Patienten fragen: „Konnte nicht wenigstens einer im Ort sein?“

Alle Ärzte zwischen den Jahren im Urlaub

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Die Vergrößerung des Hausarztzentrums in Groß-Zimmern wurde sehr gut angenommen.

Groß-Zimmern - In Relation zu anderen Gemeinden ist die Versorgung im Ort mit sieben Allgemeinmedizinern eigentlich relativ gut. Ende Dezember und Anfang Januar riefen dennoch etliche, vor allem ältere Leser in der LA-Redaktion an, weil kein einziger Arzt vor Ort war. Von Gudrun Fritsch 

„Muss das denn sein, dass alle auf einmal Urlaub machen?“, fragte zwischen den Jahren ein älterer Herr, der namentlich nicht genannt werden wollte. Eine ebenfalls ältere Dame schilderte ihr Problem: „Mein Mann ist krank und hat Fieber. Ich kann nicht Autorfahren. So müssen wir mit dem Taxi nach Groß-Umstadt zum Krankenhaus.“ Dort ist nämlich der Notdienst angesiedelt, der im Vertretungsfall auch für Groß-Zimmerner Patienten zuständig ist.

Sieben Allgemeinmediziner praktizieren im Ort. Nachdem ende 2014 zwei Hausärzte aus Altersgründen ihre Praxis aufgegeben haben und keine Nachfolger gefunden wurden, hatte die Gemeinde entschieden, das Hausarztzentrum in der Kreuzstraße finanziell zu unterstützen. So wurde das Team von Dr. Hannelore Weber, Dr. Michael Wiedekind, Dr. Oliver von Falkenhausen und Beate Schlitt mit Dr. Dörthe Weißenborn und Christoph Weimer um zwei Kollegen erweitert. Die Frage, wieso nun alle auf einmal Urlaub machen mussten, stellt der LA an Dr. von Falkenhausen.

Der Arzt erklärt, dass man damit einem Beschluss des ärztlichen Bereitschaftsdienstes gefolgt sei. Dessen Mitgliederversammlung hatte beschlossen, die Dienstzentrale an allen Brückentagen zu betreiben, also vom 24. Dezember bis 3. Januar. „Da es auch in unserem Interesse ist, den Notdienst wirtschaftlich arbeiten zu lassen, gibt es eine Art Konsens, an diesen Tagen die Praxen vor Ort geschlossen zu halten“, so von Falkenhausen. Es sei sehr schwierig, Ärzte für die Notdienste zu finden, besonders in ländlichen Gegenden.

Der Trend der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), den Bereitschaftsdienst aufzupeppen, ziele auch darauf ab, die Arbeit für Mediziner in der Region attraktiver zu machen. Entsprechend unterstütze auch die Hausarztpraxis natürlich dieses Angebot und „bei uns hier hat sich bisher niemand beschwert. Über den Bereitschaftsdienst gab es überhaupt keine Klagen. Wir sind froh, dass das so gut funktioniert“, sagt von Falkenhausen. In der ersten Woche des neuen Jahres habe es keine Besonderheiten gegeben. Seit November mache eine eher übliche grippale Infektwelle die Runde und zu Jahresbeginn gab es wie immer viel Arbeit.

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„Viele Patienten sind der Meinung, der Hausarzt müsse zu jeder Zeit da sein“, berichtet der Arzt und ergänzt: „Um hier weiterhin wirtschaftlich arbeiten zu können, müssen eben auch die Bereitschaftsdienste ausgelastet sein.“ An deren qualitativ guter Arbeit hat von Falkenhausen keinen Zweifel. Es seien immer zwei Ärzte im Innendienst tätig und einer übernehme die Hausbesuche. Niedergelassene Ärzte, die dabei nicht eingeteilt werden wollen oder können, haben die Möglichkeit, sich freizukaufen. Die Dienste übernehmen neben ihnen auch Ehemalige sowie Krankenhausärzte.

Wenn man beim Notdienst anruft, wird medizinisch entschieden, ob ein Transport für den Patienten zumutbar oder ein Hausbesuch erforderlich ist. Aktuell gehe der Trend hier eher zum Hausbesuch. Das liege auch daran, dass die KV die Honorare für den Patientenbesuch erhöht und die für den Innendienst etwas gesenkt habe. „Ich gehe jedoch davon aus, dass man das bei der nächsten KV-Mitgliederversammlung wieder ändern wird“, mutmaßt der Arzt und betont: „Wir können es uns hier einfach nicht mehr aussuchen. Die Wege zum Arzt werden weiter.“

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