Gemeinsamer Weg der Christen

Beginn einer Ära: Neue Amtszeit für Pfarrer Christian Rauch beginnt

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Gläubige aus ehemals zwei Gemeinden in einem Gotteshaus: Die Messe zur Fusion der katholischen Kirchengemeinden gestalten neben Generalvikar Dietmar Giebelmann (Mitte), der Klein-Zimmerner Pfarrer im Ruhestand Herbert Wendt (2. von links), Pfarrer Christian Rauch (rechts) und Diakon Martin Gölz (2. von rechts).

Groß-Zimmern - Die Zahl Sieben hat in der Bibel eine tragende Rolle. An sieben Tagen hat Gott die Welt erschaffen. Der katholische Glaube ruht auf den sieben Sakramenten und beinhaltet die sieben Werke der Barmherzigkeit. Von Ursula Friedrich

Sieben Jahre hat es gedauert, bis aus den beiden katholischen Pfarreien St. Bartholomäus eine Gemeinde wurde. In einem großen Festakt feierten Klein- und Groß-Zimmerner Christen am Sonntag die Fusion ihrer Kirchengemeinden. Bis zur mächtigen Eingangspforte des katholischen Gotteshauses drängten sich am Sonntag die Gläubigen, um Teil des Fusionsgottesdienstes zu werden. Generalvikar Dietmar Giebelmann war nach Groß-Zimmern gereist, um feierlich zu vollenden, was sieben Jahre währte. Er händigte Dekan Christian Rauch, der die Gemeinden seit sieben Jahren betreut, die Fusionsurkunde aus.

Das bedeutet gleichzeitig das Ende der Ära Rauch für die beiden Kirchengemeinden. „Ihre Amtszeit für die beiden Pfarrgemeinden erlischt hiermit“, sagte der Generalvikar schmunzelnd. Das sorgenvolle Gesicht des vermeintlich gemeindelosen Gegenübers hellte sich jedoch sogleich wieder auf: Pfarrer Christian Rauch erhielt eine Ernennungsurkunde, die ihn ab 1. Januar 2016 zum Geistlichen der neuen Pfarrgemeinde St. Bartholomäus macht. In der Praxis wird sich für die Christen dies- und jenseits der Gersprenz nicht viel ändern. Pfarrer Rauch hält die Gottesdienste wie gehabt in beiden Ortsteilen ab. Dass Klein-Zimmern mit 537 Katholiken angesichts des größeren Bevölkerungsanteils katholischer Bürger in Groß-Zimmern, nämlich 3801, um geistlichen Beistand fürchten muss, wäre eine unbegründete Sorge. Die Fusion ist primär eine Verschlankung des Verwaltungsapparates. Zum Beispiel gibt es statt der bislang zwei Tauf- oder

Traubücher nun jeweils nur eins, gleiches gilt für Beerdigungsbücher. Kurz: „Alle Dopplungen fallen weg“, sagte Pfarrer Rauch. Der neue Pfarrgemeinderat tagte erstmals am Dienstag, 1. Dezember, und wird sich den Belangen in beiden Ortsteilen annehmen. Dass auch menschlich fusioniert wird, zeigte sich beim anschließenden Fest im Gemeindezentrum: In der Küche bereiteten mehrere kochende Instanzen aus St. Bartholomäus miteinander ein schmackhaftes Essen für die Festgemeinde. „Christen sind immer auf dem Weg“, sagte Bürgermeister Achim Grimm, der in seinem Grußwort einen gemeinsamen Weg anregte. Der Fahrweg zwischen den Ortsteilen könnte zum St.-BartholomäusWeg werden, so Grimm, der dem Pfarrer als symbolische Geste einen Holzscheit überreichte. Ob Christian Rauch daraus einen Wegweiser schnitzen wird, das ist ungewiss. Gewiss jedoch ist, dass die Vereinfachung vieler Verwaltungsakte auch neue Freiräume im Aufgabenpensum schafft.

Das bietet auch Zeit, um die Einladung des evangelischen Kollegen Michael Fornoff anzunehmen. Der würde mit dem gesamten Pfarrgemeinderat auf den Turm der evangelischen Kirche steigen. „Hier, aus lichter Höhe, sieht man, wie nah wir einander sind“, sagte Pfarrer Fornoff. Er riet dazu, die Fusion der katholischen Pfarrgemeinden als Multiplikator zu verstehen und für intensivere Ökumene zu nutzen. So münde der gemeinsame Weg der Pfarrgemeinden St. Bartholomäus in einen gemeinsamen Weg aller Christen.

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