenbad“

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Gigantische Städte bauen diese Jungen in der Betreuung am Schulnachmittag.

Groß-Zimmern - Seit den Sommerferien hat die Schule im Angelgarten (SiA) den Pakt für den Nachmittag geschlossen. Ziel des Programms ist die rhythmisierte Ganztagsschule bis 14. 30 Uhr mit verlässlichem pädagogischen Angebot aus einer Hand in der Zeit von 7. 30 bis 17 Uhr. Von Gudrun Fritsch 

Berufstätige Eltern brauchen für ihre Kinder verlässliche Zeiten, dafür muss eine entsprechende Betreuung gewährleistet sein. Bundesweit gibt es deshalb inzwischen den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Doch was ist, wenn das Kind in die Grundschule geht? Eine Antwort hierauf soll der „Pakt für den Nachmittag“ sein, der mit Schuljahresbeginn 2016/17 hessenweit an ausgewählten Grundschulen angelaufen ist.

Darmstadt und Darmstadt-Dieburg treten dabei als eine der Pilotregionen mit insgesamt acht Schulen an, eine davon ist in Groß-Zimmern die Schule im Angelgarten. Einen verlässlichen Partner des Paktes haben SiA, Landkreis (Träger) und das Land Hessen (Schulamt) im Arbeiter-Sameriter-Bund (ASB) gefunden.

„Wie läuft"s?“, wollte der LA jetzt nach der ersten Anlaufphase von Organisatoren und Schülern wissen. „Am Anfang war erstmal eine Woche Chaos, doch schnell lief dann alles in geordneten Bahnen“, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Andrea Bitsch. Doch das sei am Anfang üblich. „Wichtig sind besonders für Kinder feste Plätze und Räume“, sagt sie.

Für die Lehrer biete sich zudem eine andere Sicht auf die Schüler. „Man sieht, wie unsere Hausaufgabenstellungen angenommen werden und wie die Schüler damit umgehen.“ Zudem lerne man sich in der entspannteren Freizeit anders kennen. Die teilnehmenden Lehrer seien begeistert und im Schnitt verlängere sich für sie die tägliche Schulzei lediglich um etwa 80 Minuten.

„Es ist immer wieder spannend, ein gewohntes Modell zu verlassen“, sagt Schulleiterin Martina Goßmann. „Die festen Zeiten sind für alle gut. Früher wurden die Kinder im Nachmittagsbereich geholt und gebracht, wie es gerade gepasst hat.“ Auch das jetzt für alle verbindliche gemeinsame Essen findet sie vernünftig und sagt: „Unsere qualifizierte Betreuung ist ja kein Bällchenbad.“

Goßmann bedauert allerdings sehr, dass viele, für die eine Förderung besonders wichtig wäre, wegen der finanziellen Belastung nicht teilnehmen. Für sie gab es bisher ein kostenfreies Hausaufgabenhilfe-Angebot von der Volkshochschule, das aufgekündigt wurde.

Das Konzept sei super, allerdings fehle es der Schule definitiv an Räumen.

Für Lern- und Übungszeiten werden zumeist Klassenräume genutzt. Arbeitsgruppen wie Fußball oder Inlinejockey finden im Freien statt, andere wie die Pferde-AG sind beim Verein angesiedelt, und fürs Weihnachtsbasteln oder die Schülerzeitung geht"s in den Mehrzweckraum.

Dass die Spielzeiten im Klassenzimmer nicht optimal angesiedelt sind, meint auch Ute Obmann-Bunte, Koordinatorin für den ASB, die mit sechs Kolleginnen am Nachmittag zuständig ist. Während die zwei Gruppen im Modul eins (siehe Kasten) im Pavillon bleiben, ziehen die Kinder, die bis 17 Uhr bleiben, täglich ins nahegelegene Jugendzentrum. Diese Räume wurden auch früher schon vom Schülerladen Pfiffikus genutzt, der ebenfalls vom ASB geleitet wurde.

Auch Obmann-Bunte findet das Konzept der Rhythmisierung gut, in dem sich Lern- und Entspannungsphasen abwechseln.

Aber die Realität im Angelgarten sieht auch sie wegen der Raumnot nicht so rosig. Alle gemeinsam hoffen sie darauf, dass das in direkter Nachbarschaft geplante Betreuungshaus möglichst bald gebaut wird. Allerdings bedauert Goßmann, dass das Ziel der Rhythmisierung nicht erreichbar sein wird, wenn nicht alle dabei sind. Die verbindliche Ganztagsschule habe wegen der spezifischen Bevölkerungsstruktur in naher Zukunft in Zimmern kaum eine Chance. Aber immerhin hätten Eltern der künftigen SiA-Schüler bei Vorbesprechungen großes Interesse und Betreuungsbedarf signalisiert, so dass gewiss künftig noch mehr Schüler im Ganztagsbereich erwartet werden können.

„Ich finde es hier richtig klasse“, sagt die achtjährige Lisa. Ebenso wie Nadine hat die Drittklässlerin bereits Vergleichsmöglichkeiten „Wir können malen und spielen, das ist schön. Und besonders mit den Hausaufgaben war das früher immer viel stressiger“, sagt sie.

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