Carolin Herzog begeistert alle in ihrer Rolle

Ein Mädchen, wie aus dem Bilderbuch

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Glücklich steigt Kerbmädchen Carolin Herzog trotz Höhenangst die Leiter hinunter, nachdem sie von Mundschenk Philipp Tesch freudig begrüßt und vorgestellt wurde.

Groß-Zimmern - „Wochelong häbb ich uff diesen Doach gewadd, for Uffreschung woar ich schun gonz mallad“ ruft Kerbmädchen Carolin Herzog dem Volk entgegen – und das in perfektem Zimm’nerisch. Von Gudrun Fritsch

Die 19-Jährige ist ein Glücksfall, denn sie ist Spross einer Urzimmerner Familie. Ortsbekannt ist ihre Oma, die Christel vom Münchner Hof, der über drei Generationen Familienbesitz war. Mit Ehemann Heinrich Herbert und den Töchtern war sie in der Gaststätte jahrelang tonangebend, viele Kerbjahrgänge und Vereine schätzen bis heute ihre Gastfreundschaft und klaren Ansagen. Die Wirtschaft ist zwar längst geschlossen – zum Leidwesen von Carolin, die sie gerne weitergeführt hätte – aber das Kerbmädchen wohnt in eben diesem Traditionshaus und stieg am Sonntagmittag auch hier von der Leiter.

„Sie is die Oanzischst, die immer lacht“, kündigte Mundschenk Philipp Tesch an. Dabei wäre ihr das Lachen in diesem Moment fast vergangen, denn sie hat Höhenangst. Doch was ein echtes Kerbmädchen ist, das gibt alles für das Fest. „Ich wollte schon immer Kerbmädchen sein“, sagt sie und die Mahnung von Oma Christel: „Das bist du nicht nur den einen Tag, sondern immer“, hatte sie schon längst beherzigt, die Verantwortung war ihr bewusst. „Ich bin mit Chiara befreundet, dem Kerbmädchen vom Vorjahr“, berichtet sie. Ihre Leidenschaft für das Fest der Feste ist auch mit der Familiengaststätte verbunden. „Ich bin hier aufgewachsen und es war schon immer ein Treff an Kerb“, erzählt sie und erinnert sich daran, wie sie geweint hat, als die Gaststätte geschlossen wurde.

Carolin war sich der Unterstützung durch ihre Familie bewusst. Ihre Mutter Christine war zwar kein Kerbmädchen („Sie wurde an Kerb immer im Münchner Hof gebraucht“), Vater Thomas kommt eigentlich aus Köln, gehört aber voll und ganz dazu. Auch ihre Schwester Nicole (27) freut sich für sie., denn das Kerbvirus haben alle in der Familie. Nach der Mittleren Reife wollte Carolin eigentlich „etwas mit Mode“ machen, entschied sich jedoch zunächst für ein soziales Jahr. Hart und anstrengend fand sie die Arbeit in einer Behinderteneinrichtung, aber „mir war bald klar, dass ich das weitermachen will“, sagt sie. Derzeit macht sie an der Landrat-Gruber-Schule eine Ausbildung zur Sozialassistentin und will in die Heilerziehungspflege einsteigen.

Mit den Jahrgangskollegen ist sie eng befreundet. Dass sie auserwählt wurde erfuhr sie Ende Mai. „Ich war überrascht, aber die Ankündigung war etwas nüchtern“, erzählt sie. Keine zeremonielle Frage, einfach nur: „willst du es machen?“. Trotzdem hat sie natürlich zugesagt und natürlich ist sie auch stolz, ebenso wie die Christel.

„Die Carolin ist ein Alphatier. Sie macht alles mit, aber sagt auch klar ihre Meinung“, sagt die Oma, die als Ehrenkerbmädchen mitfeiert.

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