Unter die vorwiegend heiteren Töne des „Guggugg“ mischten sich nachdenkliche

Tücken der Verwandtschaft

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Zum besseren Verständnis hatte der „Guggugg“ die Ahnentafel seiner „bucklisch Verwandtschaft“ mitgebracht.

Groß-Zimmern - Mit der „bucklisch Verwandtschaft“ hat sich der „Guggugg“ (Jürgen Poth) bei seinem Auftritt im Groß-Zimmerner Glöckechen auseinandergesetzt: auf bewährt humorige Weise. Von Ulrike Bernauer

Wer am Samstag um 19.30 Uhr ins Glöckelchen kam, und hoffte, zu dieser Uhrzeit noch einen Platz in den vorderen Reihen zu ergattern, sah sich getäuscht. Jürgen Poth, alias „Guggugg“, mit dem Programm „Die bucklisch Verwandtschaft“, wollten ganz viele Zimmerner sehen. Und so verkündete Bettina Gibson-Altmann vom Glöckelchenverein bei ihrer Begrüßung auch ganz stolz: „Heute stellen wir das dritte Mal in der Geschichte der Veranstaltungen das Schild „Ausverkauft“ vor die Tür.“

Die vielen Zimmerner, die gekommen waren, haben ihre Entscheidung mit Sicherheit nicht bereut, mitunter tobte der Saal vor Heiterkeit. Viel Gelächter gab es nicht nur für die Lieder über die bucklisch Verwandtschaft, sondern auch für die Erläuterungen. Dafür hatte der Mundartsänger eine große Ahnentafel hinter sich aufgestellt. Los ging es mit den Ur-Ur-Großeltern, die letzten waren „meu Fraa un ich“. Da waren neben Opa Erich und Oma Käthchen auch die Großtante Ilse oder Onkel Horst abgebildet. Nicht jeder der Anverwandten schaffte es am Samstagabend ins Programm, aber einem erklecklichen Teil der Sippschaft war ein Lied gewidmet.

Der liebste darf nicht geheiratet werden

Uroma Anna wurde mit dem Blut „als besonderem Saft“ besungen. Tränen lachten einige, als Poth in seinem Lied beschrieb, wie die Tochter immer wieder den Liebsten, auf den sie ein Auge geworfen hatte, nicht heiraten durfte, weil Uropa Fritz nicht nur mit der Uroma ins Bett gestiegen war. Das Lachen nahm dann kaum ein Ende, als im Lied die Uroma ihrer Tochter sagte, sie könne alle heiraten, denn „blutsverwandt sind nur wir zwei“.

Geschmunzelt wurde auch, als Tante Ilse in ihrer Funktion als Bankangestellte mit Locher und Brieföffner auf den Bankräuber losging und ihn zu Boden streckte. „Die Moral von der Geschicht, leg dich nicht mit Tante Ilse an“, war das trockene Resümee. Aber neben viel Heiterem hatte Poth auch Nachdenkliches im Programm. Zwei beste Freunde hatte der Opa, den Salomon und den Walter, der gerne Musik machte. 1933 konnte man der Verwandtschaft noch trauen, so der „Guggugg“, später nicht mehr. Salomons Vater wurde der Kuhstall angesteckt und die Feuerwehr kam zu spät zum Löschen, und noch später brannte die „Judenschule“. Salomon war mutig und rettete die Thorarolle, am nächsten Morgen war er tot. Als Freund Walter einen Stein auf einen SS-Mann warf, wurde er mitgenommen, keiner hörte je wieder etwas von ihm. Poth zog Parallelen zur heutigen Zeit: „Es waren immer nur die anderen, daran hat sich bis heute kaum etwas geändert.“

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