Was das Amt bedeutet

Wahlhelfer kann fast jeder werden

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Gerd Merget (71) wird sich auch diesmal wieder als Wahlhelfer betätigen.Hier zeigt er den Musterwahlschein für das Gemeindeparlament.

Groß-Zimmern - Das Amt, zu dem die Bürger von der Gemeinde berufen werden, kann man nicht leicht ablehnen. Gerd Merget ist mit 71 Jahren ältester, Denny Bursalioglu (20) jüngster Walhelfer in Zimmern. Von Ulrike Bernauer

Einen Urlaub muss man zwar deswegen nicht absagen, aber ist man mal ausgewählt, braucht man einen gewichtigen Grund wie etwa Krankheit, um dieser staatsbürgerlichen Pflicht nicht nachzukommen. Gerd Merget findet das auch in Ordnung. „Das ist das Mindeste, was man tun kann. Alle zwei Jahre mal bei einer Wahl zu helfen, das schärft das Bewusstsein für die Demokratie. Merget hat diese Pflicht schon öfter erfüllt, vor 30 Jahren wohl zum ersten Mal. Mit 71 Jahren ist der SPD-Politiker und Gemeindevertreter der älteste Wahlhelfer in Zimmern.

Sein Nachbar, Denny Bursalioglu, ist gerade mal 20 Jahre alt und damit der Jüngsten, der am 6. März bei der Kommunalwahl im Wahlbüro mitmacht. Der Auszubildende zum Verwaltungsfachangestellten ist auch deshalb ausgesucht worden, weil er bei der Gemeinde lernt. Trotz seines jungen Alters ist das nicht seine erste, sondern die dritte Wahl, bei der er nicht nur Kreuzchen macht, sondern auch als Helfer im Einsatz ist. Am 6. März bekleidet er im Wahlbezirk sechs das Amt des Schriftführers. Mit seinen Kollegen überprüft er dann, ob die Wähler auch im Verzeichnis stehen, und händigt ihnen dann die Stimmzettel aus. „Meist werden die Wahlhelfer in den Bezirken eingesetzt, in denen sie wohnen“, weiß Merget aus Erfahrung. „Wenn sie jemanden kennen, finden sie den betreffenden Wähler schneller in den Listen.“

Gerd Merget (71) wird sich auch diesmal wieder als Wahlhelfer betätigen.Hier zeigt er den Musterwahlschein für das Gemeindeparlament.

Bursalioglu findet es „cool“, Wahlhelfer zu sein und das ganze Procedere einer Wahl mit zu bekommen. Das Auszählen wiederum „ist nicht so toll“, meint er. Das wird bei dieser Wahl eine gehörige Weile dauern. Genau kann man das nicht vorhersagen, es kommt darauf an, wie viele Bürger kumulieren und panaschieren. „Wir zählen am Wahlabend nur die Stimmzettel, auf denen eine Liste angekreuzt ist“, sagt Merget. Die Zettel, auf denen die Wähler kumuliert und panaschiert haben, werden erst in den nächsten Tagen ausgezählt.

Stefan Herbert, Leiter der Haupt- und Personalverwaltung, ist zuständig für die Wahlen und er weiß, dass viele Bürger von dem Recht, die Stimmen auf Kandidaten zu verteilen, Gebrauch machen. Bei der letzten Kommunalwahl 2011 kreuzten weit weniger als 50 Prozent der Wähler eine komplette Liste an. Die Meisten kumulierten und panaschierten nach Herzenslust und versuchten damit, ihre Wunschkandidaten auf die vorderen Plätze der Parteilisten zu bringen.

Mit dem Auszählen dieser Stimmen hat Merget dann nichts mehr zu tun. Seine Aufgabe, er erfüllt seine Bürgerpflicht im Briefwahlamt, ist am Sonntagabend erledigt. Bursalioglu hingegen wird auch am Montag und voraussichtlich noch am Dienstag mit seinen Kollegen zählen. Das Rathaus ist dann größtenteils geschlossen, weil die Verwaltungsmitarbeiter mit den Wahlergebnissen befasst sind. Am Trendergebnis, das schon am Wahlabend bekanntgegeben wird, kann sich dann noch einiges ändern.

Sieben Bezirke gibt es in Groß- und einen in Klein-Zimmern. Hinzu kommen noch zwei Briefwahlbezirke. In diesem Jahr müssen die Wähler ein paar Kreuzchen weniger beim Kumulieren machen. Die Zahl der Gemeindevertreter wurde von 37 auf 31 herabgesetzt, der Ortsbeirat Klein-Zimmern wird künftig nur noch fünf statt wie bisher sieben Sitze haben.

Prominente Wahlhelfer

Herbert und Merget rechnen auch in diesem Jahr mit einer großen Zahl an Briefwählern. Merget betrachtet den „Handtuchgroßen“ Stimmzettel für die Kreistagswahl. „Wenn man auf diesem Stimmzettel kumulieren will, bekommt man in den Wahlkabinen schon Platzprobleme. Schon aus diesem Grund bevorzugen viele die Briefwahl. Da können sie den Wahlzettel zu Hause in Ruhe ausfüllen.“ Merget hofft im Übrigen, dass er bei dieser Wahl zum letzten Mal als Wahlhelfer ausgesucht wurde. „Irgendwann ist es genug“, sagt er. Bursalioglu hingegen kann sich das Ausüben dieser Bürgerpflicht auch noch öfter vorstellen. Gespannt ist er auf das Auszählen der Stimmzettel am Montag und Dienstag. Die Stimmzettel mit den kumulierten Kreuzchen kennt er noch nicht. Bei den Bundes-, Landtags- und Europawahlen, bei denen er schon mithalf, konnten die Wähler nur Listen ankreuzen.

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