Sieben Linien im Kreis betroffen

Baldiger Wechsel am Bussteig?

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Nicht nur an der Albert-Schweitzer-Schule sind die Busse der Firma Werner selten pünktlich, es hagelt Beschwerden. Im Dezember hat das Unternehmen einen Antrag auf Entbindung von der Betriebspflicht gestellt. Groß-Zimmern wird allein von Bus-Werner angefahren

Groß-Zimmern/Darmstadt-Dieburg - Im Dezember endet der Vertrag zwischen RMV und Bus-Werner. Denn alle acht Jahre werden die Linienbündel im Personen-Nahverkehr neu ausgeschrieben. Von Eva-Maria Lill 

Der Wechsel könnte allerdings schon vorher passieren: Werner hat überraschend einen Antrag auf Entbindung von der Betriebspflicht gestellt.

Pendler ärgern sich oft über Bus und Bahn. Verspätete Fahrten, Ausfälle, unfreundliches Personal. Wenn die Schimpfliste allerdings meterlang wird, herrscht Handlungsbedarf. So etwa beim Bensheimer Unternehmen Bus-Werner, das seit 2007 einen Teil der Linien im Landkreis Darmstadt-Dieburg bedient.

In den Lokalzeitungen und im Internet wird munter echauffiert, beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) stapeln sich die Beschwerden: Verspätungen sind an der Tagesordnung, Fahrer werden unter Tarif bezahlt, Schulkinder stehen im Regen. Seit Mitte vergangenen Jahres verhandelt das Regierungspräsidum Darmstadt (RP) mit Bus-Werner über einen Widerruf der Betriebsgenehmigung – bislang ohne Ergebnis.

Den Zuschlag bekommt das Unternehmen nicht

Doch die Tage des zornigen Faustschüttelns sind gezählt. Alle acht Jahre müssen die Nahverkehrsverbände auf Grundlage des EU-Rechts ihre Linienbündel neu ausschreiben. „Unternehmen dürfen sich bewerben und anschließend duellieren: Zu welchem Preis bieten sie Leistungen an? Welche Zeiten können sie fahren? Die zukunftssicherste und kostengünstigste Firma bekommt den Vertrag“, erläutert Gerd Weibelzahl von der Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation (Dadina). Ob sich Bus-Werner überhaupt für den neuen Turnus beworben hat, darf er nicht verraten. Fakt ist: Den Zuschlag bekommt das Unternehmen so oder so nicht. Ab Dezember ist die DB Busverkehr GmbH für den ordnungsgemäßen Ablauf der sieben ehemaligen Werner-Strecken zuständig. Betroffen sind die Linien 672, 673, 674, 679, 682, 684 und die Silversterlinie 872.

Busgeplagte müssen jedoch vermutlich nicht mehr bis Ende des Jahres warten. Werner hat am 18. Dezember überraschend einen Antrag auf Entbindung von der Betriebspflicht gestellt. Das heißt, dass das Unternehmen den auslaufenden Vertrag nicht mehr erfüllen möchte oder kann. Zu konkreten Gründen schweigt Geschäftsführer Jürgen von Glischinski. Falls dem Antrag stattgegeben wird, ist ein frühzeitiger Betreiber-Wechsel wahrscheinlich. Wann genau steht noch nicht fest. Glischinski geht davon aus, dass ein Verfahren mindestens drei Monate in Anspruch nehmen wird. Zeit, die nötig ist, um den Antrag von Bus-Werner genau zu prüfen: ein bürokratischer Marathon. „Betroffene Kommunen und der RMV sind aufgefordert, bis Ende Januar Stellung zu beziehen. Werner selbst muss den Antrag mit Zahlenmaterial und Belegen untermauern. Auf diese Unterlagen warten wir jetzt. Die Fäden laufen im Regierungspräsidium zusammen“, erklärt RP-Sprecher Dieter Ohl. Erst, wenn alle Papiere vorliegen, geht es auf zur nächsten Etappe.

Vorzeitiges Entlassen wird jetzt geprüft

Auch die Dadina als Untergruppe des RMV arbeitet an einer schriftlichen Erklärung. „Es wird überprüft, inwiefern der Antrag von Werner rechtskonform ist“, so Weibelzahl. Im Personenbeförderungsgesetz sei genau verzeichnet, wann ein vorzeitiges Entlassen aus der Pflicht in Frage komme. Laut Paragraph 21 „wenn die Erfüllung nicht mehr möglich ist“, beispielsweise aufgrund von Fahrermangel oder wirtschaftlichen Engpässen.

Zudem darf die Entbindung „nicht dem öffentlichen Verkehrsinteresse entgegenstehen“ Weibelzahl ist skeptisch: „Wir haben eine Menge stadtübergreifenden Schülerverkehr, besonders zur John-F.-Kennedy-Schule in Münster. Groß-Zimmern wird allein von Bus-Werner angefahren. Fällt das weg, hätte die Gemeinde vorerst gar keine Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr.“ Das alles passiert jedoch nicht von Heut auf Morgen.

Trotz des Antrags muss Bus-Werner bis zur Klärung die Betriebspflicht aufrechterhalten: „Die können jetzt nicht einfach alles stehen und liegen lassen“, versichert Weibelzahl. Probleme werden jedoch nicht ausgeschlossen: „Möglicherweise müssen Pendler für einige Monate mit einem eingeschränkten Angebot auskommen“, bestätigt Dieter Ohl.

Für die Sicherstellung des Verkehrsdienstes und die Einrichtung von Notmaßnahmen ist der RMV zuständig.

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Zu konkreten Lösungen kann RMV-Pressesprecher Sven Hirschler noch nichts sagen: „Offiziell geht der Vertrag mit Werner noch bis zum 12. Dezember. Wir wollen ihn erfüllen.“

Werner ist für zwei Linienbündel im stadtübergreifenden Regionalbetrieb zuständig – Darmstadt/Dieburg und Flughafen. Beide sind vom Antrag betroffen. Ein weiteres Bündel fährt das Groß-Zimmerner Unternehmen Winzenhöler. Nicht tangiert sind die stadtinternen Linien in Darmstadt (Haeg Mobibus), Reinheim (StadtLandBus), Babenhausen (Spahn u. Roth), Ried (V-Bus) sowie Groß-Umstadt (Jungermann).

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