Tempo 30 in der Nacht

Entlastung ab Ende nächster Woche

+
Atemlos durch die Nacht ... das geht demnächst in Groß-Zimmern nicht mehr, denn bald gilt von 22 bis 6 Uhr fast überall in der Ortsdurchfahrt Tempo 30. Ruhigere Nächte verspricht die zweite Stufe des regionalen „Lärmaktionsplans“ den Anwohnern.

Groß-Zimmern - Vermutlich bis zum Ende der kommenden Woche wird Groß-Umstadts Straßenmeisterei die nicht weniger als 23 Schilder aufgestellt haben, um die Verkehrsteilnehmer darüber zu informieren, dass dann in weiten Teilen der Ortsdurchfahrt (L 3114) zwischen 22 und 6 Uhr maximal Tempo 30 gefahren werden darf. Von Klaus Holdefehr 

Die mit vielen Behörden abgestimmte Maßnahme soll die derzeitige Lärmbelastung der Anwohner verringern. Im gerade veröffentlichten Teil des vom Regierungspräsidium Darmstadt herausgegebenen Lärmaktionsplans, in dem es ausschließlich um die Reduzierung von Belastungen durch den motorisierten Straßenverkehr geht, ist das Problem aufgelistet. Es wird festgestellt, dass die L 3114 einen Lärmkonflikt darstellt, und es folgen Messwerte, die sich aus einer schalltechnischen Untersuchung von Hessen Mobil ergeben. Dabei wird nicht nur gemessen, sondern vor allem (hoch-) gerechnet – ein Verfahren, das bei der B 26 zu Diskussionen führt, da Geschwindigkeiten über 130 Stundenkilometer nicht erfasst werden.

In der Darstellung des Regierungspräsidiums wird für die Ortsdurchfahrt von Zimmern, die in 24 Stunden von mehr als 18.000 Fahrzeugen passiert wird, mit einem Tagesmittel-Grenzwert von 65 dB (A) gerechnet, für die Nacht, also von 22 bis 6 Uhr, gelten gar nur 55 dB (A). Demnach sind im Tagesmittel 113 Anwohner durch eine Überschreitung von bis zu 70 dB (A) betroffen, bei 55 reicht der Lärm gar bis 75 dB (A). Von 22 bis 6 Uhr übersteigt die Belastung den Grenzwert von 55 dB (A) bei 115 Anwohnern um bis zu 5 dB (A), bei 55 um bis zu 10 dB (A). Aus diesen Werten ergeben sich für die Zeit von 6 bis 22 Uhr keine Maßnahmen zur Geschwindigkeits-Reduzierung, da auch die „Leichtigkeit“ des Verkehrs ein abzuwägendes Gut darstellt.

In der Nacht hingegen verschieben sich die Werte, Lärmschutz erhält ein höheres Gewicht für die Zeit, in der die meisten Menschen Ruhe für einen erholsamen Schlaf brauchen. Es gibt passive Schutzmaßnahmen, die unter Umständen bezuschusst werden. Hessen Mobil geht von rund 170 Anspruchs-Berechtigten aus, 50 Fälle seien seit 1983 abgewickelt worden. Bei den verbleibenden sei zu prüfen, ob sie vor einem bestimmten Stichtag (1. April 1974) entstanden sind und/oder gewerblich genutzt werden.

Die Landesbehörde geht davon aus, dass durch eine solche Prüfung der Kreis der Anspruchsberechtigten sinken wird. Für die Nachtzeit ist zusätzlich eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Stundenkilometer erwogen worden. Sie würde – so hat es Hessen Mobil ausgerechnet– die Lärmbelastung um 2,5 dB (A) reduzieren, was nicht viel erscheint, aber doch ist, wenn man berücksichtigt, dass ein Anstieg des Pegels um nur 3 dB (A) eine Verdoppelung des Schalldrucks bedeutet.

Für die Gemeinde Groß-Zimmern hat sich aus diesen Fakten ein Ermessens-Spielraum eröffnet, von dem Bürgermeister Achim Grimm als personifizierte Ortsverkehrsbehörde in Abstimmung mit der Straßenverkehrsbehörde beim Landkreis Darmstadt-Dieburg, dem Polizeipräsidium Südhessen und Hessen Mobil nun auch Gebrauch gemacht hat.

Für die Aufstellung der Schilder an einer Landesstraße ist Hessen Mobil der Baulastträger, die Ausführung wird die Straßenmeisterei Groß-Umstadt übernehmen. „Es bedurfte zunächst einmal einer Standortplanung“, erklärte Hessen-Mobil-Sprecher Jochen Vogel auf Nachfrage, „und dann mussten die Schilder bestellt werden, was insbesondere für den Zusatz mit den Uhrzeiten ein wenig gedauert hat.“

In der kommenden Woche werde die Straßenmeisterei aber mit den Arbeiten beginnen. Die Beschränkung gilt für den gesamten südlichen Teil der Ortsdurchfahrt. Ab der Sparkasse gilt für die Wilhelm-Leuschner- und einen Teil der Bertha-von Suttner-Straße ohnehin Tag und Nacht Tempo 30. Die nächtliche Beschränkung wird dann nach Norden fortgeführt bis zur Einmündung der Weberstraße. Im restlichen Abschnitt bis zur nördlichen Ortsgrenze liegt die ermittelte Lärmbelastung unter den Grenzwerten.

Kommentare