Cabaret Paris: "Wenn Frauchen Männchen macht"

Humorvoller Geschlechterkampf

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Yvonne Vogel, Frontfrau von Cabaret Paris, überraschte mit einem sehr seriösen Outfit, das aber schon mit dem Haarschmuck ein wenig brach.

Groß-Zimmern - Ein nicht so ganz einfaches Thema hatte sich Yvonne Vogel mit dem Cabaret Paris am Samstagabend für ihr 20. Programm ausgesucht. Das mitunter schwierige Verhältnis zwischen den Geschlechtern nahm sie unter dem Titel „Wenn Frauchen Männchen macht“ aufs Korn. Von Ulrike Bernauer 

Zwar beschäftigt sich die Sängerin und Kabarettistin auch sonst in ihren Programmen mit diesem Thema, am Samstag aber gab es sozusagen die geballte Ladung. Dabei mischte sie eigene Texte mit Liedern und Stücken berühmter Kollegen, die auch ruhig schon mal ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel haben konnten. So wie Claire Walldorf, eine berühmte Kollegin, die im Berlin der 20er-Jahre für Furore sorgte. „Emil und seine unanständige Lust“ war für Sängerin Vogel eine Steilvorlage. Auch bei dem Österreicher Georg Kreisler bediente sich Vogel und intonierte „Was Hänschen nicht lernt“. Selbstgeschriebene Texte vervollständigten Vogels Repertoire. So richtig furchteinflößend sah sie allerdings nicht aus, als sie proklamierte, „ich werde jeden Tag ein bisschen böser“.

So ganz passte die Aussage auch nicht zum Outfit von Vogel und den begleitenden Herren Jochen Bernhardt (Akkordeon), Jens Horn (Gitarre) und Holger Fehr (Bass). Im Gegensatz zum sonst oft eher schrillen Kleidungsstil, traten die Herren ganz seriös im schwarzen Anzug an, Vogel selbst im kleinen Schwarzen.Bissig waren die Texte allerdings sehr wohl. „85 Prozent der Frauen finden ihren Arsch zu dick, zehn Prozent zu dünn und fünf Prozent sind mit dem Arsch, den sie geheiratet haben, ganz zufrieden“, so zog Vogel auch die Frauen durch den Kakao. Die Kabarettistin erinnerte sich auch an die Anfänge der Frauenbewegung, als das weibliche Geschlecht sich von der Rolle des Heimchens am Herd emanzipierte. Frauensolidarität stand damals im Vordergrund und Vogel erinnerte sich an tolle Damen wie Jane Fonda oder Alice Schwarzer. „Wir liefen wie auf Wattewölkchen, aber der Absturz war vorprogrammiert, denn es stellte sich heraus, Frauen sind wie Männer auch nur Menschen.“ Vogel erntete für ihre pointierten Aussagen viel Gelächter und Applaus.

Die Männer auf der Bühne kamen dann auch zum Zuge, sie durften alleine ein Lied singen, stellenweise zum Missfallen der Chefin.Die hatte sich zwar von der Bühne verzogen, machte aber durch Mimik mehr als deutlich, was sie von der Sanges- und Ausdruckskraft ihrer männlichen Kollegen hielt. Irgendwann reichte es ihr dann und sie entzog den Herren kurzerhand das Mikrofon, Bernhardt, Fehr und Horn ließen sich das auch gefallen.

Trotz des seriösen, eher einem Kammerkonzert würdigen Outfits, konnten die Zuschauer sich aber auch über einige schrille Komponenten freuen. So legten die Musiker beim Titel „Neandertaler“ einen Kopfschmuck aus Knochen an und zum letzten Titel des Programms wurde Vogel von zwei Miss Piggys aus der berühmten Muppets-Show flankiert. „Wir sind süß aber doof“, von Friedrich Hollaender war die passende Begleitmusik. Einen fünften Gast auf der Bühne hatten die Zuschauer auch immer im Auge. Fissi, Vogels Hund, lag während des ganzen Programms auf der Bühne und bekam auch mal etwas Frischluft von der Sängerin mit dem Federfächer zu gewedelt. Erst gegen Ende zeigte Fissi, dass es nun aber reicht, sie startete einen Ausflug ins Publikum. Eine Zu- gabe gab es trotzdem, mit Suleika endete das Programm, nachdem Bettina Gibson-Altmann sich im Namen des Glöckelchen-Vereins mit Schokolade und Wein bedankt hatte. Die Schokolade gab es für die Herren, den Wein für die Damen. Die stellte daraufhin zufrieden fest: „Früher bekam ich immer die Blumen und die anderen den Wein, ihr seid also doch lernfähig.“

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