Traum erfüllt

Dreirad der besonderen Art

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Nicht selten liegt Fred Zimmermann bei der Arbeit auch unter seinem Liegefahrrad.

Groß-Zimmern - Der Messerschmitt Kabinenroller ist ein ungewöhnliches Fahrzeug. Das aus dem Flugzeugbau stammende Design macht ihn heute zu einem begehrten Oldtimer.

20.000 Euro für ein restauriertes Exemplar? Für Fred Zimmermann aus Groß-Zimmern bei aller Liebe entschieden zu viel. Seit knapp vier Jahren tüftelt der Grafik-Designer daher an einer Pedelec-Version, die er „Veloschmitt“ getauft hat.

Dabei kommen viele ganz normale Teile aus dem Fahrradbau zum Einsatz. Pedaltritt des Fahrers und elektrische Servounterstützung durch einen Fünf-PS-Motor wirken auf die Hinterachse, die ein einziges Rad trägt. Vorne sind es zwei, die wie beim Original mit einem hölzernen Bügel gelenkt werden, der in etwa aussieht wie das umgedrehte Gehörn eines Rindviechs. Das meiste ist ganz bewusst sehr nahe am Original konstruiert, die markante Frontpartie mit der zeppelinartigen Nase und den beiden aufgesetzten Scheinwerfer-Augen allerdings etwas höher, um Platz für die Tretbewegung des Fahrers zu schaffen.

Resonanz groß

Das Ganze soll straßenverkehrstauglich sein, ein Liegefahrrad mit Servo-Unterstützung gewissermaßen, zugeschnitten auf die Distanz zwischen Haus in Groß-Zimmern und Arbeitsplatz in Bensheim. Zimmermann braucht nämlich aus Gründen der Gesundheits-Vorsorge viel Bewegung. Der Konstrukteur hat seine Idee und seine Entwicklungsschritte im Internet gepostet, und so kam 2013 der Kontakt mit Achim Adlfinger zu Stande. Der war an einer Firma im slowenischen Ljubljana beteiligt, die auf den Bau von Kunststoff-Karosserien spezialisiert ist. Aus dem Gebastel für den Hausgebrauch und dem mühsamen „Abpausen“ der Formen mit glasfaser-verstärktem Kunstharz wurde so die Idee einer Pedelec-Kleinserie.

Überhaupt war die Resonanz auf die Veröffentlichung der Idee, statt eines 20.000 Euro teuren Edeloldies mit der Zeit zu gehen und für „maximal 5000 Euro“ - so Zimmermanns Zielmarke - ein Liegefahrrad im Messerschmitt-Kleid anzubieten, überraschend groß. Auch die Messerschmitt-Stiftung meldete sich als Inhaberin der Namensrechte zu Wort. Was im ersten Moment auf einen Rechtsstreit hinauszulaufen schien, hatte ein fast kurioses Ergebnis: Wenn schon so viele Anleihen am Design des Originals, dann bitte auch unter dem originalen Namen.

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Mittlerweile rühren noch ein paar Köche mehr in der Suppe. Adlfinger vermarktet nach seinem Ausscheiden aus der Firma in Ljubljana und Differenzen mit Zimmermann das Veloschmitt-Konzept als „Messerschmitt“ in Eigenregie, die Fahrzeugbauer Jens Broedersdorf und Uwe Koenzen haben bereits Prototypen mit reinem Elektroantrieb realisiert, nachdem sie auf der Suche nach einem passenden Fahrzeugkonzept fast zwangsläufig auf den Kabinenroller gestoßen sind, der viele Optionen des Leichtbaus mit einer erstklassigen Aerodynamik vereint.

Während die Konstrukteure aus der Nähe von Hilden über Geschwindigkeiten von über 100, ja bis zu 170 Stundenkilometer reden, will Zimmermann auf jeden Fall an seinem Konzept des „menschlichen“ Antriebs festhalten. Und auch Leichtbau ist für ihn nicht alles. Seine Karosserieteile sind doppelwandig ausgelegt, metallene Längsstreben sollen einen gewissen Seitenaufprallschutz bieten, und am Ende kommen bis zu 95 Kilo Leergewicht auf die Waage. Zwei Versionen hat Zimmermann jetzt in Zusammenarbeit mit „Jetbuster“ in Ljubljana im Angebot: ein echtes Pedelec mit abgeregelten 25 Stundenkilometern Spitze und ein versicherungspflichtiges Flinkchen mit maximal 45 Stundenkilometern. Der Konstrukteur weiß, dass theoretisch noch mehr drin wäre, denn „der Kabinenroller ist ein faszinierendes Fahrzeugkonzept, dessen Möglichkeiten längst noch nicht alle ausgelotet sind“. 

(sr)

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