Von der Kartbahn auf die Bühne

Bülent Ceylan testet "Kronk" vor hundert Exklusivgästen

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Comedian Bülent Ceylan mit FFH-Moderatorin Evren Grezer und hundert Glücklichen, die beim „Kleinsten Konzert der Welt“ an der Zimmerner Kartbahn dabei sein durften.

Groß-Zimmern - Hundert Fans waren dabei, als der deutsch-türkische Comedy-Star Bülent Ceylan am Samstag mit bekannter „Mannheimer Schnauze“ sein neues, diesmal ungewohnt politisches Bühnenprogramm „Kronk“ bei einer exklusiven Vorpremiere präsentierte. Tickets für die Veranstaltung an der Zimmerner Kartbahn gab es nicht zu kaufen. Wer Ceylan beim „Kleinsten Konzert der Welt“ erleben wollte, musste sich bei Hit Radio FFH um Freikarten bewerben. Von Katrin Muhl 

Helm, Sturmhaube und Rennfahreranzug hat Bülent Ceylan abgestreift, die langen, schwarzen Haare – sein Markenzeichen – wieder zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Seine Hände sind noch zittrig vom verlorenen Kartrennen gegen FFH-Hörerin Sina Muhler, aber die Frisur sitzt. Allerdings nicht lange: Nach Sekunden auf der Bühne wirft er den Kopf vor und zurück und spielt Luftgitarre zur Rockmusik, die den Veranstaltungsraum neben der Zimmerner Kartbahn laut beschallt. Zwar steigt in diesem Moment das „Kleinste Konzert der Welt“ von Hit Radio FFH, bei dem standardmäßig nicht mehr als hundert Freikartengewinner ihren Stars lauschen, und Ceylan singt am Ende seiner Show – stimmlich mehr schlecht als recht – eine Ballade, eine Rocknummer und einen Heavy Metal Song. Eingeladen hat man ihn aber für das, was er am Besten kann: witzeln in „Monnemer“ Mundart, die sich herrlich beißt mit seinem Erscheinungsbild als „de Terk“, wie er augenzwinkernd von sich spricht.

„Bülent Ceylan ist nach Atze Schröder der zweite Comedian bei unserem kleinsten Konzert der Welt“, erklärt FFH-Pressesprecher Dominik Kuhn. Weiter sagte er: „Wir sind immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Locations. Die Kartbahn hier in Groß-Zimmern passte da perfekt.“ Kuhns Angaben zufolge waren es 10.000 Hörer, die bei der Vorpremiere von Ceylans neuem Programm „Kronk“ hautnah dabei sein wollten. Über ein heißbegehrtes Ticket freuen durfte sich schließlich, wer die Jury mit stichhaltigen Argumenten von seinen Beweggründen überzeugte. „Da sind echte Fans dabei“, sagte Ceylan, der selbst einige Zuschriften überflog, vor der Show. Eine Einsicht, die ihm Mut machen sollte? Ganz geheuer schien ihm, der sonst Stadien füllt, der kleine Rahmen nämlich nicht: „Früher habe ich mich über weniger Publikum gefreut aber jetzt ist das schon special.“

Dazu kommt, dass „Kronk“ politischer ist als alles, was Ceylan in 18 Jahren Bühnendasein präsentiert hat. Lustig verpackt hält er den Zeigefinger auf die unschönen Themen unserer Zeit. Oberlehrerhaft wirkt dabei nur, wer die Miene nicht verzieht, wenn der Entertainer die „Bombenstimmung“ lobt, kurz innehält und ruft „von Terroristen lassen wir uns nicht das Lachen nehmen.“ Deutliche Worte findet der Sohn einer Deutschen und eines Türken auch gegen Rechtsradikale: „Nazis raus“ heißt die Parole und „Arsch der Welt“ das rockige Ständchen, das er ihnen singt. „Gastfreundlich“, wie er als „richtiger Deutscher“ eben sei, sagte er: „Ihr seid alle willkommen, egal woher ihr kommt.“ „Kronk“, hochdeutsch „krank“, seien neben Extremismus und Ausländerfeindlichkeit auch übertriebener Veganismus, Fitnesswahn, Handysucht oder der Klimawandel, dem zum Trotz Frauen immer noch kalte Füße haben. Um seine doch gehaltvollen Botschaften locker an den Mann zu bringen, plaudert Ceylan aus dem Nähkästchen des eigenen Lebens oder spricht in den Rollen von Losertyp „Harald“, Macho „Hasan“, Hausmeister „Mompfred“ und Eso-Tussi „Annelise“, die bei eingefleischten Fans längst Kult sind.

Noch nicht ausverkauft sind derzeit die „Kronk“-Termine am 7. Februar in Wetzlar, am 6. März in Würzburg oder am 20. April in Mannheim.

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