Fantastische Geschichten begeistern das Publikum

Am Ende tanzen alle mit den Sängern

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(K)ein schönes Märchen: Dornröschen (Vanessa Braun) will sich absolut nicht aus dem Schlaf reißen lassen.

Groß-Zimmern - Der Saal tobt beim Auftritt von Chorus Line, als Tobias Poth ins Publikum springt und danach seine Angebetete mit perfektem Schwung ebenfalls nach unten schweben lässt. Von Ulrike Bernauer 

Viele freuen sich am Freitagabend über das Happyend, das vorher auf der Bühne in der Mehrzweckhalle nach gut zwei Stunden Musik und Tanz zu erleben war. Wurde schon während des Musicals „Alles nur (k)ein Märchen“ viel auf der Bühne getanzt, so gelingt das Unglaubliche: Im Publikum lassen sich viele vom Tanzfieber anstecken, nachdem sich die Sänger zum Schluss tanzend unters Volk mischen.

Der Inhalt der Geschichte ist schnell erzählt: junger Mann (dargestellt von Tobias Poth) als Adoptierter zum Prinz Ferdinand in den Adelsstand aufgestiegen, sucht Frau. Das Unternehmen gestaltet sich eher wie eine Fahndung, weshalb ihm auch ein detektivischer Freund, Higgins (dargestellt von Ulrich Braun) zur Seite steht.

Auf der Suche nach der Frau fürs Leben kommen die beiden in alle möglichen und unmöglichen Situationen und laufen vielen femininen Märchenfiguren über den Weg. Da führt Schneewittchen (Alias Maria Campitelli) mit den sieben Zwergen ein eher promiskes Lotterleben, scheidet also für den Prinzen aus. Begeistert ist er anfänglich von Dornröschen (Vanessa Braun), die er wach küsst und die ganz nach seinem Herzen ist. „Die könnt" mir schon gefallen“, sagt er wehmütig, als die Dame ihm in den Armen beim Tanzen einschläft. „Aber die schläft mir ja mein Leben kaputt.“

Präsentiert wird das Ganze, wie es sich für einen Chor und ein Musical gehört, mit viel Musik und Tanz. Die Geschichte geht auf das Konto des Chores, der die Ideen beisteuerte. Zusammengestrickt und mit Texten versehen hat dies dann Chorleiter Detlev Bergmann. Mit vielen Anspielungen wird auf der Bühne gearbeitet, so ist so manche Märchenfigur erst auf den zweiten Blick erkennbar.

Dornröschen im Dirndl

Dornröschen steckt im Dirndl und ist nicht gleich als Prinzessin auszumachen. Freiheiten in den Interpretationen der Märchen haben sich sowohl Chorleiter Bergmann als auch die Chormitglieder genommen. So tanzt Dornröschen mit dem Prinzen nicht auf dem Schloss, sondern in der Disco. Viel Raum bietet das Stück auch für Soli und Duette. Nicht nur die schon mehr oder weniger bekannten Sänger dürfen glänzen, auch relativ neue Mitglieder des Chores steigen solistisch auf die Bühne. Einen Sänger hat das Publikum wohl vermisst. „Hasi“ kam diesmal nicht zum Einsatz. Mit 40 Grad Fieber lag der Tenor zu Hause im Bett.

Super vertreten wurde er von Martin Enke, der auch zusammen mit Dagmar Seipel-Baumgärnter beim Song „Time Warp“ glänzte. Der fiel ein wenig aus dem Rahmen, stammt er doch aus der „Rocky Horror Picture Show“ und nicht aus einem Märchen. Das Publikum war begeistert von den Brüchen und Überraschungen in der Geschichte, gab es nun doch neben dem eher klassisch gekleideten Rotkäppchen auch Leder und Strapse zu sehen, wie sie in der „Rocky Horror Picture Show“ reichlich vorkommen. Die Kostümschneider hatten auch bei diesem Musical im Vorfeld wieder viel zu tun, wachsen aber offensichtlich mit den Herausforderungen.

Eine notwendige Grundlage bildeten die Dialoge von Poth und Braun. Wie ein Roter Faden durchs Stück erklärten sie nicht nur, wo der Prinz als nächstes auf Partnersuche gehen würde. Sie boten auch dem Chor und den Tänzern (oft in Personalunion) die erforderliche Zeit, aus dem einen Kostüm ins nächste zu schlüpfen.

Die Zuschauer wurden nicht enttäuscht. Besonders die treuen Fans hatten neben dem hervorragenden Gesang auch auf ein Fest für die Augen gehofft. Und auch das wurde ihnen wieder einmal beschert. Neben den Kostümen überzeugten hervorragende Hintergrundbilder, die auf die Leinwand projiziert wurden. Vom Märchenwald bis zum Rummelplatz passten sie jeweils glänzend zur Gesungenen und getanzten Geschichte. Auch musikalisch hatten Chor und Bergmann frei gewählt. Nicht nur reine Musical-Stücke kamen zum Einsatz, sondern ebenso aktuelle Lieder. So hatte auch Helene Fischer Pate gestanden, „Atemlos“ sang Rebecca Braun. Auch wenn es die Besucher am Ende von den Stühlen riss, eine Zugabe gab es trotzdem nicht. Wie auch? Schließlich feierte der Prinz mit seiner Frau fürs Leben tanzend mitten im Publikum, das begeistert mitfeierte.

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