Kerbverein empört über Vorkommnisse

„Schande für die Kerb“

+
„Baumklauer Nummer eins“, dieser Button wurde flächendeckend aufgeklebt - auch auf Ampelanlagen und Verkehrsschilder.

Groß-Zimmer - Einbruch, Diebstahl und vorsätzliche Körperverletzung, was hat das mit der Zimm‘ner Kerb zu tun? „Gar nichts“, so Thomas Beutel, Vorsitzender des Kerbvereins. Von Ursula Friedrich 

Der Trägerverein des Heimatfests bemüht sich gemeinsam mit dem jeweiligen Kerbborschtejahrgang Tradition und Heimatkultur am Leben zu erhalten. In diesem Jahr wurde allerdings aus Schabernack eine Straftat, aus einem Streich Körperverletzung und aus einem Kavaliersdelikt ein Einbruch. Die jüngsten Ereignisse haben den Kerbverein veranlasst auf Distanz zu gehen. Und das Tun Einzelner massiv anzuprangern. Auch über Sanktionen, etwa den Ausschluss der betreffenden Missetäter vom Kerbsamstag, stehen im Raum. Was ist geschehen? Der etwa zwölf Meter lange Kerbbaum war seit Mai in einer Fahrzeughalle in gut sechs Metern Höhe aufgehängt. „Mein Sohn gehört zum Jahrgang, deshalb habe ich zugestimmt, den Kerbbaum bei uns einzulagern“, erklärt Landwirtin Petra Fritsch.

Nicht alle Regeln außer Kraft gesetzt

Mit der Folge, dass der Aussiedlerhof bereits Wochen zuvor belagert und ausspioniert wurde. Über soziale Medien wurde via Whats App und Facebook Druck ausgeübt, der Diebstahl des Baumes angedroht. Professionell verschaffte sich eine Handvoll Diebe kurz vor der Feier der Kerb Zugang zu der Halle und knüpfte den Baum aus lichter Höhe vom Stahlträger. Da im Anschluss eine Auslöseforderung von Alkohol im Wert um 400 bis 500 Euro gestellt wurde, war der Täterkreis rasch bekannt.

Gegen zehn Kästen Bier auf Kosten des Kerbborschdejahrgangs 1995/96 wurde der bereits festlich dekorierte Baum wieder herausgerückt. Petra Fritsch hatte unterdessen ein neues Schloss in ihre Hallentür einbauen lassen, gewiss, „dass ich nie wieder einen Kerbbaum bei mir aufnehme.“ Auf eine Anzeige hat sie verzichtet, doch eine Entschuldigung gefordert. Darauf wartet sie bis heute. „An Kerb sind nicht alle Regeln außer Kraft gesetzt!“ zürnte Thomas Beutel. Der Baumklau erfülle den Straftatbestand des Hausfriedensbruchs, Einbruchs, Diebstahls mit weiteren Folgen.

Bilder zum Abschluss der Kerb

Die Täter ließen eine Kollektion Aufkleber drucken, um sich selbst als „Baumklauer Nummer eins“ mit dem Siegeslorbeer zu brüsten. Von Verkehrsschildern und weiteren öffentlichen Flächen müssen Bauhofmitarbeiter die Aufkleber nun abkratzen. Bereits im Vorfeld hatte die Gemeinde mehrfach auf das Verbot von Aufklebern hingewiesen. „Das Thema ist seitens der Gemeinde nicht vom Tisch“, kündigte Thomas Beutel an. Bis zu diesen Vorfällen kam kein Mensch zu Schaden. Das sollte sich am Kerbsamstag ändern, als der Mundschenk des aktuellen Jahrgangs unter anderem von Mundschenken vergangener Jahre in ein Lokal verschleppt wurde.

Den Mundschenk systematisch abgefüllt

„Sie haben den Mundschenk systematisch abgefüllt“, sagte Beutel, verwundert, dass „der Wirt des Lokals immer weiter ausgeschenkt hat, obwohl ein Gast bereits volltrunken war.“ Als ihn sein Jahrgang fand, konnte der Mundschenk keinen Fuß mehr vor den anderen setzen. „Für den Jahrgang war der Abend gelaufen“, sagte der Kerbvereinsvorsitzende, „etwa die Hälfte hat die Nacht am Bett ihres Mundschenks verbracht.“ Tief besorgt wachten auch die Eltern über ihren vergifteten Spross. „Das war vorsätzliche Körperverletzung!“, sagte Thomas Beutel, der seit Jahren Missetaten wie den Baumklau mit wachsender Sorge beobachtet, „nun ist eine Grenze überschritten.“

Bilder: Kerb in Groß-Zimmern

Alkoholmissbrauch, auf Volksfesten ein empfindliches Thema, hatte in Groß-Zimmern 1984 sogar zum tragischen Tod eines jungen Mannes geführt. Der Kerbverein wird genau hinsehen, soviel steht fest. „Ein zutiefst Kerb schädigendes asoziales Verhalten“, prangerte Thomas Beutel an. Noch haben die überwiegend bekannten Täter keine Strafanzeige bekommen. Dies schließen die Kerbveranstalter für die Zukunft jedoch nicht aus. Auch der Ausschluss vom Heimatfest ist Thema.

Kommentare