Bürgermeister Achim Grimm (57):

„Ich will eine dritte Amtszeit“

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Stolz zeigt Achim Grimm das gemeinsame Bild mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. 

Groß-Zimmern - Bürgermeister Achim Grimm (57) ist zehn Jahre im Amt. LA-Redakteurin Gudrun Fritsch führte dazu ein Interview mit dem Rathauschef.

Herr Grimm, hatten Sie damals mit einem Wahlsieg gegen Dieter Emig gerechnet?

Ehrlich gesagt, eigentlich nicht. Die CDU hatte einen Kandidaten gesucht und ich habe es gemacht. So richtig vorbereitet war ich aber nicht. Ich bin zu der Zeit davon ausgegangen, dass ich wohl bis zur Rente in Schaafheim bleiben würde. Aber ich hatte damals schon ein sehr starkes Team hinter mir. Trotzdem habe ich meinen Schnurrbart verwettet. Den vermisse ich aber nicht. Das war es wert. Wir waren wohl alle überrascht und haben bis in den Morgen in der Goldenen Mitte gefeiert.

Wissen Sie noch, was damals Ihre erste Amtshandlung war?

So genau kann man das nicht sagen. Es war ein komisches Gefühl, denn es war ja bekannt, dass die Rathausmitarbeiter wohl überwiegend Emig gewählt hatten. Die Parteifreunde hatten mich am ersten Tag mit einem Blumenbogen ins Rathaus geleitet. Aber mir war klar, dass ich dort bei vielen nicht so willkommen war. Also habe ich mich erst einmal persönlich bei den Mitarbeitern vorgestellt, habe mit allen gesprochen und mir die Arbeitsbereiche und Abläufe beschreiben lassen, auch in den Außenstellen, also im Bauhof, in der Kläranlage oder den Kindergärten.

Wie hat dann die Übergabe geklappt?

Von der Wahl bis zu meinem Amtsantritt im Juli war ja noch viel Zeit. Dieter Emig hat wirklich sehr gut zugearbeitet und mir alles ausführlich erklärt.

Ist das Amt so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Insgesamt wusste ich ja in etwa von meiner Tätigkeit in Schaafheim, was auf mich zukommt. Ich habe es nicht ganz so arbeitsintensiv und zeitaufwendig erwartet. Man muss sehr viele Termine wahrnehmen und Gespräche kosten viel Zeit. Ich finde es immer wieder ärgerlich, wenn man nicht helfen kann und bin oft der Meinung, dass man doch etwas bewegen können müsste.

Können Sie ein Beispiel dafür nennen?

Es sind viele kleine Sachen. Eine Gemeinde, das ist Leben. Da geht es mal um eine Arbeitsvermittlung, mal um Finanznöte. Groß-Zimmern ist eine breit gefächerte Gemeinde. Die Verwaltung muss unterstützend sein, der Mensch steht immer im Mittelpunkt.

Hat Ihnen das vorher jemand so beschrieben?

Hilfe oder Beratung für das Bürgermeisteramt gibt’s nicht. Eigentlich müsste man Pädagoge, Psychologe, Jurist und Bauingenieur zugleich sein, außerdem braucht man Fähigkeiten als Clown oder Alleinunterhalter. Die Leute ziehen einen oft ins Vertrauen wie den Arzt oder den Pfarrer und sie hoffen auf Unterstützung. Da stößt man natürlich immer wieder an Grenzen. Wichtig ist mir immer, dass ich auch noch genug Zeit für meine Frau und die beiden Kinder habe. Deshalb habe ich gelernt, hin und wieder auch mal Nein zu sagen, wenn Zeit und Aufmerksamkeit für die Familie bestimmt sind. Aber vielleicht schreibe ich ja im Ruhestand mal einen Leitfaden für Bürgermeister.

Bei der Wahl 2011 hatten Sie fünf Gegenkandidaten. Im Rahmen der Podiumsdiskussion mit dem LA haben Sie damals zur Verwunderung vieler gesagt, dass Sie damit rechnen, das Rennen ohne eine Stichwahl zu machen - und Sie sollten Recht behalten. Waren Sie sich wirklich so sicher?

Das war schon etwas geblufft. Ich hatte sehr viel positive Rückmeldung und wiederum ein sehr gutes Helferteam. Also war ich mir sicher, dass ich im Amt bleiben würde. Aber mit der absoluten Mehrheit im ersten Wahlgang gegen fünf Mitbewerber hatte ich selber nicht wirklich gerechnet. Um so erfreulicher und auch klarer war dann das Ergebnis. Und ich danke den Zimmernern sehr für dieses Vertrauen.

Was waren die wichtigsten Projekte, die sie in den zehn Jahren als Bürgermeister angegangen haben und haben Sie erreicht, was Sie sich vorgenommen haben?

Zügig habe ich mich dafür eingesetzt, das Gewerbegebiet an der Röntgenstraße aufzuwerten. Die ehemalige Asylbewerberunterkunft wurde zum schicken Hotel und andere Baubrachen wurden endlich fertiggestellt.

