Paten und Betreuer gesucht

Asylkreis dankt Haus Elisabeth für Kleiderkisten-Raum

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Mohammad Afzal Waraich und seine Schwester Fosia aus Pakistan sind fündig geworden.

Groß-Zimmern - „Hier ist immer was los“, sagt Gabriele Kuhn-Flavio, während sie gemeinsam mit Barbara Redelin und Christine Strobel Wäsche sortiert. Neben vielen weiteren Ehrenamtlichen betreuen die Frauen immer dienstags und donnerstags die Kleiderkiste im Kellergeschoss der Seniorenresidenz Römerhaus. Von Gudrun Fritsch 

„Leider kann ich aktuell nicht richtig zupacken“, sagt Kuhn-Flavio und zeigt auf den Gips, der ihren gebrochenen Arm schützt. Das einst als „Sozialkaufhaus“ begonnene Projekt hatte bei ihr im Schuppen ein Zwischenlager gefunden, bevor im Februar der trockene große Raum in der Senioreneinrichtung eingeweiht werden konnte. Dankbar sind die Aktiven Thomas Neubecker, dem Leiter der Seniorenresidenz, der die kostenfreie Nutzung des 80 Quadratmeter großen Kellerraums auf unbefristete Zeit ermöglichte. Gestern haben die Helfer des Asylkreises den Mitarbeitern und Bewohnern im Haus Elisabeth bei einem Kaffeenachmittag für die Unterstützung gedankt.

„Hier ist es trocken und warm, der Zugang ist barrierefrei“, schwärmt Kuhn-Flavio. Auf den Erfahrungen mit der Kundschaft basierend, liegt die Kleidung der Nachfrage angepasst aus und im hinteren Eck wurde eine große Ankleidekabine eingerichtet. Es sind immer mindestens zwei Personen im Einsatz. Auf dem Gang hört man Schritte und die ersten Kunden kommen. „Langeweile kommt hier nie auf“, sagt Redelin. Mohammad Afzal Waraich und seine Schwester Fosia aus Pakistan sind zum zweiten Mal da. Der 36-jährige Mann lebt seit ein paar Jahren in Deutschland, die jüngere Fosia ist vor kurzem gekommen. In Groß-Zimmern wohnen die beiden erst seit einem Monat.

Ein schickes rotes Auto hat der zweijährige Dajan. Unbegründet war seine Angst, den Flitzer wieder hergeben zu müssen.

Die Kunden können in Ruhe auswählen oder probieren, was ihnen am besten passt. Natürlich kommt man dabei auch ins Gespräch, die Frauen der Kleiderkiste erfahren von der schweren Krankheit des Mannes, geben Trost und Tipps. „Wir sind weniger Verkäuferinnen, sondern auch Ansprechpartner und Berater. Man trifft hier viele schwere Einzelschicksale“, sagt Strobel. Die Frauen betonen, dass die Waren nicht nur an Flüchtlinge, sondern an alle Menschen abgegeben werden, die mit wenig Geld auskommen müssen. Jedes Teil kostet zwischen 50 Cent und einem Euro. „Aber wir drücken auch schon mal ein Auge zu, wenn jemand mehr mitnimmt und nicht genug Geld hat“, sagt Strobel. Besonders, wenn es sich um so nette Kunden handelt, wie den kleinen Dajan. Begeistert hält der Zweijährige ein rotes Auto in den Händen.

Der Verkaufserlös geht an den Asylkreis, der damit unter anderem Sprachkurse finanziert, junge Mütter unterstützt oder Schultüten für Erstklässler besorgt hat. Und selbstverständlich ist für die Helferinnen, dass die Bedürftigen auch mit der Mode gehen. „Deshalb bitten wir darum, möglichst zeitgenössische, der Jahreszeit entsprechende Kleidung abzugeben“, sagt Kuhn-Flavio, die von der Spendenbereitschaft nach wie vor begeistert ist.

Jeden ersten Montag im Monat zwischen 17 und 18 Uhr kann gut erhaltene Wäsche im Mehrgenerationenhaus abgegeben werden. Aktuell sind neben Kleidung für die kältere Jahreszeit besonders Sportklamotten, -Schuhe und -Taschen für Schüler gefragt. Außerdem benötigen viele der Neuen Bettwäsche, Decken und Handtücher, nur Unterwäsche ist ausgeschlossen. Spielzeug kann nicht mehr angenommen werden, da zu wenig Platz ist. Geschirr, Haushaltswaren und eventuell Möbel können in Dieburg gelagert werden. Für die Kleiderkammer wird noch Lagerraum gesucht, es könnte eine Wohnung oder eine Scheune sein. Wer etwas abzugeben hat oder Räume anbieten kann, sollte sich bei Kuhn-Flavio melden unter Tel.: 71559.

„Wir suchen auch weiterhin ehrenamtliche Helfer“, betont die Flüchtlingsbetreuerin Suriya Taymuree. Vor allem Frauen mit kleinen Kindern brauchen Unterstützung. Damit sie möglichst bald mit dem Deutschunterricht beginnen können, werden Helfer bei der Kinderbetreuung während der Kurszeiten (dienstags und mittwochs von 9 bis 10.30 Uhr) gesucht. Zufrieden ist die engagierte Sozialarbeiterin, dass für einen 19-jährigen Syrer, der mit seinem elfjährigen Bruder in Zimmern lebt, Paten gefunden wurden. „Aber es gibt noch weitere Flüchtlinge, für die wir uns Ansprechpartner wünschen.“ Infos unter Tel.:  0151 29250159.

Derzeit leben über 200 Flüchtlinge im Ort, 34 davon sind Kinder unter zwölf Jahren. Die drei Sammelunterkünfte sind so gut wie belegt. In der Röntgenstraße gibt es noch wenige freie Plätze. Wegen der Raumaufteilung sollen hier jedoch nur sprachlich passende Personen hinzukommen, so Taymuree. Ein gravierendes Problem für die Neuen ist derzeit, dass sie ohne Ausweis kein Konto eröffnen können und folglich ihre Unterhaltszahlungen in Pfungstadt persönlich abholen müssen.

Erst wenn über den Asylantrag nach der zweiten Anhörung in Gießen positiv entschieden wurde, werden die Dokumente an die Ausländerbehörde in Dieburg weitergeleitet, die dann eine Aufenthaltsgestattung ausstellt. Mit diesem Papier kann ein Bankkonto eröffnet werden. Ein Prozedere, das der Sicherheit dienen soll, für die Betroffenen aber sehr aufwendig ist. Wenn ein Antrag abgelehnt wurde, wird zumeist von der Klagemöglichkeit gebrauch gemacht. Vor allem Flüchtlinge aus Afghanistan besuchen dann Beratungsstellen in Kranichstein oder Groß-Umstadt, wo ihr Fall noch einmal unter die Lupe genommen wird.

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