Die Band Lehman 5 spielt seit fünf Jahren in der Region

Musikalische Gründung in der Bankenkrise

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Detailverliebte Rockröhren: die Zimmerner und Dieburger von Lehman 5, von links nach rechts: Philipp Seubert, Roman Bärtl, Caspar Sornberger (Hintergrund, Schlagzeug) Jennifer „Jenny“ Heckner und Jonas Schäfer.

Groß-Zimmern/Dieburg- Lokaler Rock auf regionalen Bühnen: Die 2010 gegründete Band Lehman 5 hofft auf weitere Engagements, um ihre musikalische Vielfalt beweisen zu können. Von Jens Dörr 

Als die Weltwirtschaft im Jahr 2010 noch immer die Folgen der Bankenkrise spürte, war das eher die Phase der Pleiten denn der Neugründungen. In Dieburg und Groß-Zimmern, nicht weit weg vom Finanzzentrum „Mainhattan“, dachte ein Quintett anders. Denn genau da rauften sich fünf junge Musiker zusammen und riefen eine neue Band ins Leben. Inzwischen haben Lehman 5 in der näheren Umgebung Fuß gefasst, spielten in diesem Jahr beispielsweise bei der Münsterer „River Night“ oder erst jüngst bei „Dieburg in Blau“.

Die heutige Besetzung der Gruppe umfasst in Roman Bärtl (28, Gitarre, von Beruf Informatiker, stammt aus Groß-Zimmern), Jonas Schäfer (28, Keyboard, Student der Elektrotechnik, Groß-Zimmern) und Philipp Seubert (28, Bass, Betriebswirtschaftler, Groß-Zimmern) noch drei der Gründungsmitglieder. „Als wir anfingen, war das Thema Finanzkrise gerade aktuell und es wurde oft über die Pleite der Bank Lehman Brothers in den Nachrichten berichtet“, erzählt das Trio. Auch der Tod Michael Jacksons habe die Schlagzeilen beherrscht. „Daher haben wir uns aus einer Bierlaune heraus – und gedrängt davon, dass wir für unseren ersten Auftritt schnellstmöglich einen Bandnamen benötigten – für eine Mischung aus dem Namen der Investmentbank und den Jackson Five entschieden.“

Daraus wuchs auch die Idee einer Bandgeschichte: fünf Banker, die nach dem Crash pleitegingen und genötigt waren, „Rockstars“ zu werden. Überlegt haben sich die Musiker dazu ganz individuelle, humorvolle Anekdoten, nachzulesen auf der Website www.lehman5.de.

Weniger gesprochen als gerockt wird derweil, wenn die mittlerweile um die Dieburger Jennifer „Jenny“ Heckner (31, Gesang, Lehrerin an der Alfred-Delp-Schule) und Caspar Sornberger (19, Schlagzeug, FSJler bei der Lebenshilfe) erweiterte Formation auf die weltbedeutenden Bretter geht. Erstmals war dies 2010 beim Settchesball in Eppertshausen der Fall, jährlich einige Gigs in der Region folgten. Trotz tonaler und optischer Qualitäten von Lehman 5 allerdings kein Selbstläufer, wie die Mitglieder herausstellen: „Bekannte Bands werden eher gebucht als eine unbekannte. Da wir so recht selten präsent sind, ist es für uns schwer, uns zu etablieren und die Aufmerksamkeit auf uns zu lenken.“

Schade findet die Band, dass sie von geplanten Veranstaltungen oft erst recht spät erfahren: „Es gibt meist keine öffentlichen Ausschreibungen oder Ähnliches“. Gerne hätte sich die Gruppe für das ein oder andere Event schon angeboten, „doch die Planung war oftmals bereits abgeschlossen und eine andere Band engagiert“. Dennoch machen Lehman 5 unverdrossen weiter – mit Spaß an der Musik, die sie trotz aller Heterogenität bei den Vorlieben ihrer Mitglieder genremäßig zu strukturieren versuchen. „Wir wollen einen klaren musikalischen Bogen spannen und mit außergewöhnlichen Songs überraschen“, beschreiben die fünf ihren Ansatz.

So begegnen sich etwa Titel aus dem klassischen Rockbereich, Pop der vergangenen Jahre, deutsche Partymusik aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle und den 90ern sowie bekannte Filmmusik und Medleys, zum Beispiel von Michael Jackson oder der Eurodance-Nische. Dabei zeichne Lehman 5 „eine gewisse Detailverliebtheit“ aus, wie die vier Männer in der Band anmerken. So könne es sein, dass während der Proben an wenigen Takten stundenlang gefeilt werde. Was Frontfrau Jenny Heckner immer aufstöhnen lasse: „Jungs, ist gut jetzt!“

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