Kinder, Eltern und Lehrer feiern an der Friedensschule

Buntes Aktionsprogramm beim Bücherfest

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Eine heißbegehrte Sache war bei den Schülern das Kerzenziehen.

Gross-Zimmern - Bücher sind keine verstaubten Medien für Nostalgiker- auch, wenn in so manchem Kinderzimmer kein einziges Buch eine Heimat hat. Die Friedensschule hat dem Aussterben des Mediums Buch den Kampf angesagt. Von Ursula Friedrich 

Beim Bücherfest am Freitag waren die gesamte Schülerschaft, Kollegium und Eltern angetreten, um eine tolle Feier rund um das Thema zu erleben. Auf Schnäppchenjagd beim Bücherflohmarkt, mit Schere und Kleber beim Lesezeichen basteln, als Bücherdetektiv auf literarischer Spur, oder beim ABC-Spielemarathon dabei, das Programm durch alle Klassenzimmern bot jede Menge Kurzweil. Wenn die Schulgemeinde, 314 Kinder, Lehrerschaft und diverse Familienangehörige durch die Grundschule toben, ist jede Menge los. Dennoch gab es Rückzugsräume. Zum Beispiel bei der Marienkäferklasse der 4b. Neben den Buchauslagen des Flohmarktes stand ein Lesesofa, hier ließ sich Vivien (4) vom Papa die neusten Abenteuer des Hasen Felix vorlesen. „Ich kann noch nicht lesen“, lächelte die Kleine, „erst wenn ich so alt bin.“ (sechs Fingerchen wurden gezeigt).

Lesen können auch etliche Kinder nicht, die schon seit einiger Zeit die Schulbank drücken. Hier gelang es der Friedensschule, die mit ihrem Schwerpunkt als musikalische Grundschule Lesen lernen in den Fokus rückt, ehrenamtliche Lesementoren zu gewinnen. Zehn Mentoren betreuen in ihrer Freizeit Schüler sehr individuell, die sich mit dem Lesen noch etwas schwer tun.

Lesen eine Kernkompetenz

Die Förderung des Lesens als Kernkompetenz ist nicht erst seit Pisa eine Grundfeste der pädagogischen Ausrichtung der Friedensschule. „Unsere Bücherei wird jetzt zehn Jahre alt“, sagte Schulleiter Axel Pucknat. Um den Appetit am Lesen zu steigern, werden regelmäßig Gutscheine an treue Leser verschenkt. Diesmal gab es für den 27900. und 27901. Leser einen Büchergutschein,

Intensives Feilschen um Gedrucktes war angesag beim Bücherflohmarkt.

Norman Wolf und Melina Klamer von Chiesa aus der Biberklasse waren die Gewinner. Auf 1 600 Bücher ist die Schulbücherei inzwischen angewachsen, die den einladenden Namen Lesehimmel trägt. CDs, DVDs oder Computerspiele, wie in öffentlichen Büchereien längst Usus, sucht man hier vergebens. „Bei uns gibt es nur gedruckte Literatur“, sagte Elisabeth Beskrowny, eine der Hauptorganisatorinnen des Bücherfestes. In ihrer Jugend (im kommenden Jahr wird sie in Ruhestand gehen) war das Lesenlernen noch völlig anders. „Mein Onkel war auch Lehrer und hat es mir mit sehr viel Liebe beigebracht“, erinnert sich die Pädagogin. Vielleicht waren es diese Eindrücke, die sie dazu bewogen, Lehrerin zu werden - und sogar an „ihrer“ Schule, der Friedensschule, zu unterrichten.

Auch Uschi Haller hat hier als kleines Mädchen das Lesen gelernt, heute unterrichtet sie als Lehrerin. Beim Bücherfest war sie allerdings mit einer anderen Mission betraut: dem Verkauf vergessener Kleidungsstücke. Ein Jahr lang sammelte die Schule Pullover, Mützen, Jacken und mehr, die nun, teilweise neuwertig, verkauft wurden.

Nebenan halfen Eltern bei der Ausrichtung des Festes in der Cafeteria mit. Alle 15 Schulklassen der Friedensschule trugen mit einem kreativen Angebot zur Vielfalt des Bücherfestes bei. Und im ersten Stock bildeten sich vor dem Glücksrad der Volksbank lange Warteschlangen, denn allen Teilnehmern winkten kleine Sachpreise. Die Einnahmen des Bücherfestes werden gesplittet. Sie sollen der Anschaffung neuer Bücher für den Lesehimmel zu gute kommen. Die zweite Hälfte wird der Aktion „Hessen hilft - wo Menschen in Not sind“ gestiftet. Die Initiative wurde 1991 von hessischen Schülern gegründet und unterstützt Menschen in Krisen-, Kriegs- und Katastrophengebieten weltweit.

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