Zum Glück nur Komparsen

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Wohin mit den vielen und großen Rettungsfahrzeugen? Die Abstellsituation vor dem Gebäude kann noch verbessert werden.

Groß-Zimmern - Viele Passant bleibt stehen und schauen erstaunt. Vor der „Seniorenresidenz Haus Elisabeth“ stehen zahlreiche Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr, DRK und der Johanniter Unfallhilfe. Von Ulrike Bernauer

Schnell stellt sich jedoch heraus, dass niemand wirklich in Gefahr ist, da es sich glücklicherweise nur um eine Übung handelt. Bei der Übung geht es hauptsächlich um Menschenrettung. Angenommenes Szenario ist ein Zimmerbrand in einer der Senioren-Wohnungen. Die Aufgabe der Feuerwehr besteht darin, den betroffenen Bereich schnellstmöglich zu räumen und acht gefährdete „Bewohner“ zu retten. Dass sich das in einem Seniorenwohnheim nicht einfach gestaltet, ist klar. Viele Bewohner sind nicht mehr mobil und können sich nicht selbst in Sicherheit bringen.

Diesmal dürfen die Senioren nicht selber mitspielen. Als eine Übung im Altenheim der Gersprenz stattfand, wurden „echte“ Senioren gerettet – eine große Abwechslung zu ihrem sonstigen Alltag, wie sich der Klein-Zimmerner Feuerwehrmann Bernd Sachs erinnert, der heute in der Übungsleitung tätig ist. Das Haus Elisabeth ist noch nicht voll belegt, deshalb findet die Übung in einem Trakt im zweiten Stock statt, der bisher noch unbewohnt ist.

Aber erst einmal müssen sich die Feuerwehrleute mit den Räumlichkeiten vertraut machen. Die Feuerwehrleitung hatte das Haus schon im Vorfeld besichtigt, aber ein Großteil der Einsatzkräfte kennt das Gebäude noch nicht. Aufgrund der vielen Auflagen des vorbeugenden Brandschutzes ist es in der Regel auch nicht notwendig, ein ganzes Gebäude zu räumen. Die einzelnen Trakte sind durch Brandschutztüren voneinander getrennt, also wird bei einem „normalen“ Zimmerbrand nur dort geräumt, wo das Schadensereignis stattfindet. Überall im Haus sind Rauchmelder angebracht und das Aufstellen von Kerzen ist nicht erlaubt , nicht einmal im Adventskranz. Für die Feuerwehrleute geht es im Wesentlichen darum, die Personen aus dem stark verqualmten Trakt zu retten.

Mark Czerny hat den Komparsen vorher entsprechende Anweisungen gegeben, so tritt Anne Thill, ehrenamtliche Mitarbeiterin des DRK, als demente Bewohnerin auf, die sich zwar auf ihren Beinen fortbewegen kann aber orientierungslos ist. Maximilian Wolfenstedter von der Jugendfeuerwehr hingegen verwandelt sich für die Übung in einen älteren Rollstuhlfahrer. Die eigentlichen Bewohner der Seniorenresidenz bekommen – bis auf die vielen Feuerwehrfahrzeuge vor dem Haus – vom Geschehen nichts mit. Brigitte Hebeisen wohnt seit Anfang Februar hier und steht auf dem Balkon. Wenn ihr Sohn sie nicht darauf aufmerksam gemacht hätte, hätte sie gar nicht mit bekommen, dass sich etwas Außergewöhnliches abspielt. Jetzt staunt sie über die vielen Fahrzeuge. Siegfried Kober hingegen findet alles dramatisch und sagt „es ist endlich mal was los“. Er hätte sich am liebsten auch mal selber retten lassen.

Im Treppenhaus in der „Seniorenresidenz Haus Elisabeth“ wimmelt es nur so von Einsatzkräften.

Aber der Flur des betreffenden Traktes bleibt abgesperrt, die Menschenrettung erfolgt über ein Treppenhaus, das im Erdgeschoß direkt ins Freie führt. Gemeindebrandinspektor James Bennett ist mit dem Ergebnis der Übung sehr zufrieden. Der Einsatzplan, der schon im Vorfeld aufgestellt worden war, hat sich ganz offensichtlich bewährt. „Wir werden nur noch einige Kleinigkeiten ändern“, sagt Bennett, „zum Beispiel, den Ort, an dem die Fahrzeuge stehen sollen, damit sich der Einsatzleiter im Ernstfall um solche Kleinigkeiten nicht mehr kümmern muss.“ Solche ausgefeilten Einsatzpläne gibt es nur für zwei Objekte in Groß-Zimmern. Das ist einerseits das Seniorenheim der Gersprenz, das die Feuerwehr schon gut kennt. Insgesamt wurden dort schon vier Übungen abgehalten. Nun ist noch das Haus Elisabeth hinzu gekommen, das bei der Feuerwehr seit Donnerstagabend nun auch viel besser bekannt ist. Auch Maria Oemisch, Pflegedienstleiterin des Hauses, die sich die Übung genau angeschaut hat, ist sehr zufrieden. „Es ist doch schön zu wissen, dass im Ernstfall alles klappen wird.“

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