Einige werfen Ihnen vor, dass Sie dort Grundstücke unter Wert verkauft hätten.

Der Zustand im Industriegebiet war schlimm. Das zu ändern war eine richtige Entscheidung. Dort ist jetzt alles verkauft, es sieht sehr gut aus und mit der Firma Eisen-Rieg HTI ist ein gut laufendes Großunternehmen hinzu gekommen. Neben dem Baugebiet Alte Ziegelei haben wir auch die Pfütze in Klein-Zimmern umgesetzt und aktuell das Schlädchen. Das wohl teuerste Unterfangen ist derzeit die Erweiterung der Kläranlage, die größte Einzelinvestition der letzten Jahre. Aber das wichtigste Projekt ist mir die Soziale Stadt mit ihren vielen Parallelschauplätzen.

Wie ist es dazu gekommen?

Meine Weggefährtin Silke Lautenschläger war damals Sozialministerin. Über sie haben wir erfahren, dass erstmals auch für kleine Kommunen wie Groß-Zimmern Fördermittel aus dem Bund-Länder-Programm Soziale Stadt beantragt werden können. Die Gemeinde profitiert nun annähernd zehn Jahre von diesem Projekt. Dazu zählen auch Folgesachen wie die neue Kita in der Angelgartenstraße oder die Aufstockung des Jugendzentrums und wir haben einen zweiten Jugendpfleger eingestellt. Die Liste könnte noch endlos fortgeführt werden. In diesem Zusammenhang möchte ich betonen, dass die Mitwirkung von Land und Bund insbesondere bei der Betreuung unter Dreijähriger (U3) wesentlich größer sein müsste.

Sie haben zu Beginn Ihrer zweiten Amtszeit in einem Interview die Vorstellung geäußert, eine Art Sozialfonds für Zimmern einzurichten, damit Bedürftigen geholfen werden kann. Was ist daraus geworden?

Der Bedarf ist heute mehr denn je vorhanden. Leider ist das bisher ein Wunsch geblieben. Es gab etliche Unwägbarkeiten. 2009 kam die Finanzkrise, zudem hat uns die Umstellung von der kameralen auf die doppische Haushaltsführung sehr beschäftigt. Die Kitaplätze reichen auch jetzt wieder nicht mehr aus. Wir werden zusätzliches Personal einstellen müssen. Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, sind eine Herausforderung, die uns noch längere Zeit beschäftigen wird. Wir mussten viel sparen und teilweise Steuern und Gebühren erhöhen. Zufrieden bin ich jedoch damit, dass wir trotz defizitärer Haushaltslage keinen Kredit aufnehmen mussten.

Worüber haben Sie sich gefreut?

Es gibt viele schöne Dinge. Etwa die gelungene Partnerschaft mit der italienischen Gemeinde Rignano Sull’Arno. Leider blieben Versuche erfolglos, die Beziehungen zum französischen Ponthierry wieder zu intensivieren. Die Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen läuft sehr gut. Wir haben einen gemeinsamen Standesamtsbezirk und mit Dieburg die Bädergemeinschaft, die Feuerwehren kooperieren. Worüber ich auch sehr froh bin, ist die faire und sachliche Zusammenarbeit in der Gemeindevertretung. Da hat sich in den letzten sechs Jahren viel zum Positiven getan.

Was stimmt Sie eher traurig?

Schade ist, dass ich nicht alle Jubilare besuchen kann. Die Leute wollen reden und ich würde den Kontakt gerne intensiver führen. Aber für diese Besuche braucht man viel Zeit, die ich leider immer weniger habe. Und meine Familie ist mir eben auch sehr wichtig.

Glauben Sie, dass es für einen Bürgermeister in Groß-Zimmern wichtig ist, dass er von hier ist?

Gewiss hat es mir bei der Wahl geholfen, dass ich viele Leute und die Strukturen im Ort sehr gut kenne. Aber inzwischen leben in Groß-Zimmern wohl mehr Neubürger als Eingesessene. Die Einflüsse haben die Gemeinde wie ich finde positiv verändert. Ich erlebe immer wieder, wie etwa Leute bei der Überlegung, sich hier anzusiedeln, eine Checkliste abhaken. Mit Kinderbetreuung, Schulen, Vereinen, Einkaufsmöglichkeiten oder der Anbindung ans Umland können wir sehr gut punkten.

Sie sind mit zehn Jahren genauso lange im Amt wie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wollen auch Sie ein weiteres Mal zur Wahl antreten?

Wir haben zwar in der CDU bisher noch nicht darüber gesprochen, aber ich will gerne für eine dritte Amtszeit kandidieren ( lachend holt er ein Foto aus dem Regal). Meine Ehefrau Anke hat mich zu meinem 50. Geburtstag mit einem Termin bei der Bundeskanzlerin überrascht. Sie hatte mir eine Berlinreise geschenkt und mit Patricia Lips den Termin vereinbart. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

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