Ohne Förderung keine Fortsetzung

„Flitze-Floh“ sagt „Tschüss“

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Christiane Götz und Carmen Heinz-Reinholz nehmen Abschied.

Groß-Zimmern - Nach fast neun Jahren steht das Aus für das Tagesmütterhaus seit dem Monatsanfang fest.

„Die Grundbedingungen sind in den letzten beiden Jahren einfach zu schlecht geworden“, sagt Christiane Götz, die mit ihrer Kollegin Carmen Heinz-Reinholz täglich von 8 bis 14 Uhr Kinder unter drei Jahren im eigens dafür gemieteten und ausgestatteten Haus betreut hat. Erst kam die volle Versteuerung der Einnahmen, dann die Übernahme der kompletten Sozialabgaben, die in der Vergangenheit hälftig vom Jugendamt in Darmstadt gefördert wurden. „Mit dem Betrag, den das Amt für die Kinderbetreuung vorsieht, nämlich 2,40 Euro pro Stunde, ist kein vernünftiges Essen mehr zur richten, Pampersberge können nicht entsorgt, geschweige denn Inventar- und Spielsachen repariert oder neu angeschafft werden“, so Götz, die das Tagesmütterhaus vor fast neun Jahren in Eigeninitiative gegründet hat.

In dem 90 Quadratmeter großen Haus mit ruhigem Schlafraum, Bad für Kleinstkinder und großem, kreativ angelegtem Außengelände, wurden in den vergangenen Jahren täglich acht Kinder, von zwei Tagesmüttern und einer pädagogischen Aushilfskraft gefördert, betreut und versorgt. Von der gesetzlichen Gleichstellung zu ähnlichen Einrichtungen haben die Frauen in den vergangenen Jahren nicht viel gemerkt. „Wir müssen einiges an Fortbildungsstunden nachweisen, Unmengen an Statistikbögen und Antragspapieren ausfüllen, um zweimal im Jahr Zuschüsse beantragen zu können, ohne die sich die angemieteten Räume nicht halten lassen“, so Heinz-Reinholz, die nach der Schließung in ihren privaten Räumen weiter Kinder betreuen wird. Auf den zahlreichen Versammlungen der Gemeinde waren die Tagesmütter mit Vorschlägen und Ideen zur „U3-Kinderbetreuung“ vertreten.

Im Tagesmütterhaus wurden über 300 Kinder betreut

Beim Sommerfest des Flitze-Floh ließen es sich alle wohl ergehen. -

„Heraus kam ein nett gestalteter Info Flyer“, so Götz. „Man hätte die Unterstützung der Tagespflegepersonen in Groß-Zimmern sicher noch ausbauen können.“ Tagespflege stecke im Landkreis Darmstadt-Dieburg seit Jahren in den Kinderschuhen. Zuständigkeiten seien häufig unklar und die Sach- und Gesetzlagen sehr unübersichtlich. Die Papierflut, die Eltern bewältigen müssen und die teils sehr privaten Auskünfte würden viele Eltern abschrecken, mit dem Effekt der vermehrten Schwarzarbeit auf dem Gebiet, bei dem die Kinder meist ohne Versicherung und polizeilich überprüften Privatpersonen untergebracht werden, kritisieren die Tagesmütter. „In anderen Landkreisen werden Tagespflegepersonen etwa durch Festanstellung bei den Gemeinden unterstützt, durch Bezuschussung der Betreuungsstunden oder sogar durch kostenfreie Bereitstellung der Betreuungsräume - davon ist Da-Di weit entfernt“, so Heinz Reinholz, „Ich persönlich, sehe in der Tagespflege große Vorteile“, sagt die gelernte Kinderpflegerin. „Die Kinder haben täglich eine feste Bezugsperson, eine kleine, übersichtliche Gruppe und Räume, hoch flexible Betreuungszeiten und sehr individuelle, liebevolle Pflege.“

Das Konzept war jahrelang sehr erfolgreich. Im Tagesmütterhaus wurden über 300 Kinder betreut. Das große Außengelände war Mittelpunkt des Tages und naturpädagogischen Konzeptes, das Motto „hilf mir es selbst zu tun, damit ich wachsen und werden kann“, war täglicher Leitspruch. Mit den Krippenwägen wurde die Gruppe oft in Zimmern gesehen und angesprochen“, erzählt Götz etwas wehmütig, im Rückblick auf all das Geleistete.

Deutliche Veränderung beim Anspruch

Tagesmütter arbeiteten sehr eng mit den Familien zusammen, mit denen die jeweilige Betreuerin, den individuell nach den Bedürfnissen der Familie angepassten Betreuungsvertrag abgeschlossen hat. „Wir wissen sehr viel über die Familien und können so auf vieles intensiver eingehen und Verständnis aufbringen“, erläutert Heinz-Reinholz.

„Wir haben in den letzten Jahren aber auch eine deutliche Veränderung der Anspruchshaltung bemerkt, die es uns zunehmend erschwert den Bedarf zu decken.“Waren es anfangs Eltern, die für ihre einjährigen Kinder sechs bis acht Stunden Betreuung von Montag bis Freitag suchten, so seien es heute Anfragen, die bei mindestens acht bis zwölf Stunden pro Tag liegen. Gerne auch über Nacht und an Wochenenden. Das sei mit der eigenen Familie nicht zu vereinbar „und auch nicht das Konzept, hinter dem wir, als Betreuende stehen“, sagen die beiden Tagesmütter einstimmig. Inzwischen decken die örtlichen Krippen diese Ansprüche ab und haben sich im neuen Jahr auch zum Platzsharing durchgerungen, was in der Tagespflege Gang- und Gebe ist. somit können sich zwei Kinder einen Platz teilen. „So entfallen zwar einige Fördergeldansprüche aber lieber belegte Plätze als leere Stühlchen“, meint Götz, die bereits in diesem Monat in einem festangestellten Arbeitsverhältnis neu durchstartet.

So funktioniert das Betreuungsgeld

So funktioniert das Betreuungsgeld

„Es war eine schöne Zeit mit all den Kindern und wir haben so manche Träne verdrückt, wenn wir ein Kind in den Kindergarten verabschieden mussten. Aber man muss auch deutlich sehen, wenn der Trend abwärts geht und rechtzeitig die Reißleine ziehen“, sagt sie.

Das Betreuungsteam bedankt sich bei allen Nachbarn, die ihnen gerne zugeschaut und sie unterstützt haben. Bei den zahlreichen Privatpersonen, die sie mit Material aller Art versorgt haben und natürlich bei den eigenen Familien, die unterstützt haben, wo immer sie konnten. Für die vielen, netten Worte aller zufriedenen Eltern und die Zeit mit den tollen Kindern. Wer Interesse an einem Betreuungsplatz bei Tagesmutti Carmen Heinz-Reinholz hat, meldet sich bei: Carmen Heinz-Reinholz, Weberstraße 8 in Groß-Zimmern 0178/5084669.

Am Samstag, 28. März, von 10 bis 16 Uhr findet in der Lebrechtstraße 66 ein „Rausverkauf“ der Spielsachen und Einrichtungsgegenstände statt, dann schließen sich die Türen des Tagesmütterhauses und eine schöne Zeit geht zu Ende.

(guf)

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