Freude am Leben

Margareta Grohe feiert heute 95. Geburtstag

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Die Jubilarin hat sich ihre Freude am Gesang bewahrt. Sogar das Ave Maria auf Latein gehört zu ihrem Repertoire.

Groß-Zimmern - „Ich singe immer noch sehr gerne. Was ich einmal gelernt habe, vergesse ich nie mehr“, sagt Margareta Grohe. Am 23. Mai wird sie 95 Jahre alt. Sie ist sicher: Singen befreit und hält die grauen Zellen fit. Von Julia Glaser 

Zusammen mit fünf Geschwistern wuchs die „waschechte“ Zimmernerin in der Dieburger Straße auf. Der Vater war Bauführer, die Mutter Hausfrau. „Bei uns war immer etwas los. Auch wenn es viel zu arbeiten gab, war es eine schöne Kindheit, ein gutes Elternhaus“, erinnert sie sich. Oft gingen die Kinder mit aufs Feld. Am alten Wasserwerk pflanzte man Kartoffeln an, mit der Dreschmaschine wurde Korn und Weizen bearbeitet. Zu Hause gab es Tiere zu versorgen, Ziegen und Hühner, außerdem kelterte die Familie Wein aus Reben, die im Hof wuchsen. „Einmal hat mein Vater es nicht geschafft, die Trester wegzubringen. Die Hühner haben das dann aufgepickt. Danach waren sie betrunken und haben alle Viere von sich gestreckt“, erzählt sie lächelnd.

Ihren inzwischen verstorbenen Ehemann Johannes Grohe lernte sie bei einem Ausflug zum Dieburger Spießfeld kennen: Bei einer Fahrradpanne war der Automechaniker der Retter in der Not. Ihrem Rad blieb sie trotzdem treu, vom Autofahren konnte sie der spätere Fahrlehrer Grohe nie überzeugen. Bis heute zieht sie es vor zu laufen, wenn es geht, anstatt sich mit dem Auto fahren zu lassen.

Mit dem Fahrrad zur Arbeit

Weil das Geld in den Jahren nach dem Krieg knapp war, arbeitete Margareta Grohe bei der Firma Reiß in Dieburg. Als „Anschlagerin“ befestigte sie Bügel an Handtaschen. Als die Firma nach Münster zog, fuhr sie fünf Jahre lang jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit. Die nächste berufliche Station war bei einer Firma in Groß-Zimmern, die Militärhosen herstellte und bei der sie sechs Jahre als Betriebsratsvorsitzende die Interessen der Mitarbeiter vertrat. Danach wechselte sie zur Firma Wiedekind, die Wäsche aus Perlon herstellte.

1956 kam Tochter Rita zur Welt. Aus ihrer ersten Ehe stammte Tochter Erika, deren Vater im zweiten Weltkrieg gefallen war. Nach der Geburt blieb sie zu Hause bei den Kindern. Langweilig wurde es aber auch hier nicht: „Ich habe immer gerne Kinder um mich gehabt. Fast die ganze Nachbarschaft ist bei uns groß geworden“, erinnert sie sich. Ihrer Lust am Singen ging sie im Frauenchor des Arbeitergesangvereins nach, und auch das Tanzbein schwang das Ehepaar Grohe gern. „Wir sind immer Tango tanzen gegangen im Tanzcafé Bergblick an der Bergstraße. Mein Mann war ein guter Tänzer“, sagt sie.

Inzwischen hat Margareta Grohe drei Enkelkinder und einen Urenkel. Gefeiert wird in einem Zelt im Hof, viele Freunde und Bekannte haben sich angekündigt. Große Geschenke benötigt sie nicht. „Wenn ich etwas bekomme, dann soll es nach Nepal geschickt werden“, ist ihr Wunsch. Ihr Schwiegersohn stammt aus der von Erdbeben geschüttelten Region, dessen Familie sie unterstützen möchte.

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