Frauenfrühstück

Familie haben alle, nicht nur beim Frühstück

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Geselliges und informatives Treffen für Frauen aller Konfessionen im evangelischen Gemeindehaus feiert 15-jähriges Bestehen Mit Sekt und Orangensaft wird auf 15 Jahre Frauenfrühstück angestoßen.

Groß-Zimmern - „Wie schnell sind 15 Jahre vergangen“, staunen Cordula Habenicht und Heidrun Fornoff, die beiden Initiatorinnen des Frauenfrühstücks. Sie haben das Treffen nicht nur vor anderthalb Jahrzehnten gegründet, sondern über die ganze Zeit mit Leben gefüllt. Von Ulrike Bernauer 

Am Samstagvormittag stoßen sie mit zahlreichen Frauen an, schließlich soll der Geburtstag auch entsprechend gefeiert werden. Gekommen sind die Besucherinnen, die auch sonst immer kommen, allerdings dem Anlass entsprechend auch ein paar Frauen mehr. Der Sekt verbreitet eine feierliche Atmosphäre aber ansonsten folgt der Vormittag für die Frauen nach dem üblichen Ablauf. Nach der Begrüßungsrunde, dem Sekt und einem gemeinsamen Lied wird zunächst gefrühstückt. Danach spricht Referentin Andrea Alt, die neue Bildungsreferentin des Dekanats Vorderer Odenwald. Sie hat sich das Thema „Familie haben alle“ ausgewählt. „Wir leben alle in familiären Bezügen, auch wenn wir selbst keine Kinder oder Ehepartner haben“, hebt sie gleich zu Anfang hervor und setzt sich dann theologisch mit der Diskussion auseinander, die in der evangelischen Kirche geführt wurde, nachdem dort im vergangenen Jahr der Familienbegriff verändert wurde. Die allgemeinen Erkenntnisse erläutert sie am Beispiel vom Landkreis und Groß-Zimmern: so leben im Landkreis 34,1 Prozent Singles, in Groß-Zimmern 31,9 Prozent. Dem gegenüber stehen in Zimmern 35,4 Prozent Mehrpersonenhaushalte mit Kindern.

Zwei Wege gebe es, um mit den veränderten Lebenssituationen umzugehen. Dazu gehöre, die alten Vorstellungen Ehe und Familie zu bewahren oder „die alten Begriffe angesichts der veränderten Verhältnisse neu vor dem Hintergrund der Tradition zu interpretieren.“ Veränderte Bilder mit denen die Anerkennung verschiedener Lebensformen einhergeht, würden es erlauben, die Strukturen an die Bedarfe dieser Menschen anzupassen. „Idealbilder der bürgerlichen Ehenorm schließen hingegen alle aus, die diesem nicht genügen.“ Mit dem Thema Familie setzen sich auch viele Sprüche auseinander, die ausgedruckt auf den Tischen liegen und die ganz verschiedene Menschen geäußert haben. So sagte Jean-Jaques Rousseau: „Der Reiz des Familienlebens ist das beste Gegengift gegen den Verfall der Sitten.“ Ganz anders sieht das Jack Nicholson: „Die ganze Familienideologie ist ein regressives Konzept. Die großen Werke der Weltliteratur handeln nicht von Familienglück, sondern von Familienhorror.“

Von der evangelischen Kirche veranstaltet

Das nächste Frauenfrühstück ist erst im kommenden Jahr. Es findet am Samstag, 21. Februar, im katholischen Pfarrzentrum statt. Vorgestellt wird dann das Weltgebetsland Bahamas.

Das Frauenfrühstück wird zwar von der evangelischen Kirche veranstaltet, ist jedoch ökumenisch. Roswitha Stapp und Christel Seib sind katholisch und kommen regelmäßig. „Die Themen interessieren mich“, sagt Stapp. Sie schätzt auch, dass es beim Frühstück solch eine große Auswahl gibt, „das hat man zu Hause nicht.“ „Ich habe von so einem Frühstück immer etwas mitgenommen“, sagt Seib, die sich auch darüber freut, dass die Frauenökumene in Groß-Zimmern so gut läuft. Dafür sorgen beim Frauenfrühstück nicht nur die vielen unterschiedlichen Themen, die im Laufe der Jahre besprochen wurden, sondern auch die Vielzahl an Referenten, die zumeist weiblich waren.

Ausnahmen bestätigen die Regel, so sprach auch Werner Stoklossa schon vor den Frühstücksfrauen, aber auch Pfarrer Michael Fornoff oder Georg Blank aus der katholischen Gemeinde. Neben vielen Referentinnen, wie Andrea Alt, Pfarrerin Mechthild Werner, haben auch Heidrun Fornoff und Cordula Habenicht sich mit unterschiedlichen Themen auseinander gesetzt. Aufs Tapet kamen beispielsweise „Märchen und Bibel tiefer verstehen“, das Verhältnis zwischen Müttern und Töchtern unter dem Titel „Liebe, Wut und Schuldgefühle“ oder „Evangelisch - Katholisch, was eint, was trennt uns.“

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