Geschädigter warnt vor Haustürgeschäften

Asphalt-Mafia auf den Leim gegangen

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Opfer der Teermafia: Nach halb getaner Arbeit im Hof eines Groß-Zimmerners hinterließen die Betrüger nur Löcher.

Groß-Zimmern - Geld weg, Hof ruiniert und Wut im Bauch: Das ist das Ergebnis eines vermeintlichen Schnäppchens, das sich im Nachhinein als miese Betrugsmasche herausstellte.

Opfer war ein Groß-Zimmerner Bürger am vergangenen Dienstag, der andere nun vor ähnlichen Erfahrung bewahren möchte. Was war passiert? Gegen drei Uhr am Nachmittag klingelt es. Ein Mann in Bauarbeiterkleidung steht vor der Tür und sagt mit englischem Akzent: „Wir arbeiten an der Baustelle von Georg und Otto Friedrich an der Waldstraße. Wir haben noch Asphalt übrig, der muss weg. Gegen einen guten Preis können wir ihnen damit die Einfahrt neu machen.“Sein höflich vorgebrachtes Angebot und die Nennung der ortsbekannten Firma erweckt Seriosität beim Angesprochenen, dass dort gebaut wird, entspricht der Wahrheit.

„Ich mache eigentlich keine Haustürgeschäfte. Man weiß ja, dass da oft was faul ist. Aber in dem Moment hat mich der Name Friedrich einfach überzeugt“, sagt der Besitzer des Hofes. Man einigt sich auf einen Preis von 35 Euro pro Quadratmeter, eine Rechnung mit Ausweisung der Mehrwertsteuer würde der Kunde im Nachhinein per Post selbstverständlich noch erhalten.

Zwanzig Minuten später kehrt der Mann mit zwei weiteren Bauarbeitern in orangen Warnwesten und einem Kippflächenlaster zurück. Der Lkw mit Rechtssteuerung und gelbem Autokennzeichen transportiert ein Bitumengefäß und einen Anhänger mit Walze. Die drei Männer kehren den Hof, decken Kanaldeckel ab und verteilen eine Schicht Bitumen über die Einfahrt, danach eine Schicht Feinsplitt.

So weit, so gut. Danach jedoch verlangen sie plötzlich die Bezahlung, komplett in bar, sofort. Zu zweit reden sie auf den Besitzer der Einfahrt ein, finden Gründe für ihre Forderung: Die Zahlungsmoral sei generell schlecht in ihrem Gewerbe, er müsse das verstehen – immer länger setzen sie ihn unter Druck, bis er schließlich zustimmt, ihnen die Hälfte direkt zu bezahlen. Als „Quittung“ schreiben sie ihren Firmennamen auf einen Zettel, dazu eine Adresse, eine Handynummer sowie den Betrag und setzen eine Unterschrift darunter. Die Anzahl der Quadratmeter halten sie dort ebenfalls fest – mehr, als der Hof eigentlich umfasst, wie sich später herausstellt.

„Ich habe die Angaben hinterher im Internet überprüft“, sagt der Groß-Zimmerner. Die Firma existiert nicht, an der angegebenen Adresse in Karlsruhe befindet sich kein Bauunternehmer, sondern ein Kindergarten. Die Handynummer hat er auf Anraten der Polizei gar nicht erst angerufen. Auch bei der Baustelle der Firma Georg und Otto Friedrich erkundigt er sich nach den Männern. Dort kennt man sie nicht, und Asphalt wird aktuell gar nicht gegossen. Nachdem sie ihr Geld erhalten haben, setzen die Männer ihre Arbeit kurzzeitig fort, eine zweite Schicht Bitumen muss noch verteilt werden. Dann fährt einer von ihnen mit dem Laster davon, angeblich, um neues Bitumen zu holen. Kurz danach verschwindet der zweite Arbeiter, der dritte wenig später, als der Hausbesitzer gerade ans Telefon gerufen wird. Es dauert keine zwei Stunden, und der Spuk ist vorbei.

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„In der Einfahrt habe ich jetzt eine Schicht Bitumen und Feinsplitt, den man mit den Füßen lostreten kann“, ärgert sich der Betrogene. Jedes Auto, das durch die Einfahrt fährt, wirbelt den Splitt auf, er bleibt an Schuhen kleben, zerkratzt den Hausboden. Dass er auf Betrüger hereingefallen ist, hat er durch die Internetrecherche schnell herausgefunden: Berichte über die Abzocke durch die „Asphalt-“ oder „Teer-Mafia“ findet man zuhauf, oft haben die Täter einen englischen Akzent und verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind. Das Opfer erstattet Anzeige bei der Polizei in Dieburg. „Dort war so ein Fall in der Region Südhessen noch nicht bekannt“, erzählt er.

Einen Lichtblick gibt es inzwischen: Die Überwachungskameras eines nahegelegenen Geschäfts haben die Männer bei ihrem Einkauf aufgezeichnet. Das Autokennzeichen des Ford Mondeo, mit dem sie unterwegs waren, ist deutlich zu erkennen. Diese Aufnahmen befinden sich inzwischen in den Händen der Polizei.

Dass er sein Geld jemals wiedersieht, glaubt der Groß-Zimmerner nicht. Bekannt machen will er den Fall aber trotzdem. Viele Betroffene schämen sich, dass sie auf den Trick hereingefallen sind, behalten den Vorfall für sich und erstatten keine Anzeige. „Diese Menschen bitte ich, sich bei der Polizei zu melden, damit die Masche bekannt wird. Wir müssen davor warnen, damit niemand darauf hereinfällt.“ J jug

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