Kritik von Asylkreis an bürokratische Hürden

Einmaleins der Integration stockt

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Froh, dass sie in Zimmern gelandet sind: Dem Iraner Mustafa Hataramsade (v.r.) und Amar Dunamy aus Bagdad hilft Josephine Degroot (23), Studentin der Sozialen Arbeit aus der Schweiz. Den beiden jungen Männern ist zu wünschen, dass sie nicht so lange in der Warteschleife hängen.

Groß-Zimmern - Ohne die Kenntnisse der Landessprache ist Integration unmöglich. Auch in Groß-Zimmern bemängelt der Arbeitskreis Asyl, dass Flüchtlinge bei der Anmeldung zu Deutschkursen in einer Warteschleife hängen. Von Ursula Friedrich 

Flüchtlinge, die keine große Bleibeperspektive haben, oder mitten im Verfahren stecken, sind aufgrund mangelnder Angebote mitunter Monate lang „sprachlos“. Das Problem: Nur Menschen aus Syrien, Somalia, Eritrea, dem Iran oder Irak, erhalten bereits vor einem positiv beschiedenen Antrag die vom Land bezahlten Integrationskurse. Obwohl laut Angaben der Organisation ProAsyl afghanische Asylbewerber zu 78 Prozent anerkannt werden, wird ihnen der Weg in qualifizierte, kostenpflichtige Deutschkurse vom Land Hessen zunächst nicht finanziert. „Die Leute verlieren wertvolle Zeit und sind nahezu handlungsunfähig“, skizziert Ulrike Schultheis, Koordinatorin des Arbeitskreises Asyl, das Problem. „Viele Afghanen in Groß-Zimmern sind schon über ein Jahr hier und hatten noch nicht einmal ihre Anhörung im Rahmen des Asylverfahrens.“

Um neu ankommenden Flüchtlingen zu helfen, engagiert sich das ehrenamtliche Team des Arbeitskreises Asyl und gibt (neben zahlreichen anderen Aktivitäten von der Kleiderkiste bis zu Familienpatenschaften) zwei Mal wöchentlich Deutschunterricht. „Inzwischen gibt es in Groß-Zimmern rund 200 Flüchtlinge“, gibt Helmut Ortgies vom Asylkreis Einblicke in die Dimension dieser Aufgabe. Das Ausharren und Warten, Ausformulieren von Anträgen in einer fremden Sprache wirkt vielfach lähmend. „Verlorene Zeit“, beklagt Ortgies. „Manche Menschen hängen zwei bis drei Jahre in einer Warteschleife“, bemängelt auch Ulrike Schutheis, Koordinatorin des Arbeitskreises Asyl, „das ist frustrierend“. Die engagierten Helfer der Flüchtlingshilfe, rund 40, zehn im „inneren Wirkungskreis“, versuchen neben vielen anderen Hilfsangeboten auch Sprachbarrieren durch freiwillige Kursangebote zu nehmen. „Zweimal pro Woche ist es nicht ausreichend, um so umfassend Deutsch zu lehren, damit man eine Arbeit annehmen kann“, sagte Ulrike Schultheis, „dazu sind wir nicht professionell genug.“ Durch die beiden neuen Unterkünfte in der Röntgen- und Angelgartenstraße ist die Zahl der Asylbewerber in Groß-Zimmern auf gut 200 angewachsen, und damit auch die Probleme, die es zu stemmen gilt. Auch Kinder und Jugendliche warten auf einen Platz in den Integrationsklassen an Schulen im Landkreis, erklärte Suriya Taymuree, die gemeinsam mit Sandra Bruckmann Flüchtlinge in Zimmern hauptamtlich betreut. Bis zum 21. Lebensjahr hätten Asylbewerber die Chance auf einen Schulbesuch. Die Klassen sind jedoch voll, „im Moment stehen aber viele auf der Warteliste.“ Gerade unter den afghanischen Flüchtlingen ist der Ehrgeiz groß, Deutsch zu lernen, um in der Fremde handlungsfähig zu sein. Ein bescheidenes sprachliches Grundgerüst bringen sich viele selbst bei. Wegen ihrer Nationalität sind sie chancenlos, vor ihrer Anerkennung als Asylanten einen vom Land bezahlten Integrationskurs zu erhalten.

Drei junge Afghanen zahlen derzeit mit Unterstützung des Arbeitskreises weiterführende Deutschkurse selbst. 40 Euro bringt jeder auf, 100 Euro schießt der Asylkreis zu. Wer den sogenannten A1- und A2-Kurs besucht hat und seine Sprachkenntnisse auf diese Weise verbessert, hat Chancen, eine Arbeit anzunehmen oder eine Ausbildung zu beginnen – auch ohne positiv beschiedenen Asylantrag.

Für junge Männer wie Waisuddin öffnen sich auf diese Weise Türen. Der junge Afghane träumt von einer Ausbildung zum Kfz-Mechantroniker und kann nach seinem A2-Kurs an einem wirtschaftlichen Integrationskurs in Weiterstadt teilnehmen, es folgen Bewerbungen um ein Jahrespraktikum in hiesigen Betrieben.

Für einen Start in der Zuflucht Deutschland ist die Sprache unerlässlich. „Blöd, wenn es am Geld scheitert“, bilanziert Ortgies. Der Asylkreis hofft auf Unterstützer. Manchmal scheitert der Besuch des Deutschkurses schon an einer Busfahrkarte. „Aktuell gibt es drei Menschen, die an einem kostenlosen Kurs in Darmstadt teilnehmen können, allerdings nicht die finanziellen Mittel haben, die kompletten Fahrtkosten dafür aufzubringen“, skizziert Schultheis das Problem.

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