Kerbpuppe verbrannt

Feuriger Abschied von Waltraud

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Furioses Finale: Während Kerbbobbe Waltraud am Galgen verglühte, feierten Kerbfans den Ausklang des Volksfestes mit einem stimmungsvollen Klangfeuerwerk. 

Groß-Zimmern - Dramatisches Finale eines großen Festes: Am Dienstagabend ging die Zimm’ner Kerb 2015 zu Ende. Tränenreich. Aber auch effektvoll. Kerbpuppe. Von Ursula Friedrich 

Waltraud wurde am Anglerheim aufgeknüpft und den Flammen preis gegeben - ein Ritual, dessen Tragik selbst gestandene Kerbborschte Jahr um Jahr zu Tränen rührt. Vom Roten Platz bis zum Anglerheim gaben die 21 Kerbborschte des blau-weißen Jahrgangs 1995/96 ihrem Kerbmaskottchen das letzte Geleit. Die Verbrennung der Kerbbobbe ist eine symbolische Geste, die den Zapfenstreich ankündigt. Ein Brauch zum Ende des Feierreigens, dem die Kerb Dixie Stompers auch diesmal den musikalischen Rahmen verliehen. Trauerhymnen, ernste Mienen, Fackelschein, die Zutaten für einen rührenden Abschied hätten nicht gelungener sein können. Mehrere hundert Kerbbesucher erwarteten die Trauergemeinde am Anglerheim.

Im Rampenlicht baumelte Waltraud schließlich mit starrer Miene vom Galgen, als Kerbpfarrer Jonas Spross zur Trauerrede anhob. „Des Wunner der Kerb häwwe mer disch genennt - und nun wirste verbrennt“, ein lauter Schnäuzer ins Taschentuch unterbrach die bühnenreife Abschiedsrede an die Kerb 2015. Wer den Brauch des doppelten Todesurteils vom Aufknüpfen mit anschließender Verbrennung einst ersonnen hat, blieb ungeklärt. Doch verfehlt die zweifache Hinrichtung ihre Dramatik nicht.

Das letzte Geleit: Kerbbobbe Waltraud wurde von ihren Kerbborschte zum Scheiterhaufen gebracht.

Selbst Thomas Beutel, der diesen Moment zunächst als Kerbborscht, später als Vorsitzender des Kerbvereins so oft erleben musste, rang angesichts dieser Tragik tief bewegt um Worte. „Nun steigt dei Seele zum Himmel enauf, des is de Kerb ihr ewischer Lauf“, schloss Kerbpfarrer Jonas weise. Ein farbenprächtiges Feuerwerk geleitete Waltrauds Seele ins Himmelreich, untermalt von stimmungsvollen Klängen.

Bilder zum Abschluss der Kerb

„Nach der Kerb ist vor der Kerb“, tröstete Beutel mit Hinblick auf 2016. Für dieses Fest steht die neue Kerbborschtegeneration bereits in den Startlöchern. Für rund zwanzig grün-weiße Zaungäste der Kerbverbrennung rückt ihre Kerb mit jedem Tag ein kleines Stückchen näher. Als glühender Klumpen baumelte Kerbbobbe Waltraud noch einige Minuten vom Galgen, um letzlich völlig im Flammenmeer zu versinken. Es war das finale Zeichen für alle Fans der Zimm’ner Kerb, schleunigst auf den Rathausplatz zurückzukehren, um hier die letzten Stunden des größten Heimatfests in vollen Zügen zu genießen.

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