Helferinnen testen Männerhobby und feiern anschließend an den Teichen

Frauenangeln ganz ohne Flirts

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Angebissen: Olga Reinhard hat einen Fisch gefangen. Ihr Gatte Michael befreit ihn vom Haken, bevor er in die Reuse kommt.

Groß-Zimmern - Nein, unter dem Begriff Frauenangeln sollte man sich nicht eine Anleitung zum Flirten vorstellen. Dass das Hobby bisher beim weiblichen Geschlecht nicht sehr gefragt ist, wollen die Aktiven des Anglervereins damit ändern. Von Ulrike Bernauer 

So richtig konnte sich Helga Held noch nicht mit dem Angeln anfreunden. Sie war am Samstag zum ersten Mal dabei, mit viel Unterstützung ihres Enkels Cedric Bach. Der hatte ihr nicht nur die Angel eingerichtet und aufgestellt, er beriet sie auch beim Auswerfen. Als sie ein Rotauge am Haken hatte, übernahm er es auch, den Fisch behutsam vom Haken zu lösen. Cedric ist Mitglied im Anglerverein, er durfte am Samstag seine Fliegen oder Würmer nicht selber ins Wasser halten. Beim Frauenangeln dürfen die Herren nur unterstützend tätig werden.

Ein Rotauge hat Helga Held geangelt. Enkel Cedric Bach hilft ihr.

Sechs Damen waren gekommen, um auszuprobieren, wovon ihre Männer, Söhne, Enkel oder Väter schwärmen. Simone Gaab war zum dritten Mal dabei. „Beim ersten Mal war ich auf dem ersten Platz mit einer großen Brasse. Das zweite Mal war ich Zweite. Ich hoffe, dass das mit dem absteigenden Ast nicht so weiter geht“, sagte sie lachend. Wichtiger als das Fische fangen war ihr allerdings später der gesellschaftliche Teil. Die Frauen hatten von 17 bis 19 Uhr Zeit für das Wettangeln, danach fand das Helferfest für all die statt, die beim Fischerfest eifrig geschuftet hatten. Auch für Gaab hatte ihr Ehemann Rolf den Platz eingerichtet. „Ich werfe nur die Angel aus und hole sie wieder ein, wenn ich sehe, dass der Schwimmer sich bewegt. Den muss man aber aufmerksam beobachten“, sagte sie. Ihr Mann beschäftigte sich derweil mit Tochter Vivien (7), die auch zum ersten Mal alleine angeln durfte. Die Fische, die die Frauen fingen, wurden allerdings nicht verspeist, sondern in den Teich zurückgesetzt.

Held hatte schon früh eine zweite Rotfeder geangelt, die ihr Enkel von Haken löste. „Ich muss jetzt hier in der Sonne sitzen bleiben und der Dinge harren, die da kommen“, fasste die Oma die Lage zusammen. Ihre ganze Familie, der Mann, der Sohn, die Schwiegertochter und der Enkel angeln regelmäßig.

Aber ihr Hobby wird das wohl nicht werden. „Mir sind die Kois und der Stör in unserem Teich lieber. Ein Stör ist so zahm, der frisst mir sogar aus der Hand.“ Olga Reinhard hatte sich mit der Angel schon etwas mehr angefreundet. In der ersten halben Stunde hatte sie den größten Fisch aus dem Teich geholt. Fünf Rotaugen schwammen schon in dem Netz. Ihr Mann zählte inzwischen auf, welche Fischarten sich in dem Teich tummeln. Neben Rotaugen schwimmen Karpfen, Aale, Barsche und Brassen in den beiden Gewässern. Hinzu kommen im kleinen Teich noch der Zander, im großen Hechte. „Die sind das Umweltamt. Sie fressen die kranken Tiere“, erklärte Michael Reinhard.

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