Familie Mieth dankt

Delfine machen Xenia überglücklich

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Fröhliches Spielen mit Bonny: Die Therapie-Einheiten mit den Delfinen machten Xenia am meisten Spaß. Jeden Tag verbrachte sie 40 Minuten mit den Tieren im Wasser.

Curacao/Groß-Zimmern - Einmal mit einem Delfin schwimmen, sich an seiner Flosse festhalten und den Wind und das warme Wasser spüren, während das sanfte Tier durch die Wellen gleitet: ein harmonisches Bild und ein Abenteuer, von dem viele Kinder träumen. Von Julia Glaser 

Wahr geworden ist dieser Traum für Xenia Mieth und ihre Familie, dank der Unterstützung vieler Menschen, die Xenia helfen möchten. Rückblick: Etwas mehr als ein halbes Jahr ist es her, dass Xenia und ihre Eltern um Spenden baten, damit die Neunjährige an einer Delfintherapie teilnehmen kann. Xenia wurde mit einem offenen Rücken (Spina Bifida) geboren und sitzt deswegen in einem Rollstuhl. Die Delfintherapie sollte ihr helfen, ihre Feinmotorik zu verbessern, sich besser zu konzentrieren und ihr mehr Selbstsicherheit geben.

Die delfininitiierte Ultraschall-Beschallung bewirkt ein besseres Funktionieren des Nervensystems, da sie eine Resonanz im Gehirn und der Wirbelsäule auslöst. Umso früher diese Art von Therapie stattfindet, desto größer sind die Chancen, dass Xenia eines Tages mit der Hilfe von Gehorthesen frei laufen kann.

Xenias Geschichte bewegte viele Menschen, die Hilfsbereitschaft war riesengroß. Vereine, Verbände und Privatpersonen spendeten, damit die Grundschülerin zusammen mit ihrem elfjährigen Bruder Nils und den Eltern Anette und Christian die Reise zu den Delfinen antreten konnte. Ein großes Dankeschön geht dabei an die „Kerbvädder“, die ein Benefizkonzert mit dem Titel „Ein Delfin für Xenia“ ausrichteten und den Erlös spendeten. Auch viele Kerbjahrgänge sammelten in den eigenen Reihen und unterstützten die Familie. Die vier Mieths sind froh für jede einzelne Spende, die sie erhalten haben: „Wir bedanken uns bei allen, die das möglich gemacht haben. Das war wirklich unglaublich“, sagt Christian Mieth. In den Herbstferien war es so weit: Die Familie verbrachte zwei Wochen auf der Karibikinsel Curaçao. Türkisblaues Wasser so weit das Auge reicht, ein weißer Sandstrand und Temperaturen von durchschnittlich 30 Grad Celsius.

Für die vier Groß-Zimmerner bedeutete dies auch ein „Wegsein“ von den Alltagssorgen, einfach mal loslassen und die traumhafte Kulisse auf sich wirken lassen. Dabei half besonders, dass das Hotel und die Therapieeinrichtung auf der Insel vollkommen auf die speziellen Bedürfnisse der Gäste mit Handicap ausgerichtet waren. „Es war einfach mal einfach“, fasst Anette Mieth die Erfahrung zusammen.

Für Xenia standen jeden Tag drei Stunden Therapie auf dem Programm. Das bedeutete eine Kombination verschiedener Formen wie Ergotherapie mit Konzentrations- und Motorikspielen, der Zeit mit den Delfinen und der Bruckner-Biofeedback-Mehode (BBFM), die den Muskelaufbau unterstützen soll. Am meisten Spaß hat ihr dabei die Arbeit mit den Delfinen bereitet. Zusammen mit drei weiteren Kindern verbrachte Xenia täglich rund 40 Minuten im Wasser mit den Delfinen Bonny, Chabelita, Nubia, Khalua und Babydelfin Sammy. „Ihr“ Delfin war dabei Sammys Mama Bonny, mit der sie die meisten Übungen absolvierte. „Wir haben mit großen und kleinen Reifen gespielt, oder der Delfin ist über eine Stange gesprungen. Zum Schluss habe ich mich an seiner Flosse festgehalten und er ist losgepest. Das hat so viel Spaß gemacht, ich wollte gar nicht mehr aufhören“, erzählt sie lachend. Am Familientag durften auch ihr Bruder und die Eltern mit den Delfinen schwimmen – eine außergewöhnliche und unvergessliche Erfahrung für die ganze Familie, genau wie der Urlaub insgesamt.

Bleibt die Frage, ob es sich „gelohnt“ hat, ob die Therapie das bewirkt, auf was alle gehofft haben? „Ja“, sagen Xenias Eltern. „Sie hat mehr Energie, mehr Ausdruck, sie spricht schöner als vorher“, berichtet ihre Mutter.

Xenia sieht es genauso: „Es hat sich was verändert. Ich kann mich in der Schule besser konzentrieren.“ Ihr Bruder hat auf Curaçao ein neues Hobby gefunden: Tauchen. In einem Kurs auf der Insel lernte er die Grundlagen und spart jetzt für einen längeren Tauchkurs.

Was er dabei lernt, kann er vielleicht schon in zwei Jahren auf der Karibikinsel unter Beweis stellen: Dann wollen die Mieths nämlich wieder zurück nach Curaçao, die Therapie fortsetzen.

Einen Grundstock für diesen Urlaub hat die Familie bereits, weil mehr Geld zusammenkam, als sie für die Reise benötigten, erklärt Anette Mieth. „Dieser Rest bleibt so lange unangetastet. Die nächsten zwei Jahre sparen wir. In dieser Zeit gibt es eben erstmal keinen größeren Urlaub mehr. Und dann fahren wir hoffentlich wieder nach Curaçao.“

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