Ausrutscher auf Glatteis

Elferrat der katholischen Pfarrfastnacht ohne Präsident Faust

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Elferrat in ungewohnter Besetzung: Auf der Bühne und im Publikum stimmte die Stimmung.

Groß-Zimmern - Der Elferrat bot bei der Pfarrfastnacht am Samstag ein ungewohntes Bild. Statt Sitzungspräsident Friedrich Faust saß diesmal auf dem Podium in der Mehrzweckhalle Rosemarie Busch-Maiwald in der Mitte. Sie lieferte gleich die Erklärung. Von Ulrike Bernauer 

Faust habe sich am Morgen bei Glatteis - kein Scherz - eine Rippe gebrochen, so sei sie eingesprungen. Da die kommissarische Präsidentin als Chefin der Frauenfastnacht viel Erfahrung hat, führte sie gekonnt durch die erste Hälfte der Sitzung. Ein abwechslungsreiches Programm aus Tanz, Gesang und natürlich Büttenreden hatte Busch-Maiwald anzubieten. Bewährtes und Bekanntes durfte das närrische Volk erfreuen. Politisch wurde es mit den „Pfeifen“, mit bürgerlichen Namen Michael Gorsboth und Gregor Beckmann. Die beiden größten Parteien CDU und SPD nahmen sie gleichermaßen aufs Korn. Die CDU titulierten sie als „Club der Uralten“, die den Senioren Rollatoren mit Navi anpriesen. Beim liebsten Ausflug zeigte das Gerät dann bei der Ankunft auf dem Friedhof an: „Sie haben ihr Ziel erreicht.“ Gleichzeitig sei die CDU ein schwarzes Loch, denn wer habe in Zimmern jemals wieder etwas von der SPD nach dem Ausscheiden von Dieter Emig als Bürgermeister gehört.

Hinnerk und Andrej, mit bürgerlichem Namen Dr. Heinz-Joachim Schaffrath und Andreas Rinkowski, outeten sich als Eingeplackte, die sich Zimmerner Themen vornahmen. Eins haben die beiden Zugezogenen schnell gelernt, dass man Dieburg in Zimmern gern durch den Kakao zieht. Sitzungspräsidentin Busch-Maiwald pries die beiden folgerichtig als „gelungenes Beispiel für Integration“.

Marsilia Scharna erinnerte an die 70er Jahre und sprach von der wilden Behaarung an Körper und Haupt, die es mitunter schwer machte, zwischen Männlein und Weiblein zu unterscheiden. Im Gedächtnis geblieben war ihr aber Dieter Thomas Heck mit „Licht aus, Spot an“, was zu entzückten Reaktionen im Publikum führte. Zum Schluss stellte sie fest, dass „das Leben in der Gegenwart mitunter auch ganz schön ist“. Die Zwillinge Sandra und Tanja Ihring hingegen wollten etwas gegen ihre überschüssigen Pfunde tun, konnten sich aber nicht auf eine Sportart einigen. Die Knoblauchdiät mache sehr einsam, ins Fitnessstudio begebe man sich lieber mit dem Auto. „Warum laufen, ich habe doch vier gesunde Reifen?“. Letztlich stellten sie fest, dass sie eigentlich nicht zu dick sind, bei Hitze dehnten sich Körper eben aus und sie seien eben einfach nur heiß. „Mit tschüss Winterspeck, willkommen Frühlingsrolle“, verabschiedeten sie sich vom Publikum.

Bilder: Pfarrfastnacht in Groß-Zimmern

Ein Höhepunkt waren die drei Tenöre „Hasi“, alias Dirk Heimburger, Sascha Löffler und Bürgermeister Achim Grimm. Besonders bei dem Frank-Sinatra-Song „I did it my way“, schmolzen die Herzen der Zuhörer dahin. Statt des Feuerzeugs zückten etliche ihr Handy mit der Taschenlampenfunktion.

Den Tanzreigen eröffnete die kleine Garde, die sich auf der Bühne bewegte, als hätte sie nie etwas anderes getan. Die Zuschauer waren sich mit der Sitzungspräsidentin einig, als sie sagte, „an diesen Mädels werden wir noch viele Jahre Freude haben.“ Perfektion zeigten die älteren Mädels, die von Elfriede Burger trainiert wurden, auch sie begeisterten das Publikum.

Eine besonders rasante Show boten die Turner, die mit tollen Sprüngen und Akrobatik das Publikum zu langanhaltendem Applaus hinrissen. Den gab es auch für die Elfchen, die diesmal als flotte Franzosen in Erscheinung traten. Erstmal mussten sie sich zum Lied „Bruder Jakob“, den Schlaf aus den Augen wischen, dann bewegten sie sich lasziv zu „Je t’aime.“ Den Verführungskünsten konnte so manche Dame kaum widerstehen und so waren die Zuschauerinnen froh, sich in der Pause ein wenig abkühlen zu können.

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