Bürger klagen und machen Vorschläge

Lösungen für Radverkehr

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Die meisten Bürger wollen Verkehrsberuhigung.

Groß-Zimmern - Eigentlich ist das Verkehrsaufkommen in den letzten 20 Jahren gleich geblieben, zur Entlastung gibt es auch keine neuen Lösungen. Das war am Donnerstag das Fazit für die rund 80 Teilnehmer der Bürgerversammlung, die den Ergebnissen der Planer lauschten.

Längst nicht alle Stühle in der Mehrzweckhalle waren besetz, und rund die Hälfte der Besucher waren aktive Kommunalpolitiker. Dennoch kann man sagen, dass das Thema Verkehr vielen in der Gemeinde sehr wichtig ist. Nachdem der Vorsitzende der Gemeindevertretung (MdL) Manfred Pentz die Sitzung eröffnet und das Prozedere erläutert hatte, stellten die Verkehrsplaner Jörg von Mörner und Paul Fremer die Untersuchungsergebnisse in vier Bausteinen vor. Zur Beurteilung des motorisierten individual-Verkehrs (MIV) wurde im Juni 2014 eine weitere Zählung durchgeführt. Die habe ergeben, dass sich der Durchgangsverkehr auf der Nord-Süd-Achse auch nach der Öffnung der Reinheimer Umgehung und sogar seit 1993 kaum verändert hat, lediglich in der Waldstraße sei ein Zuwachs von 19 Prozent gezählt worden. „Das Mehr an Mobilität wurde durch den Schnellbus nach Darmstadt und weitere Angebote des öffentlichen Nahverkehrs gut aufgefangen“, erläuterte von Mörner. Glaubt man den Planern, so ist die Situation in Zimmern auch für Radfahrer und Fußgänger eigentlich gut, und wer einen Parkplatz sucht, der wird in der näheren Umgebung bald fündig.

Das mochten die Bürger so jedoch nicht hinnehmen. Bewohner der Reinheimer Straße klagten ihr Leid, weil sie vor allem nachts wesentlich mehr Lärm ausgesetzt seien. „Sie können gerne zu mir ans Fenster kommen. Es gibt Essen und Getränke und Sie können selber sehen, was auf der Straße los ist. Wenn es tatsächlich so wenig Fahrzeuge sind, gebe ich mein Auto für ein Jahr ab“, lud ein gastfreundlicher Anwohner zur Überprüfung der Zahlen ein.

Tempobegrenzung als einzige Maßnahme

Von Mörner verwies darauf, dass die Radarblitzer auch zur Dauerzählung des Verkehrsaufkommens genutzt werden könnten. Da der Bau einer Umgehung inzwischen nicht mehr möglich sei und eine kaum realisierbare Querspange zwischen der L 3114 (Bertha-von-Suttner-) und der Waldstraße nur sehr wenig Entlastung bringen würde, bleibe als einzige Maßnahme wohl nur eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer. „In der Darmstädter Heinrichstraße hat man mit der Lösung zwischen 22 und 6 Uhr sehr gute Erfahrungen gemacht“, riet der Planer.

Davon müsste man allerdings „Hessen Mobil“ überzeugen, da die Landesbehörde zuständig ist. Eine solche Lösung befürwortet Bürgermeister Achim Grimm, der auch zu ersten Ergebnissen der „Blitzer“ befragt wurde. „Noch stehen keine Zahlen fest, aber es geht definitiv schon etwas geregelter zu“, kommentierte er.

Bei der Parkraumfrage beschwerten sich einige Anwohner, dass viele Grundeigentümer ihre Garagen zweckentfremdet nutzen und ihre Autos lieber auf der Straße stehen lassen. „Kann denn die Gemeinde da nicht mal für Ordnung sorgen?“, fragten Bewohner des besonders belasteten Ortskerns. Den Vorwurf, dass man sich durch Ablösezahlung von der Stellplatzsatzung freikaufen könne, wies der Bürgermeister zurück. „Das gab es nur in Ausnahmefällen, wo es nicht anders möglich war. Ansonsten machen wir das nicht.“ Für Fußgänger sei im Ort einiges besser geworden. „Warum gibt es in der Max-Planck-Straße auch nach dem Lidl-Umbau keinen Gehweg?“, wollte eine Frau dazu wissen. Das werde unbedingt berücksichtigt, denn die Straße soll erst noch komplett saniert werden. Die Mittel seien im Haushalt bereits eingeplant, erwiderte Grimm.

Bei der Radwegplanung konnte er jedoch keine Hoffnung schüren. Die meisten Projekte seien von Landesmitteln abhängig und stünden bei „Hessen Mobil“ weit hinten auf der Liste. „Aber zwischen Groß-Zimmern und Gundernhausen wird sich wohl 2015/16 etwas tun“.

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Um eine bessere Anbindung auch zum Sportplatz der Viktoria in Klein-Zimmern zu schaffen, werde die Gemeinde den Radweg entlang des St. Josephshauses bis zur Landesstraße ausbauen. Das Planungsbüro hat eine Prioritätenliste für den Ausbau des Radverkehrs mit ersten Kostenschätzungen erstellt. Vorrangig wären die Waldstraße zu nennen oder das Fehlen einer Querung der Bertha-von-Suttner-Straße im Norden. „Eine Hauptverkehrsstraße ohne Radverkehrsanlage ist nicht mehr zeitgemäß“, plädierte Fremer für eine entsprechende Markierung in der Waldstraße.

Grimm will diese möglichst bald anbringen lassen. Auch die anderen Anregungen wolle er zügig angehen. „Die Prioritätenliste soll jetzt im Parlament behandelt und dann abgearbeitet werden“, sagte er nach der Bürgerversammlung.

Auf die kritische Frage eines Bürgers nach den Kosten für die Untersuchung, die sich ja wohl kaum gelohnt habe, da doch schon im Vorfeld hätte klar sein müssen, dass es keine Lösungen geben wird, entgegnete Grimm: „Die Erstellung des Verkehrsentwicklungsplans war ein Beschluss der Gemeindevertretung, den musste der Gemeindevorstand umsetzen. 30.000 Euro wurden hierfür bereits im Haushalt 2013 eingeplant.“

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