Herzliches Miteinander in Richters Garten

Tolle Stimmung beim Fest mit Flüchtlingen

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Ausgelassen feiern, das war für die Flüchtlinge lange nicht möglich. Viele setzen sich dafür ein, dass es ihnen gut geht.

Groß-Zimmern - In der Luft tanzen Seifenblasen, es wird gespielt, geplaudert und gut gegessen. Eine sehr angenehme Atmosphäre herrscht im Garten von Familie Richter am Montag beim großen Willkommensfest der Flüchtlinge. Von Gudrun Fritsch 

Es war ein Fest von den Menschen und für die Menschen, die vor Krieg und Terror geflohen sind und nun in Zimmern ein erstes friedliches und ruhiges Zuhause gefunden haben. Gemeinsam mit den 46 Flüchtlingen, die aktuell in der Gemeinschaftsunterkunft in der Bahnhofstraße 7 (ehemaliges „Georgi“) leben, hatten der Arbeitskreis, die Investorenfamilie Willi Hartmann und die Gemeinde zu einem Begrüßungsfest eingeladen. Das Ehepaar Richter, einst Gastwirte des Restaurants, hatte neben der kleinen Grünfläche am Haus auch ihren privaten Garten geöffnet und mit Tischen, Bänken und einem großen Buffet zur Partyzone gemacht. Im vorderen Bereich gab es Spielgeräte für Erwachsene und Kinder.

„Es ist klasse, wie harmonisch das hier läuft“, sagte Markus Mehner beeindruckt. Er war mit seiner Frau Bettina gekommen, die sich im Arbeitskreis engagiert, Töchterchen Leonie genoss das Fest offensichtlich auch. Alle direkt Beteiligten trugen Namensschilder. Auf dem von Hausherrin Anke Richter stand statt des Vornamens in großen Buchstaben: Mama. „Hier sagen alle einfach Mama zu mir. Ich finde das gut“, sagte sie hocherfreut über die positive Resonanz. „Die ganze Nachbarschaft war hier, auch Menschen, die ein paar Straßen weiter wohnen. Und natürlich die Kommunalpolitiker und die Pfarrer. Alle haben etwas mitgebracht, sich die Unterkunft angeschaut und mit den Flüchlingen geredet“, schwärmte Richter.

Nachbarschaft ist angetan

Freude mit Seifenblasen: Viele Kinder wohnen im „Georgi“. Foto: Fritsch

Befürchtungen habe es nach der ersten Versammlung im Glöckelchen schon gegeben. Aber inzwischen seien in der Nachbarschaft alle angetan von den Menschen, die sich sehr zuvorkommend, freundlich und ruhig verhielten. Das ist nicht nur ein Verdienst der „Mama“, sondern gewiss auch auf das hilfreiche Miteinander zurück zu führen, das die vielen Helfer des Arbeitskreises schaffen. Und nicht zuletzt hat Hartmann beim Umbau der Unterkunft vieles so gestaltet, dass ein Zusammenleben so vieler unterschiedlicher Menschen gut möglich ist. „Hier ist es wirklich schön!“, schwärmt Mohamed Omar Sarwary auf Englisch. Seit zwei Monaten ist der 22-Jährige ehemalige Interpolmitarbeiter aus Afghanistan in Zimmern. Er lernt eifrig Deutsch und hat hier in Neson Abzizi einen guten Freund gefunden. Der 35-Jährige Schneider kommt ebenfalls aus Afghanistan. Während Sarwary ein Flugticket hatte, hat Abzizi den ganzen Weg zu Fuß zurückgelegt. „Einen guten Monat lang ist er gelaufen“, übersetzt Sarwary. Doch dem Schneider sieht man die Qualen nicht mehr an. Glücklich lacht er und berichtet, dass er hier auch schon eine Nähmaschine hat. Auch Hartmann ist mit Fest und Leuten sehr zufrieden. Dieser Erfolg macht Mut zu mehr. „Der Pachtvertrag für die Angelgartenstraße wird länger als fünf Jahre gehen“, beschreibt er ein Gespräch mit dem beim Bauverein zuständigen Dieter Emig. Und: „Ich werde der Gemeinde vorschlagen, dort kleinere Wohneinheiten für jeweils acht bis neun Personen in Holzständerbauweise zu errichten“, ergänzt Hartmann. Containerbauten für 50 Personen würden aktuell rund 1,3 Millionen Euro kosten. „Da sind die Häuser nicht nur schöner, sondern eventuell auch günstiger. Zudem kann man sie später als Sozialwohnungen nutzen.“

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