Neue Flüchtlingsunterkunft an der Angelgartenstraße

Einzug in den nächsten Wochen möglich

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Besichtigungstermin in der neuen Flüchtlingsunterkunft an der Angelgartenstraße.

Groß-Zimmern - Die Arbeiter packen ihr Werkzeug weg, in einem Kessel schwimmen Würstchen, in zwei großen Kühlschränken sind Getränke gelagert. Die Küchengeräte stehen im Gemeinschaftsbereich einer Wohneinheit der neuen Flüchtlingsunterkunft an der Angelgartenstraße. Von Klaus Holdefehr 

Die Investoren Willi und Katja Hartmann haben zum Richtfest und zum Tag der offenen Tür in eingeladen. Mit großen Holzmodulen wurde das Gebäude in rund zwei Monaten auf einem etwa 1000 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Schulen und „Blöcks“ errichtet – ein Standort, der umstritten war. Manche der Nachbarn im verdichteten Wohnviertel fürchteten sich vor einem neuen sozialen Brennpunkt, anderen missfiel die Nähe der Unterkunft zum Schulweg ihrer Kinder. Von den Beschwerdeführern lässt sich an diesem Donnerstagnachmittag, zunächst jedenfalls, niemand blicken.

Mittlerweile sei es ruhiger geworden, meint Bürgermeister Achim Grimm (CDU), der zu den ersten Besuchern gehört. Auch andere christdemokratische Kommunalpolitiker sind vor Ort: der 1. Beigeordnete Friedrich Faust sowie die Gemeindevertreter Hans Wichmann und Astrid Geiß. Auch Repräsentanten der Flüchtlingsarbeit schauen vorbei: Frank Wiedenmann, der für das St. Josephshaus die Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen koordiniert, und seine Gattin Franziska, die im örtlichen Asylkreis mitarbeitet.

Später kommen noch Mitarbeiter des nahen Jugendzentrums hinzu. Zwei, drei Flüchtlinge nehmen die neuen Räume ebenfalls in Augenschein, und daraus entwickelt sich ein Dialog, an dessen Ende das Verdikt der Investoren und die Ansage der Flüchtlings-Koordinatorin Sandra Bruckmann steht: Umziehen in die neue Unterkunft, die natürlich noch keine Gebrauchsspuren zeigt, ist nicht.

Das zweigeschossige Gebäude hat sechs Wohneinheiten mit jeweils neun Plätzen, maximal zwei Betten pro Zimmer, nach Geschlechtern getrennte Sanitärbereiche mit einem einfachen Bodeneinlauf für die Dusche, einen Gemeinschaftsraum mit angegliederter Kochgelegenheit. In jedem Zimmer gibt es zudem einen Kleiderschrank, einen Tisch, zwei Stühle. Insgesamt hat das alles etwa den Charme einer Jugendherberge.

Doch fällt auch scheinbarer Luxus ins Auge: In jedem Zimmer gibt es einen Flachbild-Fernseher, in den das Astra-Senderspektrum eingespeist wird. „Die Dinger gehen ja faktisch nicht mehr kaputt“, sagt Willi Hartman. „Und wir wollen damit verhindern, dass unsere Bewohner eigene Elektrogeräte einbringen, mit denen wir immer wieder Probleme haben.“ Mit seinem Flüchtlingsheim an der Bahnstraße hat er solche Erfahrungen sammeln müssen. An eine Wlan-Versorgung denkt er nicht, „da sind mir die Haftungsrisiken zu hoch, aber die Anschlüsse sind vorhanden. Der Landkreis will auch nicht, aber das kann ja die Freifunk-Initiative machen.“ Die Anschlüsse sind auch deshalb da, weil in das Gebäude ein Büro für Koordinatorin Bruckmann integriert worden ist.

Hartmann gibt seine Investitionskosten für den Bau von 750 Quadratmetern Wohnfläche auf einem rund 1 000 Quadratmeter großen Grundstück mit 1,2 Millionen Euro an. Unten hängen Pläne an der Wand. Mit ihnen zeigt Architekt Thomas Hacker, wie aus den Wohnbereichen später einmal Sozialwohnungen werden können. Er hat das gleich mitgeplant, und so können manche Wände herausgenommen oder versetzt werden. Damit liegt der Bau an der Angelgartenstraße voll im Trend: weg von den Container-Blechschachteln, die nach ein paar Jahren Nutzungsdauer nur noch Altmetall-Wert haben, hin zu solideren Gebäuden, die später auch anders genutzt werden können.

Hartmann hat mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg einen Zehnjahresvertrag, Danach soll das Gebäude durch die Gemeinde übernommen werden, zum Zeitwert, der durch einen Gutachter bestimmt wird. Mit den von Hacker vorgeplanten Umbauten werden dann neun Sozialwohnungen entstehen, mit Größen zwischen 38 und 105 Quadratmetern.

Vorerst beschäftigt aber eine andere Frage die Besucher: Wann werden die ersten Flüchtlinge einziehen? Von Kreispresssprecherin Annika Schmid gibt es nur vage Auskünfte, was daran liegt, dass der Kreis nicht mehr mit Quoten für seine Kommunen rechnet und darauf verweist, dass derzeit ausreichend Wohnraum zur Verfügung steht. Als Beispielgröße könnte Hartmanns Erfahrung mit seinem Zwillingsbau in Ober-Klingen gelten, der vor knapp vier Wochen fertig geworden ist: „Dort haben wir inzwischen rund 40 Bewohner“, sagt der Investor, der vermutet, dass es in Groß-Zimmern ähnlich schnell gehen wird.

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