Umgang mit Religionen in der Schule

Dialog ersetzt starren Unterricht

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Georg Blank hatte beim Frauenfrühstück der evangelischen Kirche Religionsunterricht zum Thema.

Groß-Zimmern - Ein sehr spannendes Thema hat am Samstagvormittag viele zum Frauenfrühstück gelockt. Mit Georg Blank hatten Heidrun Fornoff und Cordula Habenicht einen Referenten vom anderen Gickel ins evangelische Gemeindehaus eingeladen. Von Ulrike Bernauer 

Der Diplom-Theologe und Pastoralreferent kam bei den Damen gut an. Über Sinn und Zweck des Religionsunterrichts referierte Blank und danach diskutierten die Damen über das thema. Mit Blank hatte man einen Praktiker eingeladen, unterrichtet er doch schon seit Jahren Religion an Berufsschulen an der Bergstraße. Er erzählte viel von seinen Erfahrungen, die er in der langen Zeit gemacht hat. So sei es am Anfang schwierig gewesen, einen Standpunkt zu finden. An einen Lehrplan halte er sich auch heute nicht. Zu unterschiedlich seien auch die Schüler, die da vor ihm sitzen. „Ich will den Schülern nichts erzählen. Ich will dass sie in den Dialog kommen.“

In manchen Klassen säßen mehr Schüler islamischen Glaubens vor ihm sitzen als Christlichem. Gut erinnerte er sich noch an seine Anfänge. „Da saßen in einer Klasse lauter Umschüler, gestandene Männer, die größtenteils älter waren als ich Jungspund“. Damals schon habe er improvisiert und den starren Religionsunterricht ebenso wie Deutsch, Sozialkunde und andere allgemeinbildende Fächer für unnötig erklärt. Da sei einer der Schüler aufgestanden und habe sich lautstark beschwert: „Die wollen Fachidioten aus uns machen.“ In der Folge hatte Blank mit seinem Unterricht keine Probleme mehr, die Schüler waren engagiert bei der Sache.

Manchmal stößt der Religionspädagoge aber auch an seine Grenzen. Zwei Schüler, die den Salafisten angehörten, musste er nach vielen Gesprächsangeboten, dauerhaft aus dem Unterricht verweisen. Mit Fundamentalisten, egal welcher Couleur, könne man ab einem bestimmten Punkt kaum noch arbeiten, so sein Fazit. Insgesamt habe er festgestellt, dass viele junge Leute heute kaum noch über Religion reden könnten. Hier sei es ganz wichtig, den Dialog anzustoßen. Beim miteinander Reden, lerne man nicht nur viel über die fremde, sondern auch über die eigene Religion. Blank betrachtet seine Rolle in der Schule eher als Moderator, natürlich bringt er auch seine Kenntnisse ein, wenn die gefragt sind.

Die Besucherinnen des von der evangelischen Gemeinde veranstalteten Frühstücks, das wie üblich auch von Frauen katholischen Glaubens besucht wurde, lauschten nicht nur sehr interessiert, sondern stellten auch viele Fragen.

Sie erzählten auch von ihrem Religionsunterricht, der bei den meisten allerdings darin bestanden habe, den Katechismus oder Kirchenlieder auswendig zu lernen. Auch zu der Kernfrage: „Wie soll der Religionsunterricht heute aussehen?“, hatten viele eine dezidierte Meinung. Die beiden Maximalpositionen, am gegebenen klassischen Religionsunterricht festzuhalten oder nur noch Ethikunterricht anzubieten, hielten die meisten Anwesenden für unrealistisch. Sie stimmten Blank zu, dass die Menschen insgesamt über ihre Religionen in den Dialog kommen müssten.

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