Nachhaltigkeit im Wald

Bismarckeiche vom Sturm gefällt

Kaum zu entdecken ist Förster Martin Starke hinter der Bismarckeiche, die dem Sturm am Wochenende zum Opfer fiel. - Foto: Bernauer

Groß-Zimmern - Die rund 230 Jahre alte Bismarkeiche im Zimmerner Wald ist dem Sturm am Wochenende zum Opfer gefallen. Von Ulrike Bernauer 

Winzig sieht Förster Martin Starke hinter dem umgefallenen Stamm der Bismarckeiche aus. Er steht neben dem Wurzelstock und ist auch nur zu sehen, weil er rote Streifen an seiner Jacke hat. Der mächtige Baum, Starke hat die Jahresringe gezählt und schätzt sein Alter auf 230 Jahre, ist dem vergangenen stürmischen Wochenende zum Opfer gefallen.

Ansonsten gab es keine nennenswerten Sturmschäden im Zimmerner Wald, nur der einzige Baum mit einem Namen, eben die Bismarckeiche, hat die Windböen nicht verkraftet. Am Wurzelstock erkennt der Förster auch, warum dem so ist. Die Wurzeln waren geschädigt. Sie haben sich im Laufe der Zeit mehr oder weniger aus dem Boden herausgedreht, die mächtige Eiche mit einem Durchmesser von über einem Meter verfügte nurmehr über ganz wenig Feinwurzelwerk, das unter anderem für Standsicherheit sorgt. Warum die Wurzeln der Eiche so gelitten haben, weiß der Förster nicht.

Stamm soll liegen bleiben

Der am Boden liegende Stamm wurde durchgesägt, um den Kleinen Beckerweg wieder begehbar zu machen, über den der Baumriese gestürzt war. Die Bismarckeiche soll dort jedoch liegenbleiben, „als Totholz ist sie wertvoller, als wenn wir sie verkaufen“, sagt Starke. Bäume dieses Kalibers werden sowieso nicht mehr vermarktet.

Mit ihrem großen Durchmesser kann sie kaum noch ein Sägewerk verarbeiten. „Ich lasse keinen Baum fällen, der einen Namen hat, und auch Bäume ab einer gewissen Größe haben es sich verdient, eines natürlichen Todes sterben“, sagt Starke.

Nachhaltigkeit wurde im Forst erfunden

Aus dem Zimmerner Wald wird kaum Eichenholz verkauft, dafür sehr viel mehr Fichte und Buche. Obwohl es hier schon immer natürliche Standorte für die Eiche gab, wurden früher mehr Fichten gepflanzt. „Wir haben einige dieser Standorte nach dem Orkan Wiebke im Jahr 1990 wieder mit Eichen aufgeforstet. Aber bis die erntereif sind, gehen noch etliche Jahre ins Land.“

Der Begriff Nachhaltigkeit, ein Wort das in aller Munde war und ist, wurde im Forst erfunden und hat hier auch seine Berechtigung. So schlägt Starke die Bäume, die seine Vorgänger anpflanzten. Was er aufbaut, werden kommende Generationen nutzen.

Gute Bäume dürfen länger wachsen

„Ich ernte die Schätze, die andere Förster rausgepflegt haben“, sagt Starke und meint damit, dass im jungen Bestand immer erst die schwachen und schlechten Bäume geschlagen werden. Die richtig guten Bäume dürfen erst etliche Jahre wachsen, bevor sie für die Möbelindustrie oder andere Holzverwerter interessant werden. Der mächtige Baum wäre aber schon aufgrund seiner starken Verastung für diese Nutzer nicht interessant.

Die alte Bismarckeiche, Starke weiß nicht, wer ihr diesen Namen gegeben hat, wird nun den natürlichen Gang gehen. In ein paar Jahren wird die Rinde abfallen, das Holz wird schon vorher von Pilzen und Käfern besiedelt werden. „Nur die Fledermäuse und Vögel werden die Eiche nun nicht mehr bewohnen können, denn diese Tiere bevorzugen aufrecht stehende Bäume. Aber der mächtige Stamm wird auch in 20 Jahren noch hier am kleinen Beckerweg liegen.“

